Interview: Initiatorin Irina Hoff über die Ausstellung "Volk auf dem Weg"

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Gab Anstoß für Ausstellung: Die Frankenbergerin Irina Hoff ist selbst Russlanddeutsche und sprach mit uns über Integration.

Frankenberg. Am Mittwoch Abend wird in der Sparkassen-Filiale in der Frankenberger Uferstraße die Wanderausstellung „Volk auf dem Weg“ eröffnet. Sie thematisiert unter anderem die Integration der Russlanddeutschen.

Über dieses Thema sprachen wir mit der Initiatorin der Ausstellung, Irina Hoff, die selbst als 14-Jährige mit ihrer Familie aus Kasachstan nach Deutschland übersiedelte.

Können Sie sich noch erinnern wie es war, als sie 1992 nach Deutschland kamen?

Irina Hoff: Ich erinnere mich noch gut, wie wir in Frankfurt ankamen. Die Sauberkeit auf den Straßen und die schöne grüne Landschaft sind mir besonders aufgefallen. Meine Schulzeit war aufgrund der Sprachschwierigkeiten nicht einfach. Aber dank den Lehrern, die an mich geglaubt und mir geholfen haben, habe ich die Edertalschule erfolgreich abgeschlossen und konnte mein Architekturstudium an der TU Darmstadt absolvieren.

Was bedeutet für Sie persönlich der Begriff „Integration“?

Hoff: Integration ist für mich weit mehr als rechtliche und politische Akzeptanz. Es bedeutet vor allem, in Vielfalt miteinander leben, ohne die eigene Identität aufgeben zu müssen. Es bedeutet, sich auszutauschen, voneinander zu lernen und füreinander da zu sein. Integration darf nicht einseitig verstanden werden. Natürlich muss jemand, der in ein Land kommt und dort bleiben will, auf die Gesellschaft zugehen. Aber auch die Gesellschaft muss für diesen Menschen Interesse zeigen und darf ihn nicht ignorieren.

Woran kann das ihrer Meinung nach scheitern? Vielleicht ganz konkret im Fall der Russlanddeutschen.

Hoff: Ich denke, dass viele Menschen leider Vorurteile gegenüber den Russlanddeutschen haben; sie würden viel trinken, seien gewalttätig und kriminell. Solche Leute würde ich selbst auch meiden wollen. Aber ich kenne sie als fleißige, familienfreundliche und gastfreundliche Bürger. Natürlich gibt es schwarze Schafe unter den Russlanddeutschen, aber die gibt es auch unter den Einheimischen. Man darf sich nicht von den Vorurteilen abschrecken lassen, sondern man muss auf die Leute zugehen, sie kennenlernen und seine eigenen Erfahrungen machen.

Jugendliche Spätaussiedler hatten in den 1990er-Jahren lange Zeit die höchste Kriminalitätsbelastung in Deutschland. Was sagen Sie dazu?

Hoff: Ich kenne die Zahlen nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass das vor allem an der schwierigen Situation der Jugendlichen lag, die ja in der Zeit gerade erst nach Deutschland gekommen waren. Wenn Sie aus einem Land kommen, in dem Sie als Deutscher gelten und darunter nicht selten auch leiden, dann nach Deutschland kommen und dort für alle ein Russe – also auch ein Fremder – sind, das ist für junge Menschen nicht einfach. Hinzu kam dann noch die Situation in den Übergangswohnheimen, die ich schon als eine Art Ghettoisierung bezeichnen würde. Ich glaube, die jungen Menschen waren damals einfach frustriert. Aber das ist lange her.

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Quelle: HNA

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