Frankenberg

Frankenberg trauert um Freimuth

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- Frankenberg (gi). Architekt und Diplomingenieur Hermann Freimuth ist am Sonntag nach einem erfüllten Leben im Alter von 89 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben.

„Sein Tod war Erlösung“, sagte seine Ehefrau Marianne Falkenburg. Nach über 20-jähriger Partnerschaft hatte das Paar in diesem Jahr am 31. Oktober standesamtlich geheiratet. Hermann Freimuth hat sich um seine Heimatstadt Frankenberg verdient gemacht. Er gilt als „Planer und Architekt der Fußgängerzone“, die Anfang der 1970er-Jahre in der Ära von Bürgermeister Sepp Waller fertiggestellt wurde. Auch die umfangreiche Altstadtsanierung jener Zeit trägt in weiten Bereichen seine Handschrift. Darüber hinaus hat er das Frankenberger Hallen- und Freibad, das Stadthaus (heute die Stadtverwaltung am Obermarkt) und die Erweiterung der katholischen Kirche konzipiert und gebaut.

Hermann Freimuth galt damals als „katholischer Kirchenbaumeister“ schlechthin. Denn fast alle katholischen Gotteshäuser der Region sind nach seinen Entwürfen errichtet worden: „Peter und Paul“ in Marburg, Biegenstraße, sowie die Kirchen auf der Muna (heute Burgwald), in Ernsthausen, Cölbe, Lora, Borken bei Fritzlar und Sachsenberg. Außerdem hatte er die Bauunterhaltung aller katholischer Kirchen in der Schwalm übernommen. Geboren wurde Hermann Freimuth am 13. Juni 1922 in Frankenberg. Seine Mutter war Frankenbergerin und sein Vater Bahnbeamter aus Paderborn. Dieser hatte den katholischen Glauben in die Frankenberger Familie gebracht.

Hermann Freimuth erlernte nach dem Schulbesuch das Maurer- und Zimmererhandwerk als praktische Grundlage für sein späteres Architekturstudium, das er in Mainz absolvierte. Doch der Zweite Weltkrieg unterbrach seine Karriere. Als 20-Jähriger kam er 1942 zur Wehrmacht und überlebte mit viel Glück den Russlandfeldzug. In Rumänien geriet Hermann Freimuth 1945 in Kriegsgefangenschaft, um dann gleich wieder aus dem Internierungslager zu flüchten. Aber die Rote Armee fing ihn wieder ein. Und so musste der junge Frankenberger Student zunächst den „Roten Platz“ in Moskau fegen.

Die Sowjets erkannten jedoch sein handwerkliches Talent und setzten Hermann Freimuth zur Restaurierung von Stuckdecken im Kreml ein. Nach zwei Jahren durfte er wieder in die Heimat zurückkehren, matt und vom Krieg gezeichnet. Inzwischen schrieb man das Jahr 1947. Wenig später setzte er sein Studium fort und hatte bald sein Diplom in der Tasche. Mit seinem Bruder Rudolf gründete der Architekt im Jahr 1949 „auf der Muna“ (heute Burgwald) zunächst ein kleines Fertighausunternehmen. Später unterhielt er in Frankenberg als „Selbständiger Architekt“ ein florierendes Büro und widmete sich dabei auch der „Nachwuchsausbildung“.

Ehrenamtlich engagierte Hermann Freimuth sich beim „Kreisverband der Heimkehrer“. Er bekleidete zudem viele weitere Ehrenämter. 25 Jahre hatte er den Vorsitz im „Bund Deutscher Baumeister“ inne. Insgesamt 23 Jahre setzte er sich für den Ausbau und die Ausbildungsarbeit im Ortsverband des Technischen Hilfswerks (THW) Frankenberg ein, 30 Jahre arbeitete er als Naturschutzbeauftragter im Verkehrsverein. Darüber hinaus war er 20 Jahre Mitglied im katholischen Pfarrgemeinderat „Sankt Maria Himmelfahrt“. Hermann Freimuth sorgte zudem dafür, dass die Liste der Kriegstoten auf den Gedenktafeln in der Frankenberger Friedhofskapelle komplettiert wurde.

Hermann Freimuth war Wassersportler mit Leib und Seele; sein schnittiges Segelboot lag im Edersee bei Asel-Süd vor Anker. Über drei Jahrzehnte fand er hier sportliche Erholung und stand dabei der von ihm gegründeten Steggemeinschaft vor.Die Trauerfeier mit Urnenbeisetzung findet am Freitag, 16. Dezember um 11 Uhr in der Friedhofskapelle statt.

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