Herbert Salzmann gibt aus gesundheitlichen Gründen seinen „Irish Pub“ in der Straße „Auf der Heide“

Frankenberg „verliert ein Stück Herz“

Frankenberg - Erst das „Havanna“, dann das „Barrock“ und jetzt auch noch der „Klimperkasten“ - das Kneipensterben setzt sich fort und erwächst zu einem Problem für die Stadt Frankenberg. Denn mit den Kneipen verschwinden auch (kulturelle Abend)-Angebote: Livemusik wird zur Seltenheit, auch „König Fußball“ ist betroffen.

Die Fußball-Bundesliga ist vor knapp zwei Wochen in ihre 50. Saison gestartet. Bis vor ein paar Monaten hätte sich Herbert Salzmann noch darüber gefreut, wenn der Ball wieder rollt. Denn Fußball-Tage waren über Jahre hinweg Kneipentage: Nicht nur der Ball, sondern auch der Rubel rollte. Ob Bundesliga an den Wochenenden oder Champions League unter der Woche, viele Stammgäste zogen es vor, gemeinsam beim Bierchen statt alleine im heimischen Wohnzimmer Fußball zu gucken. Bei interessanten Spielen platzte „Herberts Irish Pub“ aus den Nähten: Im Angebot waren dann nur noch Steh- statt Sitzplätze. Doch das Kapitel „Fußball“ hat der frühere Landesliga-Torwart als Erstes zugeschlagen. Zur neuen Saison ließ er sich nicht mehr bei Bezahlsender Sky als Sportsbar registrieren. Zu sehen waren in den vergangenen beiden Wochen deshalb nur noch Sportarten, die im frei empfangbaren Fernsehen übertragen wurden.

Seit Sonntag geschlossen

Doch der Wirt lebte nicht vom Fußball allein. Spätestens seit dem Ende der Livemusik-Kneipen „Havanna“ und „Barrock“ hatte Salzmann das Livemusik-Monopol in Frankenberg. Während andere Lokale nur ab und an mal Musiker engagierten, traten im „Klimperkasten“ nahezu wöchentlich Gruppen auf: Lokale Bands wie die „Backstrikers“ um Matthze Maurer, „Willi, Nobbi und Harry“ um Ersten Stadtrat Willi Naumann oder die „Tabacs“ mit Maik Garthe, aber auch überregional bekannte wie „Garden of Delight“ oder Paddy Schmidt mit „Paddy goes to Holyhead“. Reiner Ohlsen kümmerte sich um die Verpflichtung der Bands. Und auch für außergewöhnliche Abende war Herbert Salzmann immer zu haben: Der „Klimperkasten“ war für etliche Rock-AGs der Edertalschule die erste große Bühne, er öffnete seinen „Laden“ in der Frankenberger Altstadt für „Benefizkonzerte“ und gewährte auch Poeten Einlass.

Mit einem „Poetry Slam“ endete am Freitag das „Kulturprogramm“ im „Klimperkasten“ - und Samstagabend war endgültig Schluss. „Geschlossen“ steht auf einem kleinen Zettel, der an der Eingangstür hängt. Und auch im Internet hat Salzmann einen vielleicht vorläufigen, vermutlich aber endgültigen Schlussstrich unter die Geschichte des „Klimperkastens“ gezogen. „Ob oder wie es weitergeht, ist momentan unklar“, ist auf der Startseite zu lesen. Und das Versprechen: „Wenn sich was Neues ergibt, informieren wir auf dieser Seite.“ Und dann zum traurigen Abschied: „Danke an alle für die Unterstützung in den vergangenen Jahren. Herbert und das Team vom Klimperkasten.“

Bereits zwei Interessenten

Herbert Salzmann macht keinen Hehl daraus, dass ihm dieser Schritt äußerst schwerfällt. Doch seine Gesundheit lässt es nicht mehr zu, Abend für Abend im „Klimperkasten“ zu stehen und für den Zukunft der Wirtschaft zu kämpfen. „Irgendwann ist einfach der Zeitpunkt gekommen, an dem man auch mal an sich denken muss“, begründet er gegenüber der Heimatzeitung die Schließung aus „gesundheitlichen Gründen“.

Und geschlossen wird das Lokal in den nächsten Wochen definitiv bleiben, sagt Hans-Peter Schlichterle, dem das Fachwerkhaus gehört. Er bedauere das Ende des „Klimperkastens“ sehr, sagt er gegenüber der FZ. Seitdem sich die Schließung des „Irish Pubs“ herumgesprochen habe, hätten bereits zwei Gastronomen ihr Interesse an der Kneipe bekundet. Einem hätte die Weiterführung als „Abendlokal“ vorgeschwebt. Doch ihm wäre am liebsten, wenn das Lokal als Livemusik-Kneipe weitergeführt würde, sagt Schlichterle. „Denn so etwas fehlt ansonsten in Frankenberg.“ Etwa in vier Wochen sei er vermutlich schlauer, sagt der Immobilienmakler. Verpachten will er die Kneipe auf jeden Fall wieder.

Der „Klimperkasten“ wird vor allem den Stammgästen fehlen: Denn verschiedene Gruppen trafen sich dort regelmäßig zum Stammtisch, etwa die „Komödie Frankenberg“, aber auch Lehrer. Und auch der ein oder andere in einem der Hotels in der Altstadt untergekommene Geschäftsreisende fand den Weg in das „Irish Pub“ in der Straße „Auf der Heide“.

Der Marketingchef des Hotels „Die Sonne Frankenberg“, Michael Lemke, bedauert deshalb auch die Schließung. „Konkurrenz belebt das Geschäft, dieser Grundgedanke ist vor allem für die Gastronomie ganz entscheidend.“ Es sei eine Mähr zu glauben, dass „man sich gegenseitig das Geschäft raubt“. Denn in der Regel seien die Angebote verschieden und würden sich ergänzen. Vielfalt sei ein Vorteil und führe zu Attraktivitätssteigerung. Er habe auch in Frankenberg schon mehrfach die Erfahrung gemacht, dass von neuen Angeboten auch bestehende Anbieter profitieren würden.

Besondere Atmosphäre

Aus kultureller Sicht sei die Schließung des „Klimperkastens“ ein „herber Verlust“ für Frankenberg, sagt auch Willi­ Naumann - als Musiker und nicht in seiner Funktion als Erster Stadtrat. Gerade die ältere Generation, zu der er sich rechnet, bedauere das Ende sehr. „Die Kneipe hat sich über viele­ Jahre ihr besonderes Flair erhalten.“ In dieser Atmosphäre habe er sich sowohl als Musiker als auch auch Zuschauer immer sehr wohlgefühlt. „Der ,Klimperkasten‘ war die einzige Möglichkeit in Frankenberg, Livemusik zu hören und nebenbei auch noch Leute von früher zu treffen.“

Von einem „totalen Verlust für Frankenberg“ spricht auch Matthze Maurer, der im Dezember das nächste Mal im „Klimperkasten“ hätte auftreten wollen. „Das war die letzte Livemusik-Kneipe, die wir in der Stadt hatten.“ Es habe ihm immer große Freude bereitet, dort Musik zu machen. „Diese einzigartige Atmosphäre habe ich als Musiker, aber auch als Gast immer sehr genossen.“ Irgendwie verliere Frankenberg mit dem „Klimperkasten“ auch „ein Stück Herz“.

Kommentare