Übertragungsgeschwindigkeiten variieren in Kernstadt und Stadtteilen zwischen einem und 150 Mbit

Frankenberger auf der Datenautobahn

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Es werde in Hessen keine digitale Spaltung zwischen Ballungsräumen und ländlichen Regionen geben, sagte kürzlich Wirtschaftsminister Florian Rentsch. In Frankenberg und den Stadtteilen gibt es allerdings noch immer große Unterschieden bei den Übertragungs

Frankenberg - Schnelles Internet ist inzwischen für die meisten Menschen so elementar wie fließendes Wasser. Frankenberg mit Stadtteilen gilt in der Breitband-Karte als „grundversorgt“: Überall werden Übertragungsgeschwindigkeiten von einem Mbit erreicht. Doch der Standard ist längst höher: 20, 50, sogar 150 Mbit sind keine Ausnahme mehr – davon träumen die Willersdorfer, die mit dem Status unzufrieden sind.

Die Breitbandversorgung war eines der zentralen Themen im Bürgermeisterwahlkampf. Schnelles Internet für alle, lautete damals die Devise. Und Nikolas Hansen gab sogar das Versprechen, im Falle seiner Wahl auch die letzten weißen Flecken auf der DSL-Landkarte zu beseitigen. „Ich habe mein Wahlversprechen erfüllt“, teilt Hansen dieser Tage der FZ mit. Sein Arbeitgeber, die Deutsche Telekom, habe der Stadt ein Angebot für schnelles Internet in Willersdorf unterbreitet. Denn dort waren die Übertragungsgeschwindigkeiten in den Wahlkampfmonaten im Winter 2011/2012 besonders niedrig. „Aber die Stadt hat seit Monaten nichts von sich hören lassen“, sagt er und berichtet, dass Bürgermeister Rüdiger Heß ihn nach seinem Amtsantritt sogar in einem persönlichen Brief ermuntert habe, sich in die politischen Diskussionen einzubringen – und beim Thema Internet auch mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

„Abschreckungsangebot“

Doch was ist nun mit dem Telekom-Angebot? „Das Angebot gibt es tatsächlich“, sagt Wolfgang Danzeglocke auf Anfrage der FZ. Der Leiter des Bürgermeisterbüros hat sich in den vergangenen Monaten besonders intensiv mit der DSL-Versorgung Frankenbergs und seiner Stadtteile beschäftigt und hält Kontakt zum Kreis, der sich die schnelle Anbindung Wal-deck-Frankenbergs an die weltweite Datenautobahn ebenfalls zum Ziel gesetzt hat. Und Bürgermeister Rüdiger Heß nennt sogar Zahlen: 355 000 Euro fordert die Deutsche Telekom von der Stadt, um Willersdorf mit schnellem Internet zu versorgen. „Ein Abschreckungsangebot“, nennt Heß die Kalkulation und hofft auf die Einsicht der Willersdorfer. „Bei der aktuellen Finanzlage lässt sich so ein Projekt nicht umsetzen.“ Zumal er es als absolut überteuert bewertet. Denn seinerzeit habe die Telekom für Schreufa und Viermünden zusammen 160 000 Euro in einem Angebot aufgerufen. Doch auch dabei wurden sich die Stadt und der Bonner Konzern nicht handelseinig.

Nikolas Hansen kann diese Argumentation nicht nachvollziehen und stellt eine andere Rechnung auf. „Die Menschen in Willersdorf wären bereit, sich mit einer einmaligen Bereitstellungsgebühr in Höhe von 300 bis 500 Euro an der Investitionssumme zu beteiligen.“ Zudem sei es möglich, durch Eigenleistung, etwa beim Straßenbau, rund 120 000 Euro einzusparen. „Mit rund 150 000 Euro wäre der Eigenanteil unter dem Strich nicht so hoch, als dass ihn die Stadt nicht tragen könnte.“

Aktuell gibt es im Stadtteil Willersdorf vier Modelle: Der Anschluss über die Deutsche Telekom, der Datenraten von bis einem Mbit garantiert. Drei Mbit sind über die Funk-Lösung von Paracom möglich. Die Mobilfunkbetreiber T-Mobile und Vodafone bieten teilweise UMTS/HSDPA mit bis zu 7,2 Mbit an. Und auch DSL via Satellit ist möglich, wenn auch nicht ganz billig. „Auch Willersdorf ist also mindestversorgt“, sagt Heß. Und Danzeglocke ergänzt: „Eine Gleichheit für alle werden wir leider aber nie hinbekommen, allein schon aufgrund der verschiedenen topographischen Lagen unserer Stadtteile.“

Sender auf dem Kirchturm

Danzeglocke und Heß haben die Hoffnung jedoch nicht aufgegeben, dass zeitnah höhere Übertragungsgeschwindigkeiten auch in Willersdorf verfügbar sind. Vodafone baue derzeit die LTE-Abdeckung mit bis zu 15 Mbit in Willersdorf aus. Außerdem sei Paracom bemüht, höhere Geschwindigkeiten anbieten zu können. Die Firma möchte drei V-DSL-Sender auf dem Turm der katholischen Kirche in Frankenberg installieren. Dadurch würde die Kapazität um insgesamt 150 Mbit erhöht, die dann auch den Willersdorfern anteilig zur Verfügung stehen würden. Die Kirche habe auch Bereitschaft signalisiert, sagt Danzeglocke. „Doch die Deutsche Telekom hat angeblich keinen Port frei, um den Sender anzuschließen.“

Ziel ist 50 Mbit für alle

Der städtische Pressesprecher und der Bürgermeister sind zudem davon überzeugt, dass die Willersdorfer in einer Gemeinschaftsleistung ihre Situation verbessern könnten. „Mehrere Bürger könnten sich zusammenschließen und einen sogenannten Geschäftsanschluss bei der Telekom beantragen.“ Der sei sicherlich nicht ganz günstig, schlage vermutlich mit mehreren Hundert Euro im Monat zu Buche. Durch mehrere geteilt könnte sich dies rechnen. „Vermutlich würde das ganze Dorf profitieren, weil die Telekom vielleicht von sich aus aktiv wird und die Leitung verbessert.“

Fernab von den berechtigten Klagen der Willersdorfer sei aus den anderen Stadtteilen seit geraumer Zeit kein Unmut mehr in der Stadtverwaltung vorgetragen worden. „Auch in den Walddörfern gibt es keine Klagen mehr, obwohl natürlich jeder gerne mehr hätte.“ Zumindest Geschwindigkeiten von drei Mbit seien überall garantiert (siehe Grafik). Vielerorts werden sogar 150 MBit angeboten: zwar nicht über die Telefonleitung, sondern über das Fernsehkabel. Netzbetreiber Unitymedia hat den Knotenpunkt in Frankenberg ausgebaut (FZ berichtete mehrfach). „Insofern haben wir in Frankenberg auch von den Anstrengungen des Landkreises profitiert“, sagt der Bürgermeister. Und der Kreis lasse nicht nach in seinen Bemühungen. Mittlerweile liegt sogar eine Machbarkeitsstudie vor, bis 2014 flächendeckend eine Mindestversorgung von 50 Mbit zu garantieren.

Auf dieses Konzept wies kürzlich auch Hessens Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) hin. „Wir sind auf einem guten Weg zu unserem Ziel, bis zum Jahr 2014 für 75 Prozent der hessischen Haushalte die Möglichkeit zu einem ultraschnellen Internetanschluss zu ermöglichen. Es wird keine digitale Spaltung zwischen Ballungsräumen und ländlichen Gebieten geben.“

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