Börsenverein des deutschen Buchhandels gibt Verkaufszahlen 2014 bekannt

Frankenberger lesen gegen den Trend

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Papierwerk oder E-Book? Die Frankenberger kaufen in ihren heimischen Buchhandlungen beides – aber deutlich mehr gedruckte Romane. Und während in Deutschland der Umsatz der Buchbranche sinkt, ist die Lesefreude im Altkreis ungebrochen. Foto: Kutsch

Frankenberg - Weniger Bücher haben die Deutschen im vergangenen Jahr gekauft: Der Buchhandel verzeichnet ein Minus von 2,1 Prozent. Die heimischen Buchhändler sehen diese Entwicklung nicht als dramatisch an - sie binden Kunden mit Leidenschaft und Lesefreude an das Papierwerk.

„Wenn man mit Leidenschaft Buchhändler ist, dann verkauft man auch Bücher“, sagt Rüdiger Richter von der Buchhandlung Hykel. Er lebt seine Überzeugung, dass das schriftliche Wort nicht untergehen darf - auch in schlechten Zeiten. Den Grund für den Rückgang im Verkauf für seine Buchhandlung sieht er aber nicht in gebrochener Lesefreude der Frankenberger, sondern in der Baustelle am Bahnhof. Dort werde viel gearbeitet, die Parksituation sei schwierig. Wenn es ruhiger auf der Baustelle ist, hat Richter wieder genauso viele Kunden wie sonst auch. „Wir müssen das durchstehen. Und unseren Kunden immer wieder vermitteln, wo sie gut parken können“, erklärt er.

Auch bei der Buchhandlung Jakobi hängt der Buchverkauf von Umständen ab: Jetzt ist es laut Inge Jakobi ruhiger - die Schule hat wieder angefangen, es ist kalt und regnerisch, die Fußgängerzone ist ohnehin sehr leer. Sehr gut sei der Kundenstrom hingegen zum Jahresende 2014 gewesen. Weihnachten ist ein Buch ein typisches Zusatzgeschenk und der Herbst war geprägt von spannenden Neuerscheinungen. Der absolute Renner in Frankenberg war „Mordsmäßig schmalzig“ von Gert Anhalt. „Wir haben über 500 Exemplare verkauft“, verrät Jakobi. Kurz vor dem Fest sei das Buch ausverkauft gewesen.

Richter sieht den Rückgang von 2,1 Prozent im deutschen Buchverkauf nicht so dramatisch. „Andere Länder haben zehn Prozent Rückgang.“ In Deutschland wurden in 2014 immerhin noch rund zehn Milliarden Euro von Leseratten in Bücher investiert.

Von den Rückgängen - ob dramatisch oder nicht - bemerkt auch die Buchhandlung Jakobi nicht viel: „Ich denke eher, dass bei uns der Verkauf zugenommen hat“, sagt Inge Jakobi. Vor allem junge Leser im Alter zwischen 20 und 30 Jahren kommen vermehrt und bewusst in die Buchhandlung. „Viele erzählen, dass sie sich vorher im Internet über Bücher informieren, aber regional kaufen.“ Es seien die Persönlichkeit, der Platz zum Stöbern, die das Einkaufen in der Buchhandlung so besonders machen - eben weil Jakobi nicht steril sei, sondern gemütlich, und immer versuche auf neuestem Stand zu sein.

Für Richter und Jakobi ist das E-Book keine so große Konkurrenz, wie es oft dargestellt werde. „Viele ziehen immer noch das Buch als Papierwerk vor. Viele wechseln auch wieder zurück vom E-Book zum gedruckten Buch“, sagt Richter. Jakobi sagt, dass E-Books für viele Kunden ein Zusatz seien - etwa für die Urlaubsreise. „In Amerika sollen E-Books in wenigen Jahren etwa die Hälfte des Buchmarkts ausmachen“, erklärt Jakobi. Für Deutschland sieht sie solche Prognosen nicht. „Bei uns ist das Buch ein Kulturträger. Ich denke dass die E-Books bei uns irgendwann 20 Prozent ausmachen.“ Denn nichts gehe über ein schön gestaltetes Buch in der Hand.

Mehr über die meistverkauften Bücher in Frankenberg und das E-Book in der regionalen Buchhandlung lesen Sie am Dienstag in der gedruckten Ausgabe der Frankenberger Zeitung.

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