Viereinhalb Jahre Haft für sexuellen Kindesmissbrauch und Besitz von Kinderpornografie

Frankenberger muss hinter Gitter

Frankenberg - Am Mittwoch wurde ein Frankenberger vor dem Landgericht in Marburg zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Er gestand, sexuelle Handlungen an zwei kleinen Mädchen vorgenommen sowie kinderpornografische Bild- und Video-Dateien besessen zu haben.

„Es ist schwer, ein Urteil zu finden, das von den Betroffenen und der Bevölkerung akzeptiert werden kann“, betonte Richter Dr. Thomas Wolf. Sexueller Missbrauch an Kindern werde als besonders empörend und verletzend bewertet - vor allem, wenn sich eine vertraute Person schuldig mache, wie im verhandelten Fall um die beiden geschädigten Mädchen. Der Angeklagte, der in Frankenberg wohnt, war mit den Familien der beiden Mädchen gut befreundet gewesen.

Am Mittwoch musste sich der 59-Jährige vor dem Marburger Landgericht wegen mehrerer Anklageschriften verantworten, die Strafhandlungen von 1998 bis 2012 umfassten.

Vorgeworfen wurden ihm insgesamt sieben Fälle des sexuellen Missbrauchs an den beiden Mädchen sowie der Besitz von kinderpornografischen Bild- und Video-Dateien. In Verbindung mit den sexuellen Handlungen an den damals vier- bis sechsjährigen Mädchen aus Frankenberg und Rosenthal erstellte der Angeklagte auch selbst ein Video und Fotografien, die als Beweismaterialien dienten.

Doch diese brauchte es während der Verhandlung nicht zwingend, um die Schuld des über 50-Jährigen zu beweisen. Der Angeklagte hatte bereits im März dieses Jahres, als er angezeigt wurde, ein umfassendes Geständnis abgegeben. Auch während der gestrigen Verhandlung gestand er seine Schuld ein. Sein Verteidiger Helmut Merle ließ die Prozessteilnehmer wissen: „Er möchte die Verfahrensdauer auf ein Minimum reduzieren, um den Geschädigten zu ersparen, aussagen zu müssen“.

Der Angeklagte sagte aus, er habe erst im Alter zwischen 35 und 39 Jahren gemerkt, dass er sexuelle Neigungen zu Kindern verspüre. Durch einen Freund sei er in Kontakt mit einer Zeitschrift gekommen, die auch kinderpornografische Darstellungen abbildete, die ihn „nicht mehr losgelassen haben“. Etwa 2005 habe er damit angefangen, im Internet nach kinderpornografischen Fotos und Videos zu suchen.

Daraus habe sich eine regelrechte „Sammelleidenschaft“ entwickelt. Diese sei auch geblieben, nachdem er die sexuellen Handlungen an den Kindern bereits beendet hatte. Mit seiner Erklärung, dass die Anklageschriften zutreffen, wurde auf die Aussagen beider Mädchen, die heute zwischen 15 und 16 Jahre alt sind, verzichtet. Allerdings bat Richter Wolf die Mütter der beiden in den Zeugenstand, um sich ein Bild von den psychischen Auswirkungen auf die Töchter zu machen, die dem Gericht auch als klinisch-psychologische Gutachten vorlagen.

Ein auffälliges Verhalten habe die Mutter eines Mädchens bereits im Kindergartenalter ihrer Tochter bemerkt, doch den Grund dafür damals noch nicht gekannt. Ihre Tochter habe nach wie vor ständig Kopf- und Bauchschmerzen, sei sehr ängstlich und könne nicht allein in ihrem Zimmer schlafen. Inzwischen befinde sie sich in psychologischer Behandlung.

Das andere Mädchen habe laut Aussage ihrer Mutter keine Erinnerung mehr an den Vorfall gehabt, während dem sich der Angeklagte mit ihr zusammen gefilmt hatte. Erst im Zusammenhang mit der Anzeige seien Erinnerungen wach geworden. „Seitdem hat sie dauernd Kopf- und Bauchschmerzen und ist viel stiller geworden“, beschrieb die Frau das veränderte Verhalten ihrer Tochter.

Staatsanwalt Christian Laubach fasste die Folgen der sexuellen Handlungen als „massive Auswirkungen auf die Psyche der Mädchen“ zusammen. Unter Berücksichtigung des umfassenden Geständnisses forderte er eine fünfjährige Haftstrafe. Richter Wolf lieferte eine ausführliche Begründung dafür, warum er das Strafmaß darunter ansetzte. Mehrere Aspekte seien zu berücksichtigen: Zum einen habe es keine Gewalt an den Kindern geben, zum anderen keinen vollzogenen Geschlechtsverkehr.

Der Richter hatte den Angeklagten während der Verhandlung gefragt, warum er die sexuellen Handlungen an den Kindern eingestellt habe. Er habe nicht gewollt, dass es zum Geschlechtsverkehr kommt, antwortete der Frankenberger. Den Abbruch des sexuellen Missbrauchs aus eigenem Antrieb nannte Wolf „sehr ungewöhnlich“. Ebenso ungewöhnlich sei es, dass er sich nachweislich um eine Behandlung seiner pädophilen Neigung gekümmert habe. Um diese Behandlung weiter zu gewährleisten, soll der Angeklagte seine Freiheitsstrafe in einer sozialtherapeutischen Anstalt verbüßen.

Richter Wolf betonte, dass der Frankenberger auch nach seiner Haftstrafe die Auflage habe, sich behandeln zu lassen; ansonsten drohe ihm eine Sicherheitsverwahrung - also ein langfristiges Leben hinter Gittern.

Zusätzlich zur Haftstrafe könnten auf den Täter noch weitere juristischen Folgen zukommen: Möglicherweise muss er sich in einem zusätzlichen zivilrechtlichen Verfahren Schadenersatz- oder Schmerzensgeldansprüchen stellen.

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