Gelöbnis zum Jahrestag

Frankenberger Rekruten am Reichstag

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Oberstleutnant Elmar Henschen (vorne, Zweiter von links) nahm mit seinem Team der Burgwaldkaserne und 16 Rekruten am feierlichen Gelöbnis vor dem Reichstag teil.

Frankenberg/Berlin - Feierliche Gelöbnisse auf dem Obermarkt gibt es nicht mehr - doch vor dem Reichstag haben sie hohen Symbolcharakter. Am Jahrestag des Hitler-Attentats leisteten dort auch 16 Frankenberger Rekruten ihren Eid.

Rund 500 junge Soldaten aus ganz Deutschland haben am Samstag vor dem Reichstag, dem Sitz des Deutschen Bundestages, gelobt, „der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“. Unter ihnen waren auch 16 Rekruten des heimischen EloKa-Bataillons 932 und ihr Kommandeur, Oberstleutnant Elmar Henschen.

Am 69. Jahrestag des gescheiterten Attentats gegen Adolf Hitler bekundeten die jungen Männer und Frauen vor Angehörigen, Freunden, Kameraden und der Öffentlichkeit, auf welche Weise sie Deutschland dienen. „Der 20. Juli ist ein wichtiger Tag im Traditionsverständnis der Bundeswehr. Er mahnt uns Soldaten, dass unser Gehorsam nicht bedingungslos ist“, sagte Elmar Henschen auf Anfrage der Frankenberger Zeitung. Der Tag zeige, dass das Gewissen Vorrang vor dem Gehorsam habe. Letztlich fordere er von den Soldaten aktiven Widerstand, wenn jemals wieder ein Versuch unternommen würde, das Militär missbräuchlich einzusetzen.

„Gesicht der Bundeswehr“

Vor dem Reichstag, den Henschen als „besten Platz für ein Gelöbnis von Staatsbürgern in Uniform“ bezeichnete, hatte Verteidigungsminister Thomas de Maiziére die Rekruten begrüßt: „Ihr Gesicht ist das Gesicht unserer Bundeswehr. Seien Sie sich dessen immer bewusst“, appellierte der Minister. Zugleich bekundete de Maiziére „großen Respekt“ vor der Entscheidung der Rekruten, sich zur Tapferkeit zu verpflichten: „Von niemandem sonst in unserem Volk verlangen wir dieses.“

Eigentlicher Gelöbnisredner war Bundespräsident Joachim Gauck. Vor den Soldaten - die Frankenberger Rekruten standen direkt vor dem Portal des Reichstags - hob er die Bedeutung des Jahrestages hervor: „Der 20. Juli erinnert uns daran, wie wichtig neben Tapferkeit auch Zivilcourage ist“, betonte Gauck. Er fuhr fort: „Der Versuch, Hitlers Regime zu beenden, blieb erfolglos. Aber sinnlos war er nicht.“ Gauck erklärte, die Soldaten hätten ein Anrecht darauf, zu verstehen, aus welchen Gründen und mit welchen Zielen und Mitteln sie in den Einsatz geschickt würden. Er gestand ein, dass die Bundeswehr alleine keine Konflikten lösen könne - sondern Zeit für politische Lösungen schaffen helfe.

Öffentlicher Diskurs fehlt

Diese Gedanken des Präsidenten griff auch der Frankenberger Oberstleutnant auf: Der Aufstand des Gewissens - mit der Folge des Tyrannenmordes - greife zu spät ins Geschehen ein. „Heute muss es darum gehen, den Einsatz militärischer Gewalt als ultima Ratio unter strikter Beachtung der Verhältnismäßigkeit der Mittel auf realistische Ziele zu beschränken“, sagte Elmar Henschen. Wenn Soldaten aus Überzeugung handelten - und die Fragen nach dem Warum, nach Sinn und Zweck für sich zweifelsfrei beantworten könnten - dann müsse es zu einem Aufstand des Gewissens nicht mehr kommen. Dann nämlich gelte das Leitmotiv „Gefolgschaft aus Einsicht“, nicht „Befehl und Gehorsam“.

Der diplomierte Politikwissenschaftler kritisierte jedoch, dass ein öffentlicher Diskurs über diese Thematik all zu oft ausbleibe, dass der 20. Juli 1944 zu einem „abstrakten, fast schon philosophischen“ Ereignis werde und als solcher seine praktische Bedeutung zu verlieren drohe. Dem sei jedoch keinesfalls so: „Der 20. Juli 1944 appelliert nicht nur an das Gewissen der Soldaten, sondern fordert Politik und Zivilgesellschaft gleichermaßen heraus“, sagte der Kommandeur der Burgwaldkaserne. (r/gl)

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