Warnung vor der Spielsucht

Frankenberger verzocken Millionen

+
Deutliche Warnung von Dieter Schmitz und Gabriele Fock vom Diakonischen Werk: In Hessen werden monatlich knapp 18,5 Millionen Euro verspielt. An Spielautomaten in Frankenberg sind es immerhin rund 2,1 Millionen Euro im Jahr.Foto: Malte Glotz

Frankenberg - Spielsucht ist gefährlich - darauf haben gestern Dieter Schmitz und Gabriele Fock hingewiesen. Und Frankenberg liegt im hessenweiten Vergleich unrühmlich weit vorne.

Es sind beeindruckende und zugleich erschreckende Zahlen, die Dieter Schütz und Gabriele Fock vom Diakonischen Werk präsentieren: In Hessen werden monatlich knapp 18,5 Millionen Euro verspielt. Im Landkreis Wal­deck-Frankenberg sind es jährlich 7,7 Millionen Euro – davon entfallen immerhin knapp 2,1 Millionen Euro auf die Ederstadt Frankenberg: Tendenz steigend.

Zwar ist nicht jeder, der mal einen Abend im Casino oder mit Freunden in einer Spielhalle verbringt, auch ein Süchtiger. Doch auch diese Zahlen sind alarmierend: „Wir gehen im Landkreis Waldeck-Frankenberg von 550 pathologischen und 650 Problem-Spielern aus“, sagt der Sozialpädagoge Schmitz, der beim Diakonischen Werk Oberhessen die Beratungsstelle für Glücksspielsucht leitet. Sie alle benötigen Hilfe, um aus der Sucht, die sie oftmals nicht selbst erkennen, ausbrechen zu können.

„Es ist wichtig, auch über diese Suchtproblematik informieren – gerade weil andere Suchtkrankheiten so bekannt sind“, sagt Schmitz. Alkohol und Drogen hinterlassen körperliche Spuren – und wenn es im frühen Stadium oftmals nur die penetrante Fahne ist. „Spielsucht aber erkennt man kaum“, warnt Schütz. Doch es gebe Anzeichen: Wer sich häufig Geld leiht, wer trotz Einkommens ständig klamm ist, wer sich unvermittelt einen Kredit besorgt, der hat womöglich ein Problem.

Wie Alkohol und Drogen

„Das hat etwas mit dem Kopf zu tun“, erklärt der Suchtberater. „Alkohol und Drogen haben eine Wirkung, die man spürt – das ist beim Spielen ähnlich.“ Das habe mit zwei geistigen Faktoren zu tun: „Man ist abgelenkt und fixiert“, erklärt Schmitz – der Spieler vergesse die Welt um sich herum, die Sorgen und Nöte. Hinzu komme das Adrenalin: „Das Risiko, das Kribbeln, der Gewinn – das reizt“, beschreibt der Marburger. Wer einmal gewonnen habe, der gehe wieder an einen Automaten. Gerade sie seien es, die die Süchtigen anziehen: „Etwa 80 Prozent aller Spielsüchtigen haben Probleme mit den Automaten.“ Sie bieten eine hohe Spielfrequenz, die für ständige Spannung sorgt.

„Anfangs werden die Gewinne noch mitgenommen“, erklärt Dieter Schmitz eine beginnende Abwärts-Spirale, die er aus vielen Beratungsgesprächen kennt. „Doch irgendwann gibt es kein Stoppen mehr. Dann geht das immer weiter.“ Viele Spieler versuchen, ihre Verluste wieder einzuspielen und verlieren dabei noch mehr. „Es ist ein mathematisches Gesetz, dass man verliert“, warnt er. Je häufiger ein Spieler Geld in den Automaten wirft, desto mehr nähert er sich der statistischen Gewinnwahrscheinlichkeit an, auf die die Maschinen ausgelegt sind. Bei Automaten, wie in Spielhallen üblich, liege die zwischen 30 und 90 Prozent.

Unrühmlicher Platz

Und derartige Geräte gibt es im Landkreis Waldeck-Frankenberg zur Genüge: Die Spieler vergnügen sich an 417 Automaten in 22 Spielhallen und Dutzenden Kneipen und Restaurants. Während in der Gastronomie immer weniger „Einarmige Banditen“ eingesetzt werden, belegt eine Statistik, dass die Zahl der Automaten in den Spielhallen geradezu explodiert. Die Anzahl der Hallen pro Einwohner ist dabei ausgerechnet im ländlichen Nordhessen besonders hoch: „Von 162 hessischen Kommunen mit mehr als 10000 Einwohnern lag Frankenberg im vergangenen Jahr auf Platz acht, Korbach auf Platz elf“, sagt Schmitz. Das habe sich zwar etwas verbessert – „aber nur, weil woanders die Zahl der Spielhallen noch gestiegen ist.“

Dieter Schmitz hat jeden zweiten Donnerstag im Monat Sprechstunde beim Diakonischen Werk, Auf der Burg 11. Telefon 05631/60330.

Kommentare