Frankenbergs populärster Gastwirt Heini Vöhl im Alter von 92 Jahren gestorben

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Ein Stück Stadtgeschichte: Heini Vöhl, der als Gastwirt im 20. Jahrhundert nicht nur ein beliebtes Lokal führte, sondern auch regelmäßig Frankenberger Großveranstaltungen gastronomisch betreute, umgab sich im Alter gern mit Erinnerungsstücken – so diesem Aquarell des zehntürmigen Rathauses. 

Frankenberg. Sein Name stand für das gastliche Frankenberg, mit ihm verband sich fast ein Jahrhundert erlebter Stadtgeschichte: Heini Vöhl, Gastwirt aus Überzeugung und Leidenschaft, ist nach kurzer, schwerer Krankheit wenige Wochen nach Vollendung seines 92. Lebensjahres verstorben.

Populär und liebenswürdig, Fremden wie Freunden stets zugewandt, als Organisationstalent bei vielen gastronomischen Großereignissen der Stadt gerühmt – so behalten viele „Vöhls Heini“ in Erinnerung.

Bis ins hohe Alter blieb er, nach vier Jahrzehnten aktiver Vorstandsarbeit seit 1952, als Ehrenvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes (HoGa) im Frankenberger Land den Kollegen ein Vorbild, und es gab viele ehrende Worte, als er 2012 seinen 90. Geburtstag feiern konnte. Kein anderer war so eng mit der gesellschaftlichen und gastgewerblichen Entwicklung der Region in den Nachkriegsjahren verbunden wie Heini Vöhl.

Der gelernte Bäckermeister wurde am 3. Februar 1922 in Frankenberg als Bäckersohn geboren und musste schon früh nach dem Tod des Vaters die elterliche Bäckerei mit Gastwirtschaft übernehmen. Bald erkannte er im Gastgewerbe die größere Entfaltungsmöglichkeit: Sein Gasthof, volkstümlich „Bei Vöhls Heini“, in der Neustädter Straße wurde nach mehrfachen An- und Umbauten für jedermann zum beliebten Treffpunkt, als Gast- und Festwirt zeigte er beispielhaft Mut zur Investition und Innovation.

Wann immer in Frankenberg Großveranstaltungen wie Wintervergnügen, Karnevals-Bälle, Kaserneneinweihungen oder der Maizug in den Listenbach zu versorgen waren - Heini Vöhl meisterte die Bewirtschaftung mit souveränem Engagement. Öffentlich wie im eigenen Betrieb verstand er es, Zeichen zu setzen, Menschen zu führen und für eine Sache zu begeistern.

Typisch für seine Grundhaltung zum Leben und zu den Mitmenschen war sein Wahlspruch: „Es wird alles großzügig geregelt!“ Liberal und tolerant, bei allem eigenen Erfolg dennoch bescheiden und ausgleichend - so schätzten ihn seine Freunde. Im Stadtparlament engagierte er sich für die FDP, für Landrat Heinrich Kohl war er 1953 bis 1970 treuer Weggefährte. Als waschechter Iller und Fußballfan seit 1945 unterstützte er den TSV Hessen 1848 Frankenberg als ältestes und treustes Mitglied.

Das Gasthaus von „Vöhls Heini“, das seit 1997 von seinem Neffen Frank Krones geführt wird, war Treffpunkt prominenter Politiker ebenso wie der Bürger von nebenan. Um den humorvollen Wirt ranken sich Schnurren und Anekdoten, er selbst kultivierte die Erinnerung, sammelte im Obergeschoss des Gasthauses Bilder und erlebte Geschichte. Und immer wieder einmal kam der Senior bis zuletzt noch herunter in den Gastraum, suchte das Gespräch mit den alten Freunden. Nicht nur in seiner Familie - auch dort am Tresen wird man noch lange an ihn denken.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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