Ehepaar versteckte Freund der Tochter

Frau muss sechs Monate ins Gefängnis

Frankenberg - Weil sie der Polizei den Aufenthalt eines mit Haftbefehl gesuchten Mannes nicht verraten hat, muss eine fünffache Mutter aus Frankenberg sechs Monate ins Gefängnis. Ihr Mann wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Frau brach nach der Urteilsbegründung in Tränen aus und beschimpfte die Richterin.

Gleich mehrfach sollen der 36-jährige Mann und seine 35-jährige Frau Polizeibeamte belogen haben - und mussten sich deshalb gestern vor dem Frankenberger Amtsgericht verantworten. Gegen den Freund der 18-jährigen Tochter des Paares lag ein Haftbefehl vor, weil er den Rest einer mehrjährigen Jugendhaftstrafe absitzen sollte.

Beamte der Frankenberger Polizeistation suchten deshalb zunächst das Ehepaar zu Hause auf. Dort hatte die Frau abgestritten, den 23-jährigen Freund ihrer Tochter überhaupt näher zu kennen und zu wissen, dass er gesucht werde. Eine Polizeibeamtin berichtete gestern, beide Elternteile hätten gesagt, der Mann wohne möglicherweise im Raum Allendorf.

Der mitangeklagte Ehemann gab gestern aber zu, von dem Haftbefehl gewusst zu haben: „Ich habe gewusst, dass er gesucht worden ist, ihn aber nicht verraten.“ Auch einen Grund dafür nannte er: „Weil die Polizei so unfreundlich war.“

Einige Tage später bekam die Familie beim Essen in einer Frankenberger Gaststätte erneut Polizeibesuch. Auf die Frage, ob der per Haftbefehl gesuchte Mann bei ihnen sei, soll der Familienvater gesagt haben, der sei schon längst „im Ausland“. Das sei „die perfekte Antwort“ gewesen, sagte die 18-Jährige gestern.

Doch wiederum kurze Zeit später klickten dann doch noch die Handschellen: Eine Zivilstreife hatte den Wagen der Familie bei der Tankstelle Alte Hütte bemerkt. Sie fuhren dem Auto bis zur Wehrweide nach. Dort stieg unter anderem der per Haftbefehl gesuchte Mann aus dem Wagen.

Die beiden Beamten forderten Verstärkung an und fuhren auf die Wehrweide, um den 23-Jährigen festzunehmen. Sowohl der Gesuchte als auch dessen Freundin und deren Eltern gaben daraufhin an, es sei gar nicht der Gesuchte, sondern dessen Bruder. Ein Polizist konnte ihn aber zweifelsfrei identifizieren.

Die Ursache im Verhalten des Ehepaares dürfte eher in der ethnischen Herkunft der Familie liegen: Die Angeklagten sind Sinti und Roma. Nach dort geltenden Sitten sind die Tochter und ihr Freund faktisch verheiratet. Nach deutschem Recht sind sie verlobt, was die 18-Jährige davor schützte, zusammen mit den Eltern angeklagt zu werden.

Der 23-Jährige gab an, sich gar nicht versteckt zu haben: „Ich habe mich nur nicht erwischen lassen.“ Er war gestern aus dem Gefängnis zur Verhandlung gebracht worden, um als Zeuge auszusagen. Beide Elternteile hätten gewusst, dass er gesucht werde. „Ich war im Haushalt der Familie.“

Beide Ehepartner sind einschlägig verurteilt: Der Mann einmal im Jahr 2008 wegen Vorspiegelung falscher Tatsachen. Länger ist das Register seiner Frau: Seit 2001 musste sich sie mehrfach wegen Betrugs verantworten, außerdem wegen Diebstahls, Wucher und Körperverletzung.

Erst kurz bevor sie die Polizeibeamte anlog, war ein Strafvollzug gegen Bewährung außer Kraft gesetzt worden. Die 35-Jährige war zum vierten Mal während einer laufenden Bewährungszeit straffällig geworden - deshalb verurteilte Richterin Andrea Hülshorst sie zu einer sechsmonatigen Haftstrafe. Der Mann muss eine Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro zahlen. Hülshorst folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Die Pflichtverteidigerin der Frau hatte einen Freispruch gefordert: Der Freund der Tochter sei für die Angeklagter wie ein naher Verwandter gewesen. Außerdem gebe es keine Hinweise darauf, dass sich der junge Mann bei der Familie versteckt hatte. Richterin Hülshorst hingegen sah eine „Vollstreckungsvereitelung über eine geraume Zeit“. (da)

Kommentare