Frankenberg

Frau schlägt ihren Lebensgefährten nieder

- Frankenberg (jos). Weil sie nach Auffassung des Gerichts mindestens eine dreiviertel Stunde lang auf ihren damaligen Lebensgefährten eingeschlagen hat, ist eine 33-jährige am Mittwoch zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Die Prügel-Attacke ereignete sich bereits im April 2008. Der später von seiner Lebensgefährtin verprügelte Metallbauer war abends zum Pferdestall eines Bekannten im Frankenberger Land gefahren. Zufällig kam eine damals 16-Jährige vorbei. Gemeinsam mit dem Hofbesitzer tranken der heute 35-Jährige und die junge Frau in der Sattelkammer ein Bier. Nach zwei Anrufen auf dem Handy des Metallbauers kam dessen Lebensgefährtin vorbei. Offenbar war sie eifersüchtig auf die junge Frau, die nach eigenen Angaben zwischenzeitlich eine Beziehung mit dem Metallbauer geführt hatte.

Die am Donnerstag vor dem Frankenberger Amtsgericht angeklagte Frau beschimpfte an dem Abend im April 2008 zunächst alle Anwesenden in der Sattelkammer und bat ihren damaligen Lebensgefährten dann nach draußen. Auf dem Hof und einem angrenzenden Reitplatz hat die Frau nach Auffassung des Gerichts schließlich mindestens eine dreiviertel Stunde auf ihren damaligen Lebensgefährten eingeschlagen. Der Mann hat sich nach eigener Aussage und nach den Beobachtungen mehrere Zeugen zu keinem Zeitpunkt gewehrt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Frau nicht nur mit der flachen Hand, sondern auch mit Fäusten immer wieder ins Gesicht und den Magen des Mannes geschlagen hat. Der Metallbauer kam durch die heftigen Schläge mehrfach zu Fall. Nach den schweren Misshandlungen wurde der Mann im Frankenberger Kreiskrankenhaus behandelt. Doch seine Verletzungen waren nicht nur körperlicher Natur. In Haina hat sich der Metallbauer einer stationären Psychotherapie unterzogen, bis heute ist er in ambulanter Behandlung. Diagnose: schweres Trauma.

Nur am Rande klang bei der Gerichtsverhandlung an, dass es auch Übergriffe durch den Vater der Angeklagten gegeben haben soll. Die waren allerdings nicht Gegenstand der Verhandlung. Der Geschädigte nahm nicht an der Verhandlung teil, ein Rechtsanwalt vertrat ihn in dem Prozess allerdings als Nebenkläger.

Die Angeklagte bestritt die Vorwürfe. In einer schriftlichen Erklärung, die ihr Pflichtverteidiger vorlas, beteuerte die Frau: Ihr Lebensgefährte habe sie zuerst geohrfeigt. Sie habe nur zurück geschlagen und ihren damaligen Lebensgefährten aufgefordert, mit in die gemeinsame Wohnung zu kommen. Die von einem Arzt attestierten Verletzungen würden nicht von ihr stammen, behauptete die Angeklagte. Überhaupt sei der gesamte Vorfall „inszeniert“ worden, um sie zu provozieren. „Ich hab‘ ganz normal reagiert“, betonte die Angeklagte.

Richterin Andrea Hülshorst schenkte den Aussagen der Angeklagten keinen Glauben. Stattdessen stützte sie sich in ihrem Urteil unter anderem auch auf die Aussagen des Hofbesitzers und dessen Frau. Der 66-Jährige hatte die Prügel-Attacke beobachtet und berichtete darüber, dass der Metallbauer immer wieder Hiebe gegen Kopf und Magen kassiert habe. „Er hat sich in keinster Weise gewehrt“, berichtete der Zeuge. Warum er nicht zum Schutz des Metallbauers eingegriffen habe, wollte Richterin Hülshorst wissen. Der Hofbesitzer antwortete: „Wenn ich geholfen hätte, hätte es Unglücker gegeben...“

Auch die Ehefrau des 66-Jährigen berichtete, dass sie die Schlägerei mitbekommen habe. „Hör‘ auf, es reicht, es ist gut“, habe das Opfer immer wieder gerufen. „Es war furchtbar. Ich habe unglaublich geschrien, weil ich dachte, er ist tot“, sagte die Zeugin. Warum sie denn dann nicht die Polizei gerufen habe, fragte die Richterin. Sie sei so aufgeregt gewesen, dass sie daran nicht gedacht habe, sagte die Zeugin.

Ob die Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung eröffnen werde – dazu konnte der Vertreter der Strafverfolgunsbehörde gestern keine Angaben machen. Richterin Hüshorst machte allerdings keinen Hehl daraus, dass sie das Verhalten der Zeugen unverantwortlich findet: „Warum haben Sie nicht einfach die 110 gewählt? Das hätte ich von Ihnen erwartet“.

Die heute 18-jährige Zeugin des Geschehens auf dem Pferdehof sagte über die Angeklagte und ihren ehemaligen Lebensgefährten: „Es war öfter so, dass bei ihnen die Fetzen flogen. Er wollte nie ein großes Drama daraus machen.“ Deshalb hätte sich keiner in den Streit einmischen wollen. „Ich dachte, er regelt das schon – er ist ja ein gestandener Mann“, sagte die 18-Jährige über das Gewaltopfer.

Nur einen Tag nach dem Vorfall bei dem Pferdehof hatte das Amtsgericht in Biedenkopf beschlossen, dass die Schlägerin die gemeinsame Wohnung verlassen muss und sich ihrem ehemaligen Lebensgefährten nicht mehr nähern darf. Das gemeinsame Kind blieb bei dem Vater wohnen. Die Angeklagte lebt mittlerweile bei ihrem neuen Lebensgefährten in Frankfurt. Wegen Körperverletzung wurde sie zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen verurteilt. Die Höhe wurde auf 15 Euro bemessen, da die Frau über kein eigenes Einkommen verfügt.

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