Battenbergerin wildert sieben Igel aus

Freiheit für die Igel

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Ihre ersten Schritte machen die Igel, die Tierschützerin Ursula Zagar über den Winter gebracht hat, nun wieder in der freien Wildbahn. In verschiedenen Gärten in Battenberg, Laisa und im Marburger Raum suchen sie Schutz und Futter.Fotos: Patricia Kutsch

Battenberg - Tierfreundin Ursula Zagar hat sieben Igel über den vergangenen Winter gebracht. Nun ist es Zeit für die Battenbergerin, die Tiere auszuwildern - mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Neugierig schnüffeln sie und wagen die ersten zaghaften Schritte auf der grünen Wiese. Bei dem kleinsten Geräusch zucken die Igel noch schreckhaft zusammen und rollen sich ein. Aber es dauert nicht lang, bis die stacheligen Säugetiere sich an die neue Freiheit gewöhnt haben, über die Wiese flitzen und sich Schutz im Blumenbeet oder hinter einer Efeuranke suchen.

Sieben Igel hat die Tierschützerin Ursula Zagar über den Winter gebracht. Als kleine, viel zu leichte Igel wurden sie von aufmerksamen Tierfreunden im späten Herbst zu der Battenbergerin gebracht. Alleine hätten die Tiere keine Chance gehabt, über den Winter zu kommen.

Bei Zagar fanden die stacheligen Kleinen ein Winterquartier in der Garage. Dort ist alles für die Igel eingerichtet: Sieben großzügige Ställe hat Zagar in zwei Garagen untergebracht. In jedem Gehege hat ein Igel sein Zuhause gefunden - in einer mit Zeitungspapier ausgestopften Hütte verschliefen sie den Winter, nachdem Zagar sie mit Hundefutter, Hackfleisch und anderen ungewürzten Leckereien kräftig genug gepäppelt hatte.

Seit einigen Wochen sind die Igel nun schon wieder wach, laufen durch ihren Stall und können noch Hundefutter und Wasser aus Näpfen genießen. Damit ist aber bald Schluss - denn mit den steigenden Temperaturen wird es für die Igel höchste Zeit in die freie Wildbahn zurückzukehren.

Zagar setzt die Igel aber nicht irgendwo aus und schon gar nicht in der Nähe ihres Hauses. Sie hat bereits Tierfreunde gefunden, die ihr die Igel abnehmen und ihnen ein neues Zuhause im eigenen Garten anbieten. Zwei der Tiere haben am Wochenende ein Heim in der Battenberger Gartenkolonie gefunden, einen weiteren wird es nach Laisa verschlagen und ein Igel zieht sogar nach Marburg. Die übrigen Tiere beziehen Gärten in Wollmar.

Die Igel werden von den Gartenbesitzern aber nicht als Haustiere gehalten - das ist in Deutschland verboten - sondern in deren Gärten ausgewildert. Zuvor bekommen die Abholer einige Ratschläge von der Battenberger Tierfreundin mit auf den Weg: Einen Reisighaufen oder sogar ein kleines Holzhäuschen soll den Igeln im neuen Garten als Unterschlupf geboten werden. Zusätzlich sollen die Igel zwei Wochen lang gefüttert werden, länger jedoch nicht. Denn die nützlichen Insektenfresser beginnen mit der Jagd. Eine Schale frisches Wasser sei jedoch wichtig - wenn man den Igel im eigenen Garten leben lassen möchte, könne man ihm laut Zagar weiterhin täglich Wasser anbieten.

Dass „ihre“ aufgepäppelten Igel gehen, sieht Zagar mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Natürlich mag sie die Tiere, wie sie erklärt. Aber die Igel bringen auch viel Arbeit mit sich: Täglich hat die Battenbergerin seit dem vergangenen Herbst die sieben Ställe gesäubert und mit frischem Zeitungspapier ausgelegt. „Außerdem fressen die mir noch die Haare vom Kopf“, sagt sie lachend. Erklärt aber gleichzeitig, dass sie vom Tierschutzverein und dem Naturschutzbund, aber auch von Firmen und Menschen, die ihr die Igel bringen, mit Futterspenden unterstützt werde.

Den ersten Igel über den Winter gebracht hatte Zagar vor sechs Jahren: „Eine Schulklasse aus Röddenau kam zu mir und bat mich, einen kleinen Igel aufzupäppeln“, erinnert sie sich an die Anfänge. Wie man einen Igel umsorgt wusste sie da noch nicht - „und Internet hatte ich noch keins. Also habe ich mir Bücher gekauft und das Wissen angelesen“. Seither werden es jedes Jahr mehr Igel, die Zagar versucht, über den Winter zu bringen. Auch im vergangenen Winter hatte sie mehr als sieben zur Pflege. „Einige haben es leider nicht geschafft. Da konnte auch der Tierarzt nicht mehr helfen. Das macht mich dann schon immer traurig“, erzählt sie.

Wenn die überlebenden Igel nun ein neues Domizil haben, hat Zagar nicht etwa Ruhe bis zum nächsten Herbst. Jetzt beginnt die Zeit, in der sie sich wieder um verletzte Vögel oder andere Arten von Tieren kümmert. „Es gibt quasi kein Tier, dass ich noch nicht versucht habe, aufzupäppeln“, erzählt sie. „Es fing alles ganz harmlos an mit einem Mauersegler. Das ist jetzt elf Jahre her.“ Seither habe sie auch Spechte, Drosseln, Bachstelzen oder Fledermäuse umsorgt und wieder in die Freiheit entlassen. Einige der Tiere wohnen aber immer noch bei ihr: Heinrich aus Rennertehausen etwa. Die Krähe hat nur einen Flügel und bekommt daher seit einigen Jahren ihr Gnadenbrot in der Voliere von Zagar.

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