Battenberg

Ein „Freundeskreis“ für Menschen mit Suchtproblemen

- Battenberg (mba). Seit 1975 ist der „Freundeskreis Battenberg“ eine Anlaufstelle für Menschen mit Suchtkrankheiten und deren Angehörige. Dort finden die Betroffenen Rat, Hilfe und Unterstützung.

Das 35-jährige Bestehen des Vereins für Suchtkrankenhilfe feierten die Mitglieder mit einem Sommerfest und einem Tag der offenen Tür, bei dem sie ihre Aktivität auch Nicht-Betroffenen präsentierten. Der Battenberger Bürgermeister Heinfried Horsel lobte die Vereinsmitglieder für ihr großes Engagement im Interesse der Suchtkranken: „Dem vorbildlichen Einsatz des Freundeskreises zolle ich meinen Respekt und Dank.“ Er kenne persönlich Menschen, die mit Hilfe des Vereins von der Sucht losgekommen seien. „Der Verein erfüllt eine wichtige gesellschaftliche Funktion.“ Als der Freundeskreis 1975 von zwölf Suchtkranken und ihren Angehörigen gegründet wurde, war Sucht noch ein Tabuthema und nicht als Krankheit anerkannt, berichtete der Vorsitzende Reinhard Fackiner: „Die Betroffenen waren auf sich allein gestellt.“ Wie verbreitet das Problem Sucht war, habe der rasante Anstieg der Mitgliederzahl in den folgenden Jahren gezeigt. Heute zählt der Freundeskreis 170 Mitglieder, die aus einem weiten Umkreis um Battenberg kommen. Mit Aktionen wie dem Tag der offenen Tür im Vereinshaus in der Senonchestraße 3 will der Verein ins Gespräch mit Nicht-Betroffenen kommen und ihnen seine Arbeit vorstellen. Es gäbe Berührungsängste gegenüber Suchtkranken, sagte Vorstandsmitglied Herbert Naumann gegenüber der FZ, und die gelte es abzubauen. „Betroffenen will der Verein zeigen, wie man mit Suchtkrankheiten umgehen kann und einen Weg zurück ins ‚richtige Leben‘ findet“. „Bekanntschaft mit Leuten, die zuviel trinken‘ haben viele. Aber es kommt zu Hemmungen, wenn es heißt: ‚Der ist so krank, der muss zum Freundeskreis“, beschreibt Naumann eine typische Reaktion von Nicht-Betroffenen. „Das ist fast eine Stigmatisierung.“ So ist es nicht verwunderlich, dass sich viele der Vereins-Mitglieder in der Öffentlichkeit nicht dazu bekennen, wie Frank Feisel und Olaf Hoffmann in der Festschrift zum 35-jährigen Bestehen schreiben. Es gäbe aber auch viele positive Reaktionen, sagt Naumann. Besonders Angehörige seien dankbar für die Unterstützung die der Freundeskreis biete: „Es gibt eine eigene Angehörigengruppe, die sich regelmäßig trifft“, erzählt Naumann – sie besteht überwiegend aus Frauen. Ehepartner und Kinder würden unter der Sucht genauso leiden wie die Kranken selbst, sagt Naumann: „Die Angehörigen teilen die Probleme.“ Viele würden aber die Krankheit nicht wahrhaben wollen und das Suchtverhalten des Kranken leugnen oder decken, zum Beispiel indem sie Ausreden für ihn finden, wenn er nicht zur Arbeit gehen kann.Weil eine Suchtkrankheit nicht von heute auf morgen entsteht, sondern über einen längeren Zeitraum, setzt der Freundeskreis auf Präventionsarbeit. Die Mitglieder gehen in Schulen und sprechen mit Jugendlichen über die Risiken des Alkohol- und Drogenkonsums und gefährliche Verhaltensweisen wie „Koma-Saufen“. Bei den Süchtigen selbst sei aber Einsicht der erste und vielleicht wichtigste Schritt zur Heilung, sagt Naumann: „Entscheidend ist die Erkenntnis: Ich bin krank und ich will etwas dagegen tun.“

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