Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten

Freundin zum Sex genötigt: 24-Jähriger verurteilt

Marburg. Wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung hat das Marburger Amtsgericht einen Mann zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt.

Außerdem soll der 24-Jährige aus dem Frankenberger Land 2500 Euro Schmerzensgeld an seine Ex-Freundin zahlen.

Das Gericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Cai Adrian Boesken glaubte letztendlich der jungen Frau, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt hatte. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch, die 24-Jährige habe widersprüchliche Angaben gemacht, aus denen lediglich hervorgegangen sei, „sie schlugen sich und sie vertrugen sich“.

Körperliche Auseinandersetzungen seien wechselseitig gewesen und der angeklagte Geschlechtsverkehr gegen den Willen der Frau sei einvernehmlich gewesen, argumentierte Rechtsanwalt Martin Ernst vergeblich.

Das Gericht folgte den Ausführungen von Staatsanwältin Annemarie Petri, die es als erwiesen ansah, dass es Pfingsten 2010 zu einem ersten „gravierenden Vorfall“ gekommen war. Der Angeklagte habe die Beziehung, die zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als ein Jahr andauerte, geheim gehalten. Es sei deswegen zum Streit gekommen in dessen Verlauf der Mann die Frau geschlagen, an den Haaren gezogen und getreten habe.

Zwei Jahre später habe er sie erneut geschlagen, so Petri. Dazwischen sei es zu der sexuellen Nötigung gekommen. Wegen einer Infektion habe die Frau nicht mit ihrem Freund schlafen wollen. Dieser habe den Beischlaf trotzdem vollzogen und dabei ihre Arme festgehalten. Sie habe erhebliche Schmerzen erlitten.

Dass es sich „nur“ um sexuelle Nötigung und nicht um Vergewaltigung gehandelt habe, so die Staatsanwältin, habe der Angeklagte der Tatsache zu verdanken, dass seine Freundin zuvor Zärtlichkeiten nicht abgeneigt gewesen sei. Selbst wenn sie erst eingewilligt habe, so Richter Boesken, habe sie doch später deutlich gemacht, dass er aufhören solle. Das hätte der Angeklagte in jedem Fall akzeptieren müssen.

Der Richter verwies in seiner Urteilsbegründung darauf, dass gleichwohl Aussage gegen Aussage stehe. Der Angeklagte hatte in einer kurzen Erklärung alle Vorwürfe von sich gewiesen. Der Frau müsse aber bedingungsloser Glaube geschenkt werden, so der Richter, denn eine Vielzahl von Kriterien dafür seien erfüllt. Es gebe von ihr nicht nur keine Belastungstendenz, vielmehr habe sie die Taten noch entschuldigt. Unter anderem hatte sie zugegeben den Mann „bis zur Weißglut aus Eifersucht provoziert“ zu haben. Auch habe sie betont, zwar einen Übergriff, aber keinesfalls eine Vergewaltigung empfunden zu haben.

Der 24-Jährige sei daher zu verurteilen, eine Bewährung sei aber möglich, da er nicht vorbestraft sei und seit den angeklagten Taten auch nichts Weiteres hinzugekommen sei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Heiko Krause

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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