Neue Gemündener Schulsozialarbeiterin

Frischer Wind auf einem bereiteten Feld

Gemünden - Ein "bereitetes Feld" hat Johanna Weicker vorgefunden, als sie ihre Arbeit als neue Schulsozialarbeiterin aufnahm. Doch ihr Aufgabenfeld ist größer als das ihres Vorgängers Todor Tabakov.

Überrascht war Johanna Weicker, als sie an die Gemündener Cornelia-Funke-Schule kam: „Eine Hemmschwelle der Schüler war überhaupt nicht da“, erinnert sie sich - und findet schnell einen Grund dafür, warum sie so problemlos aufgenommen wurde an ihrer neuen Wirkungsstätte: die gute Arbeit ihres Vorgängers Todor Tabakov. „Man merkt bei den Lehrern und bei den Schülern, dass hier seit Jahren Schulsozialarbeit gemacht wurde“, stellt Weicker fest. Tabakov, ist sie sich sicher, hat ihr das Feld geebnet. Dafür ist sie ihm dankbar - obwohl sie ihren Vorgänger persönlich nicht mal kennt.

Seit mehr als einem halben Jahr ist Weicker inzwischen Gemündener Schulsozialarbeiterin - was als Vertretung geplant war, wurde fest, als der Landkreis die Schulsozialarbeit neu ausschrieb. „Herr Tabakov hatte bereits signalisiert, diese Stelle abgeben zu wollen“, sagt Weicker, die wie jener über den Internationalen Bund beschäftigt ist. Auf ihre Bewerbung folgte die Anstellung.

Obwohl viele Strukturen in Gemünden bereits bestehen, die Schulsozialarbeit etabliert und anerkannt ist, Projekte laufen, möchte die junge Frau nicht nur verwalten, was ihr Vorgänger geschaffen hat. Etwas anders zu machen als Tabakov, bietet sich an: Weicker ist jünger und - das sagt sie selbst so offen - sie ist eine Frau. „Gerade die Jüngeren und die Mädchen kommen sehr offen auf mich zu“, berichtet Weicker. Dass die Bürotür für akute Probleme immer offen stehe, dass wüssten die Schüler. „Ich möchte aber viel mehr präventiv arbeiten“, stellt sie ihr Vorhaben für die Zukunft vor. Die Aufgabe eines Pädagogen sei es, sich selbst überflüssig zu machen, sagt sie und lacht.

Pate für Schulhof und -heft

Ihre Vorgehensweise: „Ich möchte die Kinder kennenlernen, bevor sie durch meine Tür kommen.“ Dazu knüpft sie Kontakte mit den Lehrern, besucht schon mal eine Unterrichtsstunde, engagiert sich in bereits bestehenden Projekten. „Ich bin aber keine Lehrerin - und so nehmen die Schüler das auch wahr“, betont die gebürtige Friesin. Das sei wichtig, um mit den Kindern arbeiten zu können. Dabei setzt sie offensichtlich auf Selbstverantwortung.

Eines ihrer Projekte etwa stellt einen Gewinn für jüngere wie ältere Schüler dar: „Fünft- oder Sechstklässler haben oftmals Probleme, ihre Hausaufgaben zu machen“, berichtet Weicker. Die älteren Jahrgänge nehmen sich dieser Schüler als Paten an, opfern ihre Freizeit und helfen ihnen einmal in der Woche. „Derzeit haben wir zwölf Paten, die jeweils einem bis zwei Schülern zur Seite stehen“, sagt sie und ergänzt: „Das beschränkt sich nicht nur auf die Hausaufgaben. Die Paten sind dann etwa auch während der Pausen für die Kleinen da, wenn die gemobbt werden oder ein anderes Problem haben.“ Die Kleinen profitierten von dieser Methode - und die Älteren, die kurz vor Abschluss und Ausbildung stehen, lernten Verantwortung zu übernehmen. Weicker selbst trete lediglich als Organisatorin auf - auch wenn sie selbst drei Kinder betreut.

Perspektive in Deutschland

Doch nicht nur für Schüler ist Weicker da, sondern auch für Jugendliche ausländischer Herkunft. Mit einer halben Stelle ist die Erziehungs- und Bildungswissenschaftlerin, die in Marburg studiert hat, für den Jugend-Migrationsdienst tätig. Das Klientel ist üblicherweise zwischen 12 und 27 Jahren alt. Es geht um Sprache, Begleitung zu Ämtern, um Ausbildung und Aufenthaltsgenehmigungen - kurz: um eine Perspektive in Deutschland. Anders als im Bereich Schulsozialarbeit, wo sie ein gutes Dutzend Kollegen im Landkreis hat, arbeitet Johanna Weicker in der Migrationshilfe kreisweit alleine - und das ist ein Fortschritt: „Früher mussten Betroffene nach Stadtallendorf oder Marburg fahren“, weiß die junge Frau. Jetzt stehe sie an der Cornelia-Funke-Schule Nachmittags für junge Migranten bereit. „Ich versuche, den Jugendlichen den Weg möglichst einfach zu machen“, sagt sie. Manchmal heiße das dann auch, den Eltern einen Sprachkurs zu ermöglichen, damit die selbstständig wichtige Formulare ausfüllen können.

Schließlich gibt es ein drittes Standbein ihres Schaffens: Die Jugendarbeit der Stadt, insbesondere im Jugendcafé. Dort hat sie etwa donnerstags den Kindernachmittag eingeführt, um das Publikum zu verjüngen. Ansprechpartner sind wie gewohnt Kristina Keilbach und Katharina Dubinker. Verantwortlich aber zeichnet Johanna Weicker.

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