Frühchen-Tod in Marburg: Patientenanwalt sieht viele offene Fragen

Marburg. Nach dem Tod eines Zwillings-Frühchens im Marburger Klinikum sind weiter viele Fragen offen. „Wie kommen die Keime in die Blutbahn der Patienten?“, ist eine dieser Fragen. Der Patientenanwalt Dr. Burkhard Kirchhoff aus Weilburg stellt sie in diesem Interview.

Er hat Eltern von Frühchen vertreten, die in anderen Kliniken in Deutschland mit Keimen infiziert waren und gestorben sind. Was Klinikum und Gesundheitsamt in Marburg bisher dazu sagen, hält Kirchhoff für zu wenig.

Herr Kirchhoff, das Uniklinikum hat am gleichen Tag, an dem es den Keim im Blut des gestorbenen Babys identifizierte, das Gesundheitsamt über den Vorfall informiert, obwohl es sich um einen nicht meldepflichtigen, nicht multiresistenten Keim handelt. War das überhaupt notwendig?

Burkhard Kirchhoff: Ja, das war absolut notwendig, das muss zum frühstmöglichen Zeitpunkt gemeldet werden. Dabei ist es egal, ob der Erreger mehr oder weniger resistent ist. Der Unterschied ist ja nur, ob er besser oder nur ganz schlecht zu behandeln ist. Die entscheidende Frage dagegen lautet: Wie kommen die Keime in die Blutbahn der Patienten?

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Das Gesundheitsamt hat das Klinikum für sein transparentes Vorgehen gelobt und bei der Pressekonferenz verkündet, dass das Krankenhaus keine Fehler, sondern ganz im Gegenteil alles richtig gemacht hat.

Kirchhoff: Das wundert mich schon sehr. Wie kann das Gesundheitsamt sagen, dass das Klinikum keine Fehler gemacht hat, wenn man noch nicht weiß, wo der Erreger herkommt, wie er in den sterilen Inkubator und vor allem ins Blut der Kinder gelangt ist. Solange das nicht geklärt ist, kann das Gesundheitsamt doch nicht sagen, alles ist in Ordnung. Hat die Behörde denn schon alles überprüft, hat sie die Belegungs- und Hygienepläne der Station überprüft? Hat das Klinikum alle Unterlagen zu Verfügung gestellt? Seit dem Keimskandal in Bremen, wo 2011 nachweislich Hygieneprobleme aufgrund von Personalmangel mitverantwortlich für den Keimausbruch war, bei dem drei Frühchen starben, wurden neue Personalstandards für Perinatalzentren festgelegt. Wurden diese Standards in Marburg eingehalten? War die Station in der fraglichen Zeit mit genügend Leuten besetzt?

Das Uniklinikum hat beim Mitarbeiter-Screening bei einigen Klebsiella-oxytoca-Keime gefunden, die nun in externen Laboren typisiert werden sollen. Nur das kann weiterführende Hinweise auf die Infektionsquelle geben, erklärt die Kliniksleitung am Mittwoch.

Kirchhoff: Die Bestimmung der genetischen Sequenz des Erregers ist schön und gut. Die Frage bleibt trotz allem, wie er ins Blut der Patienten geraten konnte. Wenn man Klebsiellen hat, hat man nicht automatisch schon eine Infektion. Das wird durch diese Analyse nicht geklärt. 

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Quelle: HNA

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