Anlage am Wildpark

Füchse beschäftigen jetzt auch Heß

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Frankenberg - Am Fuchsgehege sind am Mittwochabend Tierschützer des BUND und Hundezüchter aufeinandergetroffen. Während Rüdiger Heß Unterschriften gegen die Trainingsanlage für Jagdhunde entgegennahm, gab es hitzige Wortgefechte.

Sie sind ein Thema, dass mehr als nur kontrovers diskutiert wird - die Füchse am Frankenberger Wildpark. Am, nicht im, denn der Zwinger, in dem die Tiere leben, ist nicht Teil des Parkes. Pächter des Geländes ist die Arbeitsgruppe Nordhessen des Deutschen Jagdterrier-Clubs (DJT), Verpächter ist die Stadt Frankenberg. Die Hundezüchter betreiben nicht nur den Zwinger, der für Außenstehende oft als Teil des Parks wahrgenommen wird, sondern insbesondere eine Schliefanlage, mit der Hunde die Fuchsjagd erlernen.

Diese, wie die Haltung der Füchse in dem Zwinger, erregt den Unmut der Umweltschützer des BUND. 168 Unterschriften haben die Mitglieder des Verbands in den vergangenen Wochen im Frankenberger Land gesammelt, etwa im Nationalparkzentrum, im Bioladen oder der Fußgängerzone. Diese überreichte die BUND-Kreisvorsitzende Viola Wagner am Mittwochabend am Zwinger dem neuen Bürgermeister Rüdiger Heß. Doch zeitgleich waren auch rund ein Dutzend Mitglieder des DJT anwesend, um die Anlage auf das Frühjahr vorzubereiten - unvermeidlich kam es zu einem verbalen Schlagabtausch.

„Wir finden die Anlage schlicht unmöglich“, sagte Viola Wagner. Aus Sicht der Umweltschützer sei die Nutzung einer Schliefanlage einerseits, andererseits aber auch der Zwinger, in dem die Tiere leben, nicht artgerecht. Der Zwinger sei zu klein, beim Einsatz in der Anlage zusammen mit Hunden würden die Tiere einem unnötigen Stress ausgesetzt.

Wolfgang Hormel, Leiter der AG Nordhessen im DJT, wollte dies so nicht stehen lassen: Beim Halten von zwei Füchsen sei eine Grundfläche von 40 Quadratmetern vorgeschrieben, „wir haben hier sogar 50 Quadratmeter, überschreiten die gesetzlichen Anforderung also freiwillig um 20 Prozent“. Darüber hinaus sei der Einsatz von Schliefanlagen nötig, denn das Hessische Jagdgesetz verlange für die Baujagd geeignete Hunde und schreibe deren Eignungsprüfung in einer solchen Einrichtung vor.

Kontakt ist zu unterbinden

Hormel erläuterte, wie eine Schliefanlage funktioniert: Der Fuchs wird in den künstlichen, unterirdischen Bau gelassen und muss dort seine Fährte hinterlassen. Sein Weg endet in einem Rundkessel mit Drehschieber, in dem er vor dem Hund getrennt ist. Sobald er den Kessel erreicht hat, wird der Hund in den Bau gelassen. Er muss der Fährte folgen und den Fuchs „verbellen“, sobald er ihn im Kessel gefunden hat. Ein direkter Kontakt zwischen den Tieren ist dabei laut Gesetz verboten.

Wagner stellte anschließend den Sinn der Fuchsjagd in Frage: „Die Population regelt sich in der Natur von selbst“, sagte sie und provozierte damit auch den Widerspruch des ebenfalls anwesenden Revierförsters Erich Reitz, der nochmals betonte, alle gesetzlichen Anforderungen an die Anlage seien erfüllt. Als die hitzige Diskussion schließlich anfing, sich um Sinn und Zweck von Zoos zu drehen, griff Bürgermeister Rüdiger Heß mäßigend ein.

„Wir sollten eine emotionalisierte Diskussion vermeiden“, sagte er. Ihre Streitpunkte und unterschiedlichen Ansichten sollten BUND und DJT untereinander klären. So weit er informiert sei, sei die Schliefanlage und auch der Zwinger rechtens. Daher nahm er auch Christian Engelhardt und Willi Naumann in Schutz, die zwar vom BUND bereits vor einem Jahr über dessen Unbehagen in Bezug auf die Anlage unterrichten worden seien, aber ebenfalls keine Handhabe gehabt hätten. „Ich werde mich der Sache annehmen und alles noch einmal prüfen“, versprach er Viola Wagner. Ungehalten reagierte Heß allerdings, als diese erklärte, sie wolle „noch heute“ wissen, ob die Stadt den Pachtvertrag mit dem DJT kündigen werde: „Sie wissen, dass ich erst seit zweieinhalb Tagen im Amt bin. Das kann ich Ihnen heute also nicht sagen“ - laut Hormel läuft der Pachtvertrag noch weitere 20 Jahre.

Die Schliefanlage existiert in ihrer heutigen Form seit 2004 und ist eine von vier in Hessen. Zuvor hatte es ein zehnjähriges Verbot derartiger Ausbildungsstätten für Jagdhunde gegeben. Doch bereits davor wurde in Frankenberg eine Schliefanlage betrieben. Die eingesetzten Füchse stammen laut Wolfgang Hormel ausschließlich aus der Nachzucht gefangener Tiere, „und würden in der Freiheit auch nicht überleben“. Er erklärte auf Nachfrage, dass es an den Tieren im Jahr zwei Prüfungen gebe. Jeder gingen fünf Trainingseinheiten voraus

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