Neuer Schulleiter Hermes

"Für mich die richtige Entscheidung"

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Stefan Hermes

Frankenberg - Vertrautes und Neues - das reizt Stefan Hermes an der Aufgabe des Leiters der Edertalschule. Den Posten übernimmt der Mengeringhäuser mit Beginn des neuen Schuljahres am 13. August.

„Mal schauen, welcher Schlüssel passt“, sagt Stefan Hermes. Er holt den für ihn noch ungewohnten Schlüsselbund der Edertalschule aus einer Tasche hervor und braucht zwei, drei Anläufe, bis sich die Tür vor ihm öffnet - „das lerne ich auch noch“, sagt der Mann. Er ist der künftige Leiter des Frankenberger Gymnasiums.

„Ich muss die ganze Schule erst kennenlernen“, sagt er und fügt hinzu, er meine das Gebäude, aber auch die Lehrer, die Eltern, die Schüler. Das sei seine vordringlichste Aufgabe. „Das erste Halbjahr ist dazu sicherlich nötig“, schätzt Hermes. Einen kleinen Einblick in die Welt des Gymnasiums aber hat er in den vergangenen Wochen bereits erhalten: „Meine ersten Eindrücke sind positiv“, verkündet er. Er habe bereits Kollegen aus dem Schulleitungsteam getroffen, Sekretärinnen und auch Winfried Deichsel. „Er hat sich viel Zeit für meine vielen Fragen genommen“, berichtet der neue über den alten Schulleiter.

Ebenso möchte er aber auch die Schülerschaft kennenlernen. „Es ist wichtig, in Kontakt mit den Schülern zu kommen und den auch zu halten“, zeigt er sich überzeugt. Deshalb übernehme er schon im ersten Schuljahr einen Deutsch-Orientierungskurse, den die Schüler in Vorbereitung auf ihre Leistungskurse nutzen können. „Natürlich ist das Unterrichten nur eingeschränkt möglich“, sagt er bedauernd über seine künftige Arbeit. Dennoch wolle er immer auch als Lehrer tätig sein.

Deutsch und Englisch

Stefan Hermes unterrichtet Deutsch und Englisch - beide Fächer belegte er während seiner Oberstufenzeit auch als Leistungskurse. Zum Studieren zog es den gebürtigen Oldenburger, der in seiner Schulzeit oftmals umgezogen war, nach Köln. „Ich habe erst drei Semester Jura studiert und mich dann rückbesonnen“, erinnert sich Hermes. Schnell sei dann klar gewesen, dass er Lehrer werden wollte, „und das war für mich die absolut richtige Entscheidung“. Niemals habe er sie bereut.

Nach dem Studium folgte ein Referendariat in Krefeld und eine Anstellung bei einer katholischen Schule in Landau, zugleich bewarb er sich deutschlandweit für den Schuldienst. Im Jahr 1999 verschlug es den Westfalen mit niedersächsischen Wurzeln dann nach Arolsen. „Wir haben uns schnell in der Region eingelebt und uns wohl gefühlt“, berichtet der Familienvater, der heute in Mengeringhausen lebt. Das sei auch der Grund, warum er in Bad Arolsen politisch aktiv sei - „ich möchte, einen Beitrag zu leisten für eine transparente und bürgernahe Politik“, sagt Hermes.

Beruflich war der Lehrer in Nordhessen zunächst an der Arolser Christian-Rauch-Schule tätig. 2007 bewarb er sich als Fachbereichsleiter für den sprachlich-musisch-künstlerischen Bereich bei der Fritzlarer König-Heinrich-Schule. Den Posten füllte er bis zum Beginn der Sommerferien aus. Die Bewerbung als Schulleiter an der Edertalschule und die Übernahme der Stelle von Winfried Deichsel - für ein Jahr erst einmal kommissarisch - sei für ihn die konsequente Fortführung seiner Laufbahn gewesen, begründet er den Entschluss, nach Frankenberg zu wechseln. „Ich fühle mich nicht zum Schulleiter geprügelt, ich freue mich auf die Aufgabe“, fasst er zusammen.

Breites Fächerangebot

An dem Frankenberger Gymnasium reize ihn Vertrautes wie Unbekanntes, erläutert Hermes. So habe das Gymnasium wie auch die Fritzlarer Schule einen anerkannten musischen Schwerpunkt. „Aber mich reizt auch das klare naturwissenschaftliche Profil mit Projekten wie MINT und YEA“, erklärt der neue Schulleiter. Das schließe auch die „außerschulischen Kooperationen“ ein mit Firmen wie Hollingsworth & Vose oder Viessmann.

Hinzu käme ein breites Fächerangebot mit Lernmöglichkeiten, die er aus seinem Berufsleben so bislang nicht noch kenne - etwa die Fächer Wirtschaft, Spanisch oder Darstellendes Spiel. Reizvoll finde er ebenfalls Projekte wie das „Classic Open Air“ oder das alljährliche Schauspiel der Theater-AG - von dem er bislang schon einiges gehört, aber noch nichts gesehen habe.

Die weitere Entwicklung des Gymnasiums wolle er vorantreiben: „Die Schulentwicklung mit allen Facetten ist eine Aufgabe, der sich eine Schule permanent stellen muss“, zeigt sich Hermes überzeugt. Ebenso gelte es aber, mit Augenmaß realistische und unrealistische Ziele zu unterschieden. In der Anfangsphase seiner Amtszeit wolle er die Schule erst einmal auf sich wirken lassen, beobachten, analysieren: „Die Edertalschule ist ein Riesensystem, das muss ich kennenlernen. Es ist vieles gewachsen, davon sehr viel Positives, das vor allem Winfried Deichsel zu verantworten hat“, sagt er anerkennend über seinen Vorgänger als Schulleiter. „Es wäre töricht, darüber hinweg zu sehen“.

Es gelte, Schritt für Schritt zu sehen, wo es Entwicklungsbedarf gebe. „Ich habe Respekt vor dieser Aufgabe, aber keine Angst“, sagt er. Er verstehe sich als jemand, der in Sachen Schulentwicklung initiativ vorgehe, ohne aber über die Köpfe anderer hinweg zu entscheiden. Auch deshalb sehe er die Schulleitung mit den Fachbereichsleitern, seinem Stellvertreter und dem Studiendirektor als Team, in dem er nur in der Endverantwortung stehe: „Anders ist ein System von dieser Größe auch nicht zu leiten“, sagt Hermes.

Abseits von Beruf und Kommunalpolitik ist Stefan Hermes auch privat ein aktiver Mensch. Seiner Laufbahn als Tennis- und Fußballspieler setzte vor zweieinhalb Jahren eine Knieverletzung ein Ende. Auch das kommunale Kino in Arolsen, für das er als Mitglied und Vereinsvorsitzender tätig war, ist nicht mehr. Geblieben aber ist die Liebe zur Musik, „die ich gerne höre, aber leider nicht spiele“, wie er bedauernd zugibt. „Ich Reise gerne und liebe zu meinem Leidwesen auch gutes Essen“, sagt er, blickt kurz nach unten und lacht.

Möglich, dass all dies in den vergangenen Wochen etwas zu kurz gekommen ist für den neuen Schulleiter Stefan Hermes: „Sommerferien im eigentlichen Sinne hatte ich ja nicht“, sagt er, ohne das Bedauern in seiner Stimme liegt. Denn es sei gut, dass er bereits einige Zeit gehabt habe, sich einarbeiten zu können. Bevor aber der Arbeitsalltag in der letzten Ferienwoche beginnt, möchte auch er noch eine Woche Urlaub machen. „Jetzt geht es zum Angeln nach Schweden“, sagt er und schließt hinter sich die Tür zur Edertalschule ab.

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