Frankenberg

Fußgänger angefahren: Sechs Monate zur Bewährung

- Frankenberg (apa). Wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, gefährlicher Körperverletzung und Nötigung stand ein 42-jähriger Mann aus Allendorf vor dem Strafgericht in Frankenberg. Er hatte nach übereinstimmenden Aussagen einen Mann angefahren.

Er war im März dieses Jahres mit seinem Auto auf einem Teerweg in Allendorf gefahren. Er passierte zwei Fußgänger, die mit ihrem Hund auf dem Teerweg unterwegs waren, und touchierte mit seinem Außenspiegel einen Allendorfer am Arm, jedoch ohne ihn zu verletzen. Als er im Rückspiegel sah, dass ihm der Fußgänger daraufhin den „Scheibenwischer“ zeigte, hielt er sein Auto an und fuhr rückwärts – um die Sache zu besprechen, wie er vor Gericht erklärte. Der 42-Jährige bremste sein Auto allerdings erst ab, als er einen Schlag hörte. Da hatte er den Allendorfer bereits angefahren. Der Fußgänger erlitt dabei Prellungen und Schürfwunden. Er rief die Polizei nach Allendorf, die sofort den Führerschein des Autofahrers einzog. Der Fahrer gab vor Gericht an, er habe sich beim Rückwärtsfahren an den Außenspiegeln orientiert und den Mann deshalb nicht gesehen. Außerdem habe er sich mehr auf die Bankette konzentriert, um sein Auto beim Rückwärtsfahren nicht in den Graben zu manövrieren. Uneinig zeigten sich Zeuge und Angeklagter darüber, ob sich der Fahrer nach dem Vorfall entschuldigt hat. Während der Angeklagte betonte, dies mehrfach getan zu haben, sagte der Zeuge aus, er habe niemals eine Entschuldigung erhalten. Er räumte jedoch ein, dass sich der Fahrer des Wagens am nächsten Tag persönlich bei ihm nach seinem Gesundheitszustand erkundigt hatte. Allerdings habe der Allendorfer bei diesem Besuch vor allem erklärt, welche Probleme auf ihn zukämen, wenn er seinen Führerschein nicht wiederbekomme. „Das war kein sanfter Schubser“, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft. Dies sei an der deutlichen Beule am Heck des Autos zu sehen gewesen. „Er hat sich offensichtlich geärgert, deswegen fuhr er ungehalten zurück“, sagte der Oberamtsanwalt. „Dass er vorsichtig gefahren ist, das glaube ich ihm nicht.“ Richterin Andrea Hülshorst schloss sich dieser Ansicht an: „Das Augenblicks-Versagen hat einfach zu lange gedauert“, sagte sie. Der Allendorfer habe die Schädigung eines Menschen in Kauf genommen. Sie verurteilte den 42-Jährigen wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Nötigung zu einer Haftstrafe von sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wird; gefährliche Körperverletzung, weil der Mann dabei eine „Waffe“, nämlich sein Auto, benutzt hatte, erklärte Hülshorst. Außerdem erhielt der Mann eine Sperre von weiteren zehn Monaten, bevor er seinen Führerschein wieder zurückerlangen kann. Vom Fahrverbot ausgenommen sind Traktoren, damit der Mann seinen Nebenberuf ausüben kann. „Und diese Zeitspanne ist sehr moderat angesetzt“, betonte die Richterin. Weiterhin muss der 42-Jährige 3000 Euro an die Lebenshilfe zahlen. Mit dieser Strafe orientierte sich das Gericht an den Forderungen der Staatsanwaltschaft. „Gerade wegen der von ihnen so betonten Gräben am Straßenrand hätten Sie vorsichtiger fahren müssen“, sagte die Richterin. Das Urteil wird erst rechtskräftig, wenn keine der Parteien innerhalb einer Woche Rechtsmittel dagegen einlegt.

Kommentare