Frankenberger Arbeitskreis der Wirtschaft für Kommunalfragen

Gantner: Hochschule nutzen, um sie zu sichern

Der größtenteils wiedergewählte Vorstand des Frankenberger Arbeitskreises der Wirtschaft für Kommunalfragen (AFK); von links: Jürgen-Karl Binzer, Wolfram Klawe, Uwe Kleemann, das verabschiedete Vorstandsmitglied Karl-Heinz Debus, AFK-Geschäftsführer Achim

Frankenberg - Mit 102 Mitgliedern ist der AFK die Stimme der Wirtschaft im Frankenberger Land. Und seine Stimme erhob auch Vorsitzender Klaus Gantner während der Jahreshauptversammlung - und zwar mahnend. Er forderte dazu auf, die Bildungsangebote der Technischen Hochschule Mittelhessen stärker zu nutzen, um ihre Zukunft zu sichern.

Bis 2030 gehe das Bewerberpotenzial um prognostizierte 25 Prozent zurück, sagte der AFK-Vorsitzende am Mittwochabend bei der Jahreshauptversammlung im Hotel „Die Sonne Frankenberg“. Der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) mit seiner StudiumPlus-Außenstelle in Frankenberg misst Klaus Gantner deshalb eine hohe Bedeutung für die Zukunftssicherung der Waldeck-Frankenberger Wirtschaft bei: Jungen Menschen wird heimatnah die Möglichkeit geboten, einen akademischen Abschluss zu erlangen, Firmen binden durch die duale Ausrichtung potenzielle Fach- und Führungskräfte langfristig an sich und an die Region.

Falsche Schwerpunkte

Doch während sich die Zahlen an den drei anderen Studienorten sehr positiv entwickelten, stagniere die Resonanz auf die in Frankenberg angebotenen Bachelor- und Masterstudiengänge weiter. „Die Jahrgänge sind nicht ausreichend ausgelastet für einen wirtschaftlichen Betrieb“, erklärte Gantner. „Niemand kann wollen, dass die THM in einiger Zeit wieder ihre Daseinsberechtigung verliert.“ Gantner erinnerte an die zumindest betriebswirtschaftlich gescheiterte Berufsakademie in Frankenberg. Sein mahnender Appell: „Die Unternehmen müssen sich bewegen und das Angebot annehmen.“ Der Arbeitskreis der Wirtschaft stehe jedenfalls hinter dem von ihm mitinitiierten Bildungsangebot. Auch im nächsten Abschlussjahrgang soll wieder der Beste mit einem vierstelligen Preisgeld belohnt werden.

Neben den bildungspolitischen Themen legt der Arbeitskreis auch in diesem Jahr wieder den Fokus auf die Straße. Der AFK verstehe sich als der „Motor der Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur“. Die Forderung: Zeitnah müssten die B252-Ortsumgehungen Twiste, Berndorf und Dorfitter sowie im angrenzenden Kreis Marburg-Biedenkopf die Trassen zwischen Münchhausen und Lahntal realisiert werden. Dem Bund, aber auch dem Kreis warf der Vorsitzende eine fragwürdige Schwerpunktsetzung vor. Während einerseits das Geld (13,6 Millionen Euro) für den Bau der Umgehung Dorfitter fehle, für die bereits Baurecht bestehe, würden andererseits fünf Millionen Euro in den Bau eines Fahrradweges zwischen Herzhausen und Dorfitter sowie 16,8 Millionen Euro in die Reaktivierung der Bahnstrecke von Frankenberg nach Korbach investiert - die Beteiligung des Landkreises an den Betriebskosten des Bahnverkehrs nicht mitgerechnet. „Das ist für uns nicht nachvollziehbar“, erklärte Gantner. „Die Fläche kann nur über die Straße erschlossen werden.“

Als Erfolg, zu dem der Arbeitskreis einen Beitrag geleistet habe, bezeichnete Gantner den Spatenstich zum Ausbau der B253 über die Sackpfeife und den beschlossenen Baubeginn der Umgehungen im Marburger Norden. In der Pflicht sieht der AFK jetzt Hessen Mobil. Über die zugesagten zehn Millionen Euro in den nächsten drei Jahren hinaus könnte weiteres Geld in den Abschnitt zwischen Münchhausen und Lahntal fließen. Denn der Bund könnte in anderen Projekten nicht „verbautes“ Geld am Jahresende nach Mittelhessen „umleiten“ - eine zügige Planung des Landesbetriebs vorausgesetzt.

Gantner dankt Lutz Klein

Seinen Dank sprach Gantner dem früheren Regierungspräsidenten Lutz Klein aus, der den AFK bei seiner Arbeit intensiv unterstütze. Zuletzt habe der Battenberger daran gearbeitet, die Fernstraße 508n zwischen Erndtebrück und Frankenberg für den Bundesverkehrswegeplan 2015 (siehe unten stehenden Text) anzumelden. „Es gibt keine Alternative zu dieser leistungsfähigen Ausfallstrecke in Richtung Westen“, stellte Gantner klar. Auf nordrhein-westfälischer Seite befänden sich schließlich schon vier Umgehungen zwischen Kreuztal und Erndtebrück im vordringlichen Bedarf des Verkehrswegeplanes. „Wir müssen jetzt die Gunst der Stunde nutzen, dem ,Projekt 57‘ entgegenzukommen.“ Unter diesem Namen wird die B508n im Nachbarbundeslandes forciert. Ohne den Lückenschluss von Frankenberg aus würden die Umgehungen in Siegen-Wittgenstein im Niemandsland enden.

Vortrag über das Strafrecht

Zum Thema „Kriminalisierter Mittelstand - Eine Analyse der strafrechtlichen Risiken des Unternehmers“ referierte am Mittwochabend Holger Wirthwein. Der Fachanwalt für Strafrecht aus Koblenz spannte in seinem mit viel Beifall belohnten informativen und zugleich unterhaltsamen Vortrag den Bogen von den Verantwortlichkeiten von Unternehmern über die Besonderheiten von Ermittlungsverfahren bis zum Risikomanagement. „Hochkriminell und doch sympathisch, das macht hin und wieder den Wirtschaftsstraftäter aus“. Sicherlich, Unternehmer wollten meistens nur das Bestmögliche, mit dem Strafrecht könnten sie aber dennoch schnell in Konflikt geraten, so der Rechtsanwalt.

Von Rouven Raatz

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