Ehemaliger Kriegsgefangener lud Frankenauer Freunde zum 95. Geburtstag ein

Gaston gehörte zur Familie

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Auf gute Freundschaft: Herzlich wurden in der Normandie beim 95. Geburtstag von Gaston Néel (links) die Frankenauer Heinrich Drebes, Horst und Irmela Wassermann empfangen.

Frankenau. Gaston Néel, junger Soldat, marschierte 1940 in Frankreich am Straßenrand, als ihn französische Kollaborateure aufnahmen und Minuten später einer deutschen Militärkontrolle auslieferten.

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Verbrüderung streng verboten

Gaston wurde als Kriegsgefangener nach Deutschland verschleppt, musste zunächst in Haina-Kloster in einem Sägewerk und ab 1941 in Frankenau Zwangsarbeit leisten.

Er wurde der Familie Moritz Röhling zugewiesen, die sich über allen von den NS-Machthabern gesäten Hass hinwegsetzte und „ihren Franzosen“ wie ein Familienmitglied behandelte. Als Gaston jetzt 95 Jahre alt wurde, feierten drei Frankenauer mit ihm in der Normandie ihre persönliche deutsch-französische Völkerfreundschaft.

In der Schule untergebracht

Etwa 28 französische Kriegsgefangene, unter ihnen Gaston Néel, waren während des Zweiten Weltkrieges in einem Klassenraum der Frankenauer Schule untergebracht. „Abends wurde abgeschlossen, morgens kam ein Wachmann, öffnete wieder und die Gefangenen schwärmten aus zur Arbeit bei den Bauernfamilien in Frankenau“, erinnert sich der 88-jährige Heinrich Drebes, Schwiegersohn von Moritz Röhling, der bereits sieben Mal Gaston Néel in Frankreich besucht hat.

Diesmal fuhr er zusammen mit Horst und Irmela Wassermann geb. Röhling, die mittlerweile schon eine tiefe Freundschaft mit den beiden nächsten Generationen der Familie Néel verbindet.

Enkelin Christelle Elie durfte auf ihre Vermittlung hin 2002 während ihres Innenarchitektur-Studiums ein Praktikum in der traditionsreichen Frankenberger Möbelfabrik Thonet machen.

„Gaston spricht jetzt noch den Frankenauer Dialekt so, wie er ihn damals gelernt hat“, berichtet Horst Wassermann, ehemaliger Frankenauer Schulleiter.

1964 hat er zusammen mit Ehefrau Irmela erstmals wieder den Kontakt mit der Familie Néel aufgenommen, seitdem haben sie sich bei allen größeren Familienfesten gegenseitig besucht. „Wir wurden auch jetzt wieder bei Gastons 95. Geburtstag in Bonnebosq/Normandie sehr herzlich als gute Freunde aus Deutschland aufgenommen. Vielleicht ist das nach diesem furchtbaren Krieg unser kleiner Beitrag zur Völkerverständigung“, sagt Wassermann.

Als nächstes großes Fest steht in Frankenau eine Goldene Hochzeit im September 2011 an. „Dazu haben wir Gaston und seine Familie schon eingeladen“, freut sich das Ehepaar Wassermann.

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Quelle: HNA

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