Theater-AG der Edertalschule

Gauklertum, schwarzer Tod und Liebe

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Die Sekretärin (Johanna Krüger) der Pest (Lena Adel) dokumentiert: Diego (Leonard Finger) muss sich zwischen der Stadt und Victoria (Anna Kobus) – hier in einer der beiden Besetzungen – entscheiden.Fotos: Malte Glotz

Frankenberg - Die Proben laufen auf Hochtouren: Nächste Woche Dienstag feiert das Stück "Die Pest" der Theater-AG der Edertalschule Premiere. Bis dahin stehen den Jugendlichen noch zwei Übungstage ins Haus.

Paul Möllers schaut zufrieden - und ruft dann: „An der Dynamik des Sprechens müssen wir noch mal arbeiten.“ Der Rest dieser Szene aber, der war gut. Dabei stehen die Mitglieder der Theater-AG der Edertalschule erstmals teilkostümiert auf der noch nicht ganz fertigen Bühne im Dampfmaschinenmuseum. Sie proben „Die Pest“ nach Albert Camus. Im Hintergrund wird gehämmert, eine Flex kreischt, Frühjahrskälte zieht durch die Halle.

Und doch sind die jungen Darsteller hochkonzentriert, selbst wenn Spielleiter Möllers oder seine Stützen Ingrid Obermann und Thorsten Jech ab und an soufflierend eingreifen müssen. Gekonnt und schon in dieser frühen Version des Stückes erstaunlich ausdrucksstark präsentieren sie ihren Text. Den handeln sie untereinander aus. „Da fehlt doch was“, ruft einer - der nächste entgegnet: „Das haben wir rausgestrichen“; das Schauspielern als gemeinsamer, kreativer Prozess.

So haben sich die Schüler rund um Möllers einige Freiheiten erlaubt: Das Theaterstück lehnt sich an Camus‘ Stück „Der Belagerungszustand“ an, der wiederum entfernt auf seinem früheren Roman „Die Pest“ beruht. Da der bekannter und griffiger ist, fiel die Namenswahl leicht. Auch einige Szenen, die Camus andeutet, haben die Schüler uminterpretiert. So spielen zu Beginn noch Gaukler eine große Rolle: „Camus hat das nur mit drei Sätzen erwähnt. Aber wir machen da mehr draus, weil es die Stimmung vor der Pest gut einfängt. Außerdem ist dann die Fallhöhe größer“, sagt Paul Möllers und grinst.

Die Pest (Lena Adel) kommt nach Cadiz und übernimmt in dem kleinen Städtchen die Herrschaft. Schnell arrangieren sich die meisten der Bürger mit der Schreckensherrschaft. Nur ein Liebespaar widersetzt sich. Das wird in der Inszenierung gleich von vier Schülern gespielt: Leonard Finger und Anna Kobus mimen im abendlichen Wechsel mit Nils Funke und Suna Knell das Paar Diego und Victoria.

Damit bis zur Premiere am nächsten Dienstag alles so funktioniert wie geplant, ist noch einiges zu tun. Schließlich spielt die Truppe in diesem Jahr zwischen den Rängen: ein großes Rund bildet den „Marktplatz“ von Cadiz, also die Hauptbühne. Vier Stege führen zu den Stadttoren - die geschlossen werden, sobald die Pest die Macht übernimmt. „Bei so einer Art der Inszenierung gibt es einiges zu beachten“, sagt Möllers: Wo blicken die Schauspieler hin? Wem wenden sie den Rücken zu? Ist auf den Stegen genug Platz? Jedes Detail muss sitzen. Dafür sind die Techniker zuständig: Während der Spielproben flimmert das Licht, die Scheinwerfer leuchten in verschiedenen Stärken. „Licht auf die Stege“, ruft Möllers dann, wenn er das Licht tatsächlich so haben möchte, wie es auch die Zuschauer später sehen sollen. Unterdessen laufen Schüler in roter Arbeitskleidung durch die Szene, hämmern hier, sägen dort.

„Macht mal die Sterne an“, ruft Möllers, und an der Wand hinter dem Publikum funkeln Sterne auf. „Die markieren im Stück die Häuser, in denen es Pestopfer gibt“, erläutert der Lehrer - und fügt an: „Das ist natürlich eine Spielerei, die ist zeitaufwendig“. Doch um das Stück so auf die Bühne zu bringen, dass es für die Zuschauer ein Gewinn ist, nehmen die Schüler und Lehrer gerne einen Mehraufwand in Kauf. Ohnehin haben sie schon viel Zeit investiert: Geprobt wird seit September, die Bühnenbauer sind seit Ostern im Einsatz. Gestern wurde 14 Stunden geprobt - und zwei weitere volle Übungstage stehen noch an.

„Die Pest“ nach Albert Camus: Premiere am Dienstag, 30. April, Aufführungen am 3., 4., und 5. Mai, jeweils um 20 Uhr im Dampfmaschinenmuseum in Schreufa. Eintritt: 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Vorverkauf in der Buchhandlung Jakobi und im Lädchen gegenüber der Edertalschule.

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