Frankenberg

„Gebäude bringt Stadt in Misskredit“

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- Frankenberg (jos). Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) und die Deutsche Bahn haben vor einigen Tagen mit großem Tamtam verkündet, dass 93 hessische Bahnhöfe saniert werden sollen und dafür 258 Millionen Euro zur Verfügung stünden. Frankenberg profitiert von dem laut Posch größten Modernisierungsprogramm für hessische Bahnhöfe aller Zeiten nicht.

Rüdiger Richter lässt sich dennoch nicht entmutigen. Der Inhaber der Buchhandlung Hykel hatte im Mai mit seinem Nachbarn Peter Beckmann, Chef von Foto Muth, zur Gründung einer Bürgerinitiative aufgerufen, die sich des heruntergekommenen Bahnhofsgebäudes annehmen soll. Was ist seitdem passiert? „Sehr viel“, berichtete Richter auf FZ-Nachfrage. Begeistert ist der Buchhändler von der Resonanz aus der Bevölkerung: Rund 40 Leute hätten sich bislang bei ihm gemeldet und ihre Unterstützung zugesagt. Richter hat alle Adressen gesammelt, die Bereitschaft mit anzupacken sei groß. Die Bandbreite der Unterstützer reiche von Ruheständlern mit Erfahrung auf dem Bau über Jugendliche und junge Erwachsene bis hin zu Geschäftsleuten, die sich als Sponsoren angeboten hätten.

Eines ist klar: Eine Kernsanierung des mehr als 100 Jahr alten Bahnhofsgebäudes können die Freiwilligen niemals aus eigener Kraft stemmen. Aber wichtige „kosmetische Verbesserungen“ sind allemal drin, ist Richter überzeugt. Eine wichtige Hürde dafür hat der Buchhändler bereits genommen: Der Eigentümer der Immobilie sei einverstanden und wolle die Aktion unterstützen, zum Beispiel mit der Bereitstellung von Material.

Die Bahn hatte das altehrwürdige Gebäude an eine ausländische Investmentfirma verkauft, die die Vermarktung an eine Vermietungsgesellschaft in Langen abgegeben hat. Mit diesem Unternehmen steht Richter in Kontakt. „Dort hat man natürlich ein Interesse daran, dass der Bahnhof aufpoliert wird“, berichtet der Buchhändler.Gerade vor dem Hintergrund, dass sich der Umbau der Bahnhofstraße um ein Jahr verschiebt, ist aus Richters Sicht zu befürchten, dass im Umfeld des Bahnhofs auch im Jahr 2013 von städtischer Seite nichts passiert. „Dabei bringt der Bahnhof die gesamte Stadt in Misskredit.“

Enttäuscht ist Richter indessen von der Stadt Frankenberg. Bürgermeister Christian Engelhardt hatte ihn in einem offenen Brief darauf verwiesen, dass die Stadt erst im Jahr 2013 die Gestaltung des Bahnhofsumfelds in Angriff nehmen wolle. Das Bahnhofsgebäude selber könne allerdings nicht von der Stadt saniert werden, dafür sei der private Besitzer der Immobilie zuständig.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Mittwoch, 31. August

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