Kreis-CDU und Bürgerliste Frankenberg sagen „Nein“

Gegen eine Oberstufe in Battenberg

Frankenberg - Eine Resolution zur „Stärkung der gymnasialen Oberstufe in Frankenberg“ steht auf der Tagesordnung der Frankenberger Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag in Haubern.

Im Rahmen einer Mitgliederversammlung des Frankenberger CDU-Stadtverbands bezog der neue Kreisvorsitzende Armin Schwarz Position zum Vorschlag der SPD, an der Battenberger Gesamtschule eine Oberstufe einzurichten.

An der Edertalschule werde hervorragende Arbeit geleistet, sagte der Landtagsabgeordnete. „Die Oberstufenstärke gewährleistet ein breites Kursangebot, das gehalten werden muss. So können mit den erforderlichen Schülerzahlen auch Leistungskurse in Fächern wie Chemie und Physik angeboten werden.“ Eine Konkurrenzsituation zu Frankenberg würde seiner Meinung nach mittelfristig das Kursangebot schwächen. „Dies kann nicht im Interesse der Schülerschaft, der Elternschaft und der Betriebe sein.“ Diese Argumentation dürfe auch nicht als „Ablehnung gegenüber Battenberg“ verstanden werden, sondern sei den sachlichen Anforderungen geschuldet, die an eine gute Oberstufe gestellt werden.

Auch die Resolution, mit der sich am Donnerstag die Stadtverordneten in ihrer Sitzung in Haubern beschäftigen werden, verfolgt dieses Ziel. In der Vorlage heißt es: „Die Stadtverordnetenversammlung spricht sich grundsätzlich für eine Stärkung und Aufwertung der gymnasialen Oberstufe im Bereich der Stadt Frankenberg aus.“ Aufgrund zurückgehender Schülerzahlen vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung solle die Schulausbildung im Rahmen der Oberstufe am Gymnasium Edertalschule zentriert und ausgebaut werden.

Sollte, auch durch die Einrichtung einer weiteren gymnasialen Oberstufe im Landkreis, die Schülerzahl an der Edertalschule sinken, müsste das Leistungsangebot eingeschränkt werden. Ein geringeres Angebot an Leistungsfächern und damit eine geringere Wertigkeit des Abiturs könne die Folge sein.

Zu hohe Planzahlen

Auch der Schulentwicklungsplan des Kreises gehe von sinkenden Schülerzahlen aus, heißt es in der Vorlage. Prognostiziert würden Jahrgänge mit weniger als 100 Oberstufenschülern an der Edertalschule. „Ein Konkurrenzkampf verschiedener Schulen würde den bestehenden erfolgreichen Strukturen in Frankenberg schaden.“ Zudem wird auf die zusätzlich für das Land entstehenden Kosten verwiesen, sollte eine weitere Oberstufe installiert werden.

Für die Resolution dürfte außer der CDU auch die Bürgerliste votieren. Deren Fraktionsvorsitzender Henning Scheele hatte bereits in der vergangenen Woche Stellung bezogen: „Es geht nicht gegen das obere Edertal oder um Kirchturmdenken, sondern um ein breites, qualitativ hochwertiges Bildungsangebot für die Schüler aus unserer Region und damit vor allem um unsere Zukunft.“ Würde in Battenberg eine Oberstufe eingerichtet, „so sinken die Schülerzahlen in Frankenberg und von bisher 14 Leistungskursen werden nur noch sechs bis sieben Leistungskurse darstellbar sein“, erklärte er. Damit gehe ein überdurchschnittliches Spektrum an Leistungskursangeboten verloren und es werde nur noch das Standardangebot existieren. „Leistungskurse wie Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Physik, Latein oder Französisch könnten bald Geschichte sein. Wichtige neue Leistungskurse wie Spanisch können sofort zu den Akten gelegt werden.“ Allein dieses Szenario zeige deutlich, dass eine Errichtung einer weiteren Oberstufe im Südkreis vollkommen unsinnig sei.

Nach Ansicht der Bürgerliste werde von den Befürwortern einer Oberstufe in Battenberg und vom Kreis mit zu hohen Planzahlen gerechnet. „Im Schnitt der letzten fünf Jahre sind aus der Mittelstufe der Edertalschule rund 75 Prozent der Schüler in die Oberstufe übergegangen, bei der Berechnung des Schulentwicklungsplanes werden 95 Prozent angesetzt. Wenn man die Prognose der nächsten Schuljahre detailliert betrachtet, dann werden durch diese Berechnung immer 30 bis 40 Schüler mehr eingeplant als realistisch zu erwarten sind.“ Dies sei eine kosmetische Schönrechnerei, um die Oberstufe in Battenberg begründen zu können.

Wahlkampfversprechen

Die wahren Beweggründe für die Argumentation pro Battenberg sieht die Bürgerliste in den Versprechen der SPD aus vergangen Wahlkämpfen. „Das dabei Steuergelder verschwendet werden, ist den Befürworten scheinbar vollkommen egal.“ Reinhard Kahl, der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, meine, mit der Oberstufe zusätzliche Schüler anderer Gymnasien anziehen zu können. „Wir rechnen eher mit Verlusten, da durch das eingeschränkte Angebot bestimmte Schüler noch häufiger andere Schulformen wählen oder je nach Erreichbarkeit andere Gymnasien mit breiterem Angebot bevorzugen.“

Von Rouven Raatz

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