Grüne besuchen Frankenberger Kreiskrankenhaus

Gegen eine Vereinigung von Krankenhäusern

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Werner Bergener, stellvertretender Geschäftsführer (rechts), führte die Delegation der Grünen aus Stadt- und Landespolitik durch das Frankenberger Kreiskrankenhaus.

Frankenberg - Wie kann die medizinische Versorgung im ländlichen Raum verbessert werden? Diese Frage haben Mitglieder der Grünen-Landtagsfraktion und die Geschäftsleitung des Kreiskrankenhaus diskutiert - mit vielen Übereinstimmungen.

Die Grünen-Landtagsfraktion arbeitet derzeit an 18 Konzepten für die Zukunft Hessens: „Wir haben beschlossen, dass für alle politischen Handlungsfelder Konzepte erarbeitet werden sollen, die über den Tag hinausgehen“, erklärt Kordula Schulz-Asche. Die Landesvorsitzende der Grünen ist als stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Landtag gesundheitspolitische Sprecherin der Partei - und als solche im Rahmen ihrer „Konzepte-Tour“ zu Gast im Frankenberger Kreiskrankenhaus. Sie möchte erkunden, welche Wünsche, welche Probleme die kleinen und mittelgroßen Krankenhäuser in kommunaler Trägerschaft haben.

Werner Bergener, stellvertretender Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses, führt die Landespolitikerin und den heimischen Abgeordneten Daniel May, ebenso wie die Stadtverordneten Uwe Patzer - Betriebsratsvorsitzender am Krankenhaus - und Christine Möller durch die Räume. Er erläutert, was in den vergangenen Jahren neu geschaffen wurde, wo die Stärken und Schwächen des Hauses liegen. Schnell kommt eine Zahl ins Spiel: „Am Übergang vom Neu- zum Altbau besteht noch Bedarf“, sagt Bergener. Noch mangele es dort am Brandschutz und die Patienten-Rufanlagen müssten auf den gleichen Stand der Technik gebracht werden. Investitionsbedarf: drei Millionen Euro.

Gegen eine Holding

Im Gespräch mit dem Geschäftsführer des Krankenhauses, Christian Jostes, wird schnell klar, dass die Landespolitikerin und der Krankenhausleiter auf einer Wellenlinie liegen. Beide sind etwa für eine Bürgerversicherung: „Eine tolle Sache“, sagt Jostes. Gemeinsame Ablehnung kristallisiert sich auch gegenüber einer Initiative der Landesregierung heraus: Alle kommunalen Krankenhäuser sollen demnach unter dem Dach einer gemeinsamen Holding kooperieren. „Das wäre wie eine Enteignung. Wir werden diesen Weg nicht gehen“, sagt Jostes. Die Krankenhäuser in Korbach und Frankenberg würden schwarze Zahlen schreiben, anders als viele Häuser im Rhein-Main-Gebiet. Das liege schlicht daran, dass es in Südhessen ein Überangebot gebe, die Häuser würden um Patienten und Mitarbeiter konkurrieren, auch über den Preis: „Die Rahmenbedingungen müssen stimmen - wie ich mein Krankenhaus führe, das weiß ich selbst“, sagt Jostes. Die gute Situation des Frankenberger Kreiskrankenhauses schiebt er auch auf die faktische Monopolstellung in der Region.

Doch der Geschäftsführer hat auch einen Wunsch, den er an die stellvertretende Fraktionschefin Kordula Schulz-Asche heranträgt: eine Geriatrie. „Der Bedarf ist auf jeden Fall gegeben“, sagt er. Ein Gesetz von 1992, das jedem Landkreis eine entsprechende Station zuspreche, sei nicht zeitgemäß - nicht im Angesicht des demografischen Wandels und nicht im flächengrößten Landkreis Hessens. Eine Konkurrenz zur ge­riatrischen Abteilung am Korbacher Stadtklinikum sieht Christian Jostes nicht: „Die Frankenberger lassen sich ohnehin nicht nach Korbach einweisen“, erklärt er - lediglich 22 Patienten seien es seit Jahresbeginn gewesen. Das Klinikum in Wehrda sei der Favorit. Schulz-Asche notiert fleißig und gibt ein Versprechen: Sie will das Thema auf der Agenda behalten. Ende 2013 ist Landtagswahl.

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