Erziehungs-Gewerkschaft demonstrierte gemeinsam mit Polizisten und Feuerwehr

Gegen späteren Ruhestand

Neben Polizisten im Rollstuhl: Gemeinsam demonstrierten auf dem Kasseler Opernplatz GEW-Mitglieder aus Waldeck-Frankenberg mit Gewerkschaftern der Polizei und der Feuerwehr gegen eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Im Hintergrund rechts der Korbacher Lehrer Ortwin Terörde auf Stelzen. Foto: Völker

Waldeck-Frankenberg. Gemeinsam mit Polizisten und Feuerwehrleuten demonstrierten in Kassel nordhessische Lehrerinnen und Lehrer, darunter auch Mitglieder der GEW-Kreisverbände Waldeck und Frankenberg, gegen die geplante Verlängerung der Lebensarbeitszeit der hessischen Beamten.

Nach einem Gesetzentwurf sollen Lehrkräfte künftig noch mit 67,5 Jahren vor Schulklassen stehen, besonders belastete Gruppen wie Polizei und Feuerwehr erst mit 62 statt bisher 60 Jahren in Ruhestand gehen können.

„Statt mehr Menschen in Beschäftigung zu bringen soll hier wieder auf Kosten der Beamtinnen und Beamten der Staatshaushalt saniert werden. Das steht sogar in dem Gesetzentwurf des Landtages drin und ist an Zynismus kaum zu überbieten“, meinte Stefan Körzel, Vorsitzender des DGB-Bezirkes Nordhessen/Thüringen. Er forderte außerdem die Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche (derzeit 42 Stunden) für Beamte in Hessen.

Überalterung befürchtet

Auch Helmut Schmidt-Biermann (Bad Wildungen) vom GEW-Kreisverband Waldeck warnte am Rande der Veranstaltung vor der Gefahr, dass mit zunehmender Überalterung der Lehrerkollegien zugleich Arbeitsplätze abgeschafft würden. „Es gibt jetzt schon Wartelisten für junge Pädagogen, die gern als Lehrkräfte in den Vorbereitungsdienst (früher Referendariat) aufgenommen werden wollen“, erklärte Schmidt-Biermann. „In der Schule müssen alle Altersstufen vertreten sein. Irgendwann verlieren Lehrer im Alter den Draht zu den Jugendlichen.“

Eine große Zahl von Lehrkräften an den Schulen in Waldeck-Frankenberg habe sich an der Unterschriftenaktion der GEW beteiligt und einen Ruhestand ab 62 Jahren, höchstens 24 Pflichtstunden und Klassengrößen nicht über 20 Schüler gefordert, berichtete GEW-Vorstandsmitglied Cornelia Jordan (Frankenberg).

Die zunehmende Belastung der Lehrer zeige sich auch dadurch, dass viele schon nach kurzer Zeit freiwillig ihre Arbeitszeit um wenigsten zwei Stunden reduzierten und entsprechend auf Geld verzichteten, „und das hauptsächlich bei den jungen Lehrern, die gerade angefangen haben.“ Dies werfe ein deutliches Licht auf die hohe Arbeitsbelastung, so die Frankenberger GEW-Sprecherin Jordan.

Die GEW-Mitglieder aus Waldeck-Frankenberg demonstrierten in Kassel mit Fahnen und Spruchbändern, der Korbacher Lehrer Ortwin Terörde überragte alle auf zwei Meter hohen Stelzen. (zve)

Quelle: HNA

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