Frankenberg

Ära geht zu Ende: Torsten Laege schließt das „Havanna“

- Frankenberg (jos).In den nächsten Wochen will Torsten Laege das 20-jährige Bestehen des „Havanna Live-Clubs“ mit zahlreichen Konzerten feiern. Die letzte Fete ist am 30. Dezember, danach dürfte die Ära „Havanna“ beendet sein: Denn Laege schließt die Musikkneipe.

„Der Lange“ – so wird Torsten Laege von vielen Stammgästen liebevoll genannt. Nicht nur groß gewachsen ist der sympathische Kneipenchef, auch einen langen Atem hat er bewiesen: Seit 1993 hat er, zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Roland, das „Havanna“ durch Höhen und Tiefen geführt. Warum macht er jetzt Schluss? Die Gründe seien vielschichtig, erklärt der 43-Jährige.

Das Jahr 2010 sei schon länger ein Fixpunkt für ihn gewesen. Sein eigenes Alter spiele ebenfalls eine Rolle. Das Ausgehverhalten der jungen Generation habe sich verändert und zeitlich nach hinten verlagert. „Oft bin ich erst morgens um 7 Uhr nach Hause gekommen“, sagt Laege. Drei Stunden später dann wieder aufzustehen – „das kannst du nicht bis zum Schluss machen“, sagt der Wirt, auch im Hinblick auf seine Familie. „Ich freue mich, endlich mehr Zeit für meine Tochter zu haben“, sagt der 43-Jährige.

Untätig werde er aber künftig sicherlich nicht sein, betont Laege. Und wie geht es für ihn weiter? Vieles sei möglich. „Ich könnte mir vorstellen, in einem Angestellten-Verhältnis zu arbeiten, und habe bereits Bewerbungen geschrieben“, so Laege. Aber auch eine neue Herausforderung in der Gastronomie sei denkbar. Zunächst brauche er aber Zeit, um darüber nachzudenken, wie es weitergeht.

Wie es angefangen hat mit dem „Havanna“, das weiß Torsten Laege noch ganz genau: „Wie die Jungfrau zum Kinde“ sei er zu der Kneipe gekommen. Im September 1989 war der Laden von Rainer Henkel und Marc Feiser in den Räumen der einstigen Diskothek „Kingston“ eröffnet worden. Zum Ende des Jahres 1993 erschien eine Anzeige in der FZ: „Gut gehende Musikkneipe in Frankenberg zu verkaufen“, hieß es laut Laege darin. Der gelernte Radio- und Fernsehtechniker war zu diesem Zeitpunkt unglücklich mit seinem Job und war sofort dabei, als sein Bruder Roland darüber nachdachte, das „Havanna“ zu übernehmen. Roland Laege war vorher bereits in der Gastronomie tätig gewesen und brachte die nötige Erfahrung mit, Torsten Laege war zunächst hauptsächlich für die technischen Dinge zuständig.

Das erste Jahr im „Havanna“ unter den Laege-Brüdern war gespickt mit Live-Konzerten. An jedem Wochenende gastierte mindestens eine Band in dem Club.

Am 30. Dezember 1997 stieg die letzte Fete im „alten Havanna“, das von seiner Einrichtung her noch sehr an die Disco „Kingston“ erinnerte. Es folgte der große Umbau. Im Zuge der Komplett-Renovierung wurde der vordere Teil des Clubs heller und freundlicher gestaltet. „Den älteren Besuchern gefiel das von Anfang an sehr gut“, erinnert sich Torsten Laege. Manch ein Jugendlicher habe es allerdings vorher besser gefunden. „Die jungen Leute mochten es vielleicht gerne etwas dunkler“, sagt Laege.

„Größere“ Bands

Mit der Unterstützung der Frankenberger Zeitung traute sich Laege Ende der 90er-Jahre, immer „größere“ Bands nach Frankenberg zu holen. Höhepunkt war zweifelsohne das Engagement der Gruppe „Bell, Book and Candle“. Als Laege die Band gebucht hatte, war sie noch relativ unbekannt. Doch kurz vor dem Konzert in Frankenberg stieg die Single „Rescue me“ in den Charts immer weiter nach oben. Laege verlegte das Konzert wegen der riesigen Nachfrage in die Ederberglandhalle.

Etliche weitere klangvolle Namen hat das „Havanna“ immer zusammen mit der FZ in die Stadt geholt: Zum Beispiel Carol Dekker und die Band „T’ Pau“, die „Lemonbabies“, oder „The Herbs“. Legendär ist ein Konzert der Sängerin Anne Haigis geworden. Nach ihrem Auftritt im „Havanna“ hat sie sich an der Theke noch stundenlang mit Gästen „festgequatscht“. Bis in den frühen Morgen haben die Besucher und die Künstlerin nicht nur über Musik gesprochen, sondern auch viele Songs angestimmt.

„Ich hatte immer Ideen – und habe sie auch umgesetzt“, blickt Torsten Laege zurück und erinnert sich an die beiden Festivals, die er, wiederum unterstützt von der Frankenberger Zeitung, auf dem Burgberg organisiert hat. In den Jahren 1999 und 2000 brachte er die Frankenberger so in den Genuss von Auftritten hochkarätiger Künstler. Dazu zählten unter anderem „Till und Obel“, die „Brings“, „Paddy goes to Holyhead“ oder auch „DJ Ötzi“.

Je größer die Namen, desto größer wurde für Laege allerdings auch das unternehmerische Risiko. Mit Beginn des neuen Jahrtausends besann sich der Wirt wieder mehr auf lokale Bands. Alles, was in der Frankenberger Musikszene bis heute Rang und Namen hat, stand im „Havanna“ auf der Bühne.

In den letzten Jahren „lief“ das „Havanna“ dann auch weitestgehend ohne Livemusik, nur noch zum Jahresende gab es Konzerte in dem Club. Zum Schluss soll es jetzt „noch mal richtig abgehen“, kündigt Laege an. An jedem der nächsten Wochenenden sind Konzerte geplant.

Vor allen Dingen vor, an und nach Weihnachten ist das „Havanna“ die zentrale Anlaufstelle für viele (ehemalige) Frankenberger. Die Kneipe war seit jeher der Treffpunkt der Edertalschüler. Generationen von Abiturienten haben dort ihre Freizeit verbracht. Wer nach dem Abitur die Stadt verlassen hat, ist bei einem Besuch in Frankenberg nicht ohne einen Besuch im „Havanna“ wieder fortgefahren.

So wie sich viele (ehemalige) Stammgäste mit Wehmut an die Abende im „Havanna“ erinnern werden, fällt es Wirt Torsten Laege schon jetzt schwer, an das Ende zu denken. „Das Havanna ist ein Teil von mir“, sagt er. Es werde wehtun, den Laden zum letzten Mal zu öffnen. Doch der Entschluss stehe.

Mindestens einmal im Jahr wird Laege allerdings Wirt bleiben: Seinen Stand auf dem Frankenberger Pfingstmarkt werde er auf jeden Fall weiter betreiben. Der heißt dann künftig vielleicht nicht mehr „Havanna“. Doch hinter der Theke steht nach wie vor „der Lange“.

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