Kreisschützentag in Ernsthausen

Geld sparen oder solidarisch bleiben?

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Der Vorstand des Schützenkreises mit den verabschiedeten Dirk Küchler (links) und Helmut Lind (rechts); Jürgen Binzer, Herbert Ochse, Martin Althaus, Stefan Sommer, Wilhelm Winter, Monika Vöhl, Wilfried Tripp, Reiner Etzel, Christian Rink (v. links).

Burgwald-Ernsthausen - Mit bewährtem Team und zwei "Neuzugängen", aber ohne den wichtigsten Vorstandsarbeiter geht der viertgrößte Sportverband des Kreises in die Zukunft. Größere Sorgen bereiten den Frankenberger Schützen aber die ständigen Vorgaben von oben.

Jürgen Binzer bleibt für vier weitere Jahre Kreisschützenmeister. Der Reddighäuser wurde von den rund 60 Delegierten beim Kreisschützentag am Freitag im Ernsthäuser DGH erneut ins Amt des Kreisvorsitzenden gewählt. Neben ihm bleibt Martin Althaus aus Bottendorf Stellvertreter; er erhielt wie Binzer zwei Gegenstimmen, aber das breite Vertrauen der Vereinsvertreter.

Ein Großteil des Vorstandsteam setzt seine Arbeit im 3200 Mitglieder zählenden Schützenkreis fort und wurde einstimmig gewählt (siehe Bericht unten).

Der wohl wichtigste Posten bleibt vakant. Sportleiter Helmut Lind, der wie Jugendleiterin Monika Vöhl auf zahlreiche Erfolge der heimischen Aktiven im vergangenen Halbjahr zurückblickte, hatte bereits im Frühjahr angekündigt, nach mehr als zehn Jahren nicht mehr zu kandidieren - wie der scheidende stellvertretende Jugendleiter Dirk Küchler erhielt er als Dank einen Präsentkorb. Ein Nachfolger fand sich im Vorfeld und auch am Freitag nicht, sodass die umfangreiche Arbeit - vor allem Organisation und Abwicklung der Meisterschaften und des Ligabetriebs - von Stellvertreter Reiner Etzel auf mehrere Schultern verteilt werden muss.

„Perspektivisch arbeiten“

Spontan als Wahlhelfer fungiert hatte Reinhard Kahl, der letztmals als Landtagsabgeordneter den Schützentag besuchte. „Ich habe mich immer sehr wohl gefühlt bei Euch“, sagte Kahl, der mit den flüssigen Wahlen ebenso wie Helmut Engel die Hoffnung verband, dass der Schützenkreis Frankenberg weiterhin vorbildliche Arbeit leistet. „Ich wünsche mir aber auch, dass der Vorstand noch perspektivischer arbeitet, um den Vereinen bei Problemen zur Seite zu stehen“, sagte Engel, der als Wahlleiter fungierte.

Der Ehrenkreisschützenmeister machte wenig später auch deutlich, welche Probleme dies sein können. Engel ergriff das Wort in Sachen Verbandsbeiträge. Diesbezüglich kommt einiges zu auf die Schützen. Der Hessische Schützenverband (HSV) erhöht im kommenden Jahr die Abgaben der Vereine um einen Euro pro Mitglied, der Deutsche Schützenbund hat Ähnliches ebenfalls bereits angekündigt. Vom Landessportbund wird eine Erhöhung ebenfalls erwartet. Bereits jetzt im Herbst müssen die Sportschützen damit leben, dass die Gebühr für einen Wettkampfpass um 200 Prozent erhöht wurde. „Schon jetzt bezahlen wir pro Mitglied 13,30 Euro an den HSV. Eine Gegenleistung bekommen wir für die Erhöhung aber keine“, sagte Engel.

Der Kreisvorstand müsse beim Verband Stellung beziehen und verdeutlichen, welche Folgen die ständigen Erhöhungen haben könnten. „Viele Vereine denken darüber nach, künftig nur noch aktive Schützen zu melden. Das kann man verstehen, allerdings verletzt es das Solidarprinzip“, so Engel. Hintergrund: Ein Verein kann passive Mitglieder, die nicht am Sportbetrieb teilnehmen, relativ folgenlos nicht mehr dem Verband melden, um Beiträge zu sparen. Bei vielen Vereinen würde dies mehr als die Hälfte der Mitglieder betreffen. Ein Trend zu dieser Lösung ist bereits zu erkennen.

Immer weniger Teams

Dabei sind die „Personalsorgen“ ohnehin schon größer geworden. Nur noch 35 Mannschaften nehmen an den Luftgewehr-Rundenwettkämpfen im Ligabetrieb teil, berichtete Lind. „Als ich anfing als Sportleiter, waren es noch fast 60.“

Ein teurer Spaß könnte bald auch die Ausrichtung eines Königsschießens unter freiem Himmel werden. Die gesetzlichen Vorschriften für die Genehmigung sogenannter nicht ständiger Schießstätten haben sich verändert und unter anderem zur Folge, dass die Vereine für ihr Vogelschießen einen Kugelfang errichten müssen. Kosten bis zu 2000 Euro für die Spezialausstattung sind wahrscheinlich. Der Kreisvorstand denkt darüber nach, einen solchen Kugelfang anzufertigen, den sich Vereine dann ausleihen können.

Einer persönlichen Stellungnahme entzog sich der Verband. War es sonst bei Neuwahlen üblich, so erschien diesmal kein Präsidiumsmitglied zum Schützentag. Die am 19. August versandte Einladung sei nach Angaben des Verbandes dort nie eingegangen, teilte Kreisschützenmeister Binzer mit.

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