Urteil nach der Horror-Busfahrt von Battenberg

Geldstrafe für betrunkenen Busfahrer - Video

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Frankenberg - Zwei verletzte Kinder, zwei beschädigte Autos, zwei umgeknickte Laternen und ein zerstörter Zaun: Das war das Ergebnis der Irrfahrt eines alkoholisierten Busfahrers im September in Battenberg. Der Mann wurde gestern zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt.

Als das zwölfjährige Mädchen im Raum 209 des Frankenberger Amtsgerichtes die Ereignisse vom 10. September 2013 schildert, vergräbt der Angeklagte das Gesicht tief in seinen Händen. „Ich habe Scheiße gebaut“, sagt der 63-jährige Mann. Er gesteht die ihm vorgeworfenen Taten – er gibt allerdings an, sich an kaum etwas erinnern zu können.

Die Bilder von der Schulbusfahrt dürften viele Battenberger noch deutlich vor Augen haben. Um zehn Uhr war an diesem Dienstag allerdings noch nicht abzusehen, was sich etwa fünf Stunden später ereignen würde. Der Busfahrer gibt vor Gericht an, zur Pause nach Hatzfeld gefahren zu sein. Dort habe er einen Anruf erhalten. Sein in Russland lebender Bruder sei erschlagen worden. Später erfährt er, dass es ein Überfall war – aber kein tödlicher. Nach dem Schock sei er in ein Geschäft gegangen und habe sich eine Flasche Rum gekauft und getrunken. Ab dann fehle ihm die Erinnerung.

Dabei helfen ihm gestern allerdings die Zeugen auf die Sprünge – und anhand der Aussagen wird deutlich, dass die Unfallserie noch glimpflich ausgegangen ist. Eine Frau berichtet, gegen halb eins hinter dem Bus gefahren zu sein. Dieser sei in leichten Schlangenlinien mal langsam, mal schnell gefahren. Die Frau ruft beim Busunternehmen an, erreicht aber niemanden.

Als der Busfahrer an der Battenberger Gesamtschule ankommt, schläft er eine Runde. Die Bluttests ergeben später, dass er zu diesem Zeitpunkt mindestens 2,75 Promille im Blut gehabt haben muss. Als die Schüler gegen 15.30 Uhr an der Scheibe klopfen, wird er wach. Dann nimmt das Unheil seinen Lauf.

„Wir sind beinahe eine Böschung heruntergefahren, über die Schwellen ist er ohne zu Bremsen gefahren“, erinnert sich das Mädchen. Das nahmen die meisten der rund 30 Schüler zum Anlass, den Bus zu verlassen. Das Mädchen und ein elfjähriger Junge bleiben sitzen. In der Folge rammt der Busfahrer zunächst ein parkendes Auto an der Fahrerseite. Die darin sitzende Frau, ebenfalls als Zeugin im Gericht, wollte eigentlich gerade aussteigen. Dann schiebt der Bus ein Auto vor sich her. Aus diesem war ein Mann kurze Zeit zuvor ausgestiegen. Schließlich steuert der Mann den Bus gegen einen Zaun und zwei Laternen. Erst dann hält er an. Der Schaden beträgt ohne den Bus über 15 000 Euro.

In Tränen ausgebrochen

Von all dem weiß die zwölfjährige Zeugin nichts mehr. Sie hat ein Schleudertrauma erlitten. Auch der elfjährige Schüler spricht kaum über das Geschehene. Seine Mutter erklärt, er sei abends nach dem Unfall in Tränen ausgebrochen. Wegen eines Schocks befand er sich in ärztlicher Behandlung.

Eine Erklärung für all das hat der Angeklagte nicht wirklich. Ein Alkoholproblem habe er jedenfalls nicht: „Ich trinke sonst nur an Feiertagen.“ Das glaubt ihm der Rechtsmediziner nicht. Einige Tage nach dem Unfall kommt der 63-Jährige wegen eines Sturzes ins Krankenhaus. Bei den Untersuchungen werden unter anderem erhöhte Leberwerte festgestellt. Und die Tatsache, dass er mit 2,75 Promille noch habe reflektieren können – er steuerte den Bus, fuhr die richtige Strecke, gab gegenüber den Polizisten an, einen Fehler gemacht zu haben – spreche für regelmäßigen Alkoholkonsum. Für andere Menschen bestehe bei solch einem Wert Lebensgefahr. Auch das Leugnen der Krankheit sei eine Form des Alkoholismus.

Und somit stuft der Sachverständige den Angeklagten als vermindert schuldfähig, aber nicht schuldunfähig ein. Das ist einer der Gründe, warum sich die Vorsitzende Richterin Andrea Hülshorst mit ihrem Urteil dem Vorschlag der Staatsanwältin anschließt. Der 63-Jährige muss insgesamt 1350 Euro Geldstrafe zahlen, die Fahrerlaubnis wird ihm für weitere zehn Monate entzogen – für Straßenverkehrsgefährdung, fahrlässige Körperverletzung, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort und vorsätzliche Trunkenheit im Straßenverkehr. „Sie haben ein Heidenglück gehabt, dass nicht mehr Menschen verletzt worden sind“, sagt Andrea Hülshorst.

Dass er jemals wieder hinter dem Steuer sitzt, ist für die Richterin nur schwer vorstellbar. Dafür müsse er eine medizinisch-psychologische Untersuchung machen. Dort wird auch auf die Leberwerte geachtet. Die Richterin empfiehlt dem Angeklagten, sich in ärztliche Behandlung zu begeben. Mildernd auf die laut Andrea Hülshorst „moderate Strafe“ wirkt sich zudem aus, dass der Mann in Deutschland, wo er seit zwölf Jahren lebt, strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten ist. Die Geldstrafe richtet sich nach seinem Einkommen als Hartz-IV-Empfänger. „Er steht zu dem, was er getan hat. Es gibt nichts zu beschönigen“, sagt der Verteidiger des Angeklagten, der mit dem Urteil zufrieden ist. (tt)

So berichtete WLZ-FZ von dem Geschehen: http://www.wlz-fz.de/Lokales/Blaulicht/VIDEO-Schulkinder-entgehen-Katastrophe

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