Frankenberg: Automatenbetrug in vier Spielotheken

Geldstrafen, Vertagungen und ein TV-Anwalt

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Marburg - Mehrere Spielautomaten in Frankenberg und in anderen deutschen Städten sollen zwei Dortmunder manipuliert haben. Zwei ihrer Handlanger sind gestern zu Geldstrafen verurteilt worden.

Mit einem einfachen Trick hat ein 40-jähriger Dortmunder mit verschiedenen Komplizen in mehreren deutschen Städten Spielautomaten manipuliert. Gleich vier Spielotheken sollen er, ein 33-jähriger Dortmunder und ein 48-Jähriger aus Meschede in Frankenberg um fast 10.000 Euro erleichtert haben. Zu dritt haben sie den vier Spielhallen am 14. April 2008 nacheinander einen Besuch abgestattet. Mit einem heißen Metallstab sollen sie laut Anklageschrift ein Loch unterhalb des Geldschlitzes gebohrt haben, durch das sie dann mit einem Draht die Elektronik der Automaten manipuliert haben sollen. Die Spielhallenaufseher soll einer der Angeklagten abgelenkt und immer wieder Getränke oder Zigaretten holen geschickt haben.

In der selben Nacht verschlug es das Trio auch noch nach Korbach. Dort erbeuteten sie jedoch kein Geld, da der manipulierte Automat leer war und die Aufseherin sich weigerte, ihn aufzufüllen.

Wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs hatten die drei sich gestern vor dem Marburger Landgericht zu verantworten. Dabei scheint der Automatenbetrug in Frankenberg und Korbach nicht der einzige auf dem Kerbholz der beiden Dortmunder Angeklagten zu sein: Die Staatsanwaltschaft in Marburg verlas auch Anklageschriften ihrer „Kollegen“ aus Halle und Hagen. Dort sollen die beiden Dachdecker aus Dortmund ebenfalls im Jahr 2008 in verschiedenen Spielotheken mit der gleichen Masche mehr als 8000 Euro erbeutet haben. In Augsburg war der 40-Jährige 2008 zudem mit einem 28-jährigen Münchner unterwegs. Dort soll der Dachdecker gemeinsam mit dem Gartenbauer mindestens 205 Euro mit dem Automatenbetrug ergaunert haben.

Nach mehreren „verfahrensvereinfachenden Gesprächen“ zwischen der Staatsanwaltschaft, den Anwälten der vier Angeklagten und dem Gericht trennte der Vorsitzende Richter Dr. Carsten Paul die Verfahren ab und verhandelte zunächst die „Handlangerdienste“ des Müncheners und des 48-Jährigen aus Meschede. Der Münchener ließ über seinen Anwalt erklären, dass er an dem Betrug in Augsburg beteiligt war – er räumte jedoch nur seinen eigenen Tatbeitrag ein und vermied es, den mitangeklagten Dortmunder zu belasten. Vor zwei Jahren habe der Münchener bereits einen Monat in Untersuchungshaft gesessen und sei seitdem nicht mehr straffällig geworden. „Das war ein Schuss vor den Bug“, sagte der Anwalt.

Wie aus dem Vorstrafenregister hervor geht, war der Angeklagte aber danach noch als Computerbetrüger unterwegs – unter Computerbetrug fällt auch die Manipulation von ?Spielautomaten. Zehn Monate auf Bewährung habe er laut Paul im vergangenen Jahr bekommen, ein weiteres Verfahren befinde sich derzeit in Berufung. „Zum Tatzeitpunkt waren Sie kaum einschlägig bestraft und die Beute war nicht übermäßig hoch“, sagte der Richter. Er verurteilte den Münchener zu einer Geldstrafe von 1800 Euro.

4500 Euro wegen Beihilfe zum Computerbetrug muss der Mann aus Meschede zahlen. Er ließ über seinen Anwalt erklären, dass er „an diesem Tag unter die falschen Leute“ geraten sei und die Tragweite nicht habe überschauen können. Erst am Tattag habe er die beiden Dortmunder in einer Frankenberger Spielhalle kennen gelernt. Für 200 Euro habe er sie im Ort in weitere Spielotheken geführt. „Ich habe einen Fehler gemacht“, sagte der Angeklagte, der sich selbst als spielsüchtig bezeichnete.

Nachdem die beiden „Handlanger“ verurteilt waren, nahm Paul auch die Verhandlung gegen die beiden Dortmunder wieder auf. Nach einer weiteren Absprache mit Anwälten und Staatsanwaltschaft vertagte er schließlich die Verhandlung auf den 2. Mai. Im Fernsehen sonst der Staatsanwalt in der Gerichtssendung „Richter Alexander Hold“, saß der Münchner Anwalt Sewarion Kirkitadse gestern als Verteidiger des 40-jährigen Dortmunders im Marburger Amtsgericht. Er stellte in Aussicht, dass sich sein Mandant bei dem Fortsetzungstermin zu den Anklagevorwürfen äußert. Der Anwalt des 33-jährigen Dachdeckers hingegen sagte, dass sein Mandant sämtliche Taten einräumt. Der Mittäter aus Meschede sei aber kein Komplize gewesen und in keine Absprachen mit den Dortmundern eingeweiht gewesen. Daher sei es kein – wie angeklagt – Bandenbetrug. Wegen krankhafter Spielsucht sei sein Mandant allerdings erheblich vermindert schuldfähig.

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