Edertalschule inszeniert „Die Pest“ nach Albert Camus

Gelungene Premiere der Theater-AG

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In Lack und Leder und mit blutroten Lippen: Die Pest (Lena Adel, rechts) und ihre Sekretärin (Johanna Krüger).

Frankenberg - Welche Macht hat ein Einzelner? Was ist wichtiger: das eigene Glück oder das Wohl des Kollektivs? Welche Folgen hat es, wenn ein politisches System aus Angst nicht in Frage gestellt wird? Mit diesen Fragen befassen sich die Darsteller der Theater-AG in ihrer aktuellen Produktion, die am Dienstag Premiere feierte.

Eben noch haben die Bürger der südspanischen Stadt Cádiz sorgenfrei ihr Leben gelebt, haben dem Meer gelauscht und gut gelaunt einer fröhlichen Gauklertruppe zugesehen. Doch dann kommen die Pest und der Tod in die Stadt, beide in Gestalt von Frauen.

Dass die Pest (Lena Adel) und ihre Sekretärin (Johanna Krüger) nichts mit den Menschen von Cádiz zu tun haben, wird schon auf den ersten Blick deutlich: Die unschuldigen Weiß- und Cremetöne, die die barfüßigen Menschen tragen, stehen im krassen Gegensatz zu den schwarzen und roten Lackkostümen und Schuhen der beiden Frauen, die die Macht an sich reißen - oder eher, sie sich geben lassen. Denn die bisherige Regierung tauscht diese nur allzu bereitwillig gegen das Versprechen ein, dass sie selbst von der Pest verschont bleibt.

Nada (spanisch: „Nichts“, gespielt von Darja Fuhrmann) hat schon zuvor jene Mitbürger gewarnt, „deren Herzen verderbt sind“. Sie wirft damit eine Frage auf, mit der sich später auch das Liebespaar Victoria (Suna Knell) und Diego (Nils Funke) konfrontiert sieht: Hat jemand, der reinen Herzens ist, bessere Chancen?

Am Ende hängt alles von Diego ab: Er muss sich entscheiden zwischen seiner großen Liebe und dem Schicksal seiner Stadt. Er ist das Sandkorn im Getriebe, durch das „die Maschine nicht mehr rund läuft“. Doch um sie vollends zu stoppen, braucht es mehr als einen Einzelnen.

Weitere Aufführungen sind am Freitag, 3., Samstag, 4. und am Sonntag, 5. Mai, jeweils ab 20 Uhr im Dampfmaschinenmuseum. Karten gibt es zu 9, ermäßigt 5 Euro in der Buchhandlung Jakobi und im Lädchen gegenüber der Edertalschule.

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Donnerstagausgabe der Frankenberger Zeitung.

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