Bromskirchen und Allendorf besiegeln die Zusammenlegung ihrer Verwaltungen

Gemeinden wagen historischen Schritt

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Besiegelten die erste Verwaltungsgemeinschaft Hessens (von links): aus Allendorf der Erste Beigeordnete Kurt Kramer, Parlamentschef Norbert Bötzel und Bürgermeister Claus Junghenn sowie die Bromskirchener Kollegen um Bürgermeister Karl-Friedrich Frese, der Vorsitzende der Gemeindevertretung Wolfgang Wichmann und der Erste Beigeordnete Wolfgang Kreis.Foto: Treude

Allendorf (Eder) - Die erste Verwaltungsgemeinschaft in Hessen soll im Oberen Edertal entstehen. Das beschlossen am Mittwochabend die Gemeindevertreter aus Bromskirchen und Allendorf während der gemeinsamen Sitzung. Startpunkt soll der 1. Januar 2015 sein.

Historisch und denkwürdig - das waren die Begriffe des Abends. Und auch wenn sie pathetisch klingen mögen, so hatten diese Worte in den Reden der Parlamentarier am Mittwochabend ihre Berechtigung. Die Mitglieder der Gemeindevertretungen aus Bromskirchen und Allendorf haben sich für etwas hessenweit bislang Einmaliges entschieden: Die Verwaltungen sollen komplett zusammengeführt werden, am 1. Januar 2015 wird die Verwaltungsgemeinschaft Allendorf-(Eder-)Bromskirchen ihre Arbeit offiziell aufnehmen.

Und diese Entscheidung wird von einer breiten Mehrheit getragen. 37 Gemeindevertreter, davon 26 aus Allendorf und elf aus Bromskirchen, stimmten für die Gründung; Jürgen Kubitzek von der Allendorfer Bürgerliste Ortsteile enthielt sich.

Keine bunte Landkarte mehr

Für die Bürgermeister Claus Junghenn und Karl-Friedrich Frese geht es nun in die Detailarbeit. Welche Aufgaben werden in Allendorf erledigt? Welche Funktion übernimmt der Standort Bromskirchen? Dort soll eine Art Bürgerbüro entstehen, so dass die Einwohner selbst nur wenig von den Veränderungen mitbekommen.

Mit diesen speziellen Fragen haben sich die beiden Rathauschefs auch im Vorfeld der Sitzung schon beschäftigt. Frese nannte den Parlamentariern kleine Einsparpotenziale. So kostete zum Beispiel die Programmpflege der Datenverarbeitung zuletzt beide Gemeinden zusammen 4000 Euro, als gemeinsamer Kunde soll der Betrag auf 2500 Euro sinken. Und so sollen sich viele kleine Beträge zum großen Ganzen formieren - unter anderem würden Gespräche mit dem Amt für Bodenmanagement und dem Rechenzentrum „Ekom21“ laufen. Langfristig soll auch beim Personal gespart werden - entlassen wird aber niemand.

„Chemie stimmt einfach“

Frese wies noch einmal auf die Notwendigkeit der Zusammenarbeit hin: „Ich bin überzeugt davon, dass die bunte Landkarte Hessens in zehn Jahren nicht mehr so aussehen wird.“ Soll heißen: Das Land wird früher oder später Kommunen eventuell zur Zusammenarbeit zwingen. Allendorf und Bromskirchen sind dann bereits einen Schritt voraus - um so die kommunale Selbstverwaltung zu erhalten.

Claus Junghenn sprach von einer historischen Sitzung. Der erste Vermerk in der Akte „Verwaltungsgemeinschaft“ datiere vom 5. März 2013. Damals waren die Bürgermeister zu Gesprächen mit Vertretern des Hessischen Innenministeriums in Wiesbaden. Mit der Idee der Verwaltungsgemeinschaft im Gepäck für den Rückweg sei von da an schnell und effizient gearbeitet worden. Probleme und Ängste aus der Bevölkerung hätten beseitigt werden können. „Es ist ein Weg, den jeder ruhigen Gewissens mitgehen kann. Die Chemie stimmt einfach.“

Das sahen auch die Gemeindevertreter so. Allendorfs Parlamentschef Norbert Bötzel forderte, das Schicksal der Gemeinden mit der Entscheidung positiv zu beeinflussen. Ein Neuanfang brauche Mut.

Klaus Hofmann, Vorsitzender der Allendorfer SPD-Fraktion, kündigte an, die Arbeit der Verwaltungsgemeinschaft genau zu beobachten: „Wir legen Wert darauf, dass ein nachhaltiger Schuldenabbau weiterverfolgt wird.“ Es sei eine Chance, vielerorts Kosten zu senken, und eine der wichtigsten Entscheidungen, die die Gemeindevertreter bislang getroffen hätten. Er hofft, dass zum Mist des Kleinviehs noch viel vom Großvieh hinzukommt. Die Erfolge müssten später sichtbar sein.

Geräuschlos wie ein Bach

Erhard Pauly von den Allendorfer Liberalen zog einen metaphorischen Vergleich heran. Schließlich würde die Linspher Allendorf und Bromskirchen schon immer verbinden. Das Vorhaben solle nun so geräuschfrei durch die Gemeinden ziehen wie der Bach.

Günter Pez von der Bürgerliste Ortsteile aus Allendorf freute sich über die weitsichtige Entscheidung. Das zeige den Mut zur Veränderung in beiden Gemeinden. Er machte sich zudem für eine Ausdehnung der Verwaltungsgemeinschaft auf Hatzfeld und Battenberg stark. Frese und Junghenn hatten im Vorfeld der Gründung klargemacht, dass die Verwaltungsgemeinschaft offen für weitere Gemeinden sei.

Einen Vergleich zur am Sonntag stattfindenden Europawahl zog Holger Christ von der Bürgerliste Somplar. Wenn es möglich sei, dass Bürger über ein solch großes Parlament abstimmen und verschiedene Nationen zusammenarbeiten würden, dann sollte das auch in Bromskirchen und Allendorf gelingen. (tt)

Ein Kommentar von FZ-Redakteur Tobias Treude:

Häufig werden Politiker kritisiert, nun gebührt den beiden Bürgermeistern Lob für die Vorbereitung und Gründung der Verwaltungsgemeinschaft Allendorf-(Eder-)Bromskirchen. Das gilt auch für die Gemeindevertreter, die mit der fast einstimmigen Entscheidung Mut und Fortschrittsdenken bewiesen haben. Eine eigene Verwaltung für eine Gemeinde mit weniger als 2000 Einwohnern ist bei all den Sparzwängen und finanziellen Belastungen nicht zeitgemäß.Nun müssen sich Claus Junghenn und Karl-Friedrich Frese an ihren Worten messen lassen. Denn die Abstimmung war nur der erste Schritt. Die Bürger sollen von den Veränderungen nicht viel mitbekommen, die Identität der Gemeinden soll gewahrt werden, und die Einsparungen sollen langfristig groß sein. Ob das alles gelingt, wird später über den Erfolg des Pilotprojektes entscheiden.

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