FZ-Serie zur Orchesterklasse der Edertalschule: Dreitägige Probenfreizeit als Vorbereitung aufs Konzert

Gemeinschaft wächst beim Musizieren

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Frankenberg - Ein Besuch bei den Orchesterklassen der Edertalschule ist überraschend wie das berühmte Ei für Kinder: Hinter der Tür zum Übungsraum finden sich musikalisches Spiel und Spaß. Und so süß, wie manche Fünft- und Sechstklässler in ihren Plüschpantoffeln auch sein mögen – sie stecken voller Überraschungen.

Gemeinsam sind die beiden Orchesterklassen mit ihren Orchesterleitern Gertrud Will und Martin J. Fischer sowie den Klassenlehrerinnen Walburga Lange und Ingrid Obermann zur traditionellen Probenfreizeit an den Edersee gefahren, um das bevorstehende Adventsvorspiel vorzubereiten. Für die Orchesterklasse fünf bedeutet dies den ersten öffentlichen Auftritt, während die Sechstklässler ein Ausbildungsjahr weiter sind und schon ganz andere „Probleme“ haben als die Anfänger.

Alle stürzen begierig 
sich auf die Noten

„Wir haben einen Saitenwechsel bei den Achteln, das kriege ich nie hin!“, sagt eine Geigerin. Martin Fischer hat an diesem Morgen die Noten für ein neues Stück ausgeteilt. „‚Joy to the World‘ von Händel ist ein britisches Weihnachtslied“, sagt Fischer, doch das geht völlig unter. Alle stürzen sich begierig auf die neuen Noten, ein wildes Durcheinander entsteht. Doch dann haben sich alle beruhigt und die konzentrierte Probe kann beginnen. Eine halbe Stunde später klingt es so, als hätten die Kinder nie etwas anderes gespielt – erstaunlich, wie sich die Gruppe in ihrem zweiten Orchesterklassenjahr entwickelt hat.

Eine Tür weiter verbirgt sich schon die nächste Überraschung: Gertrud Will probt mit dem jüngsten Orchesterklassen-Nachwuchs „Stille, stille, kein Geräusch gemacht“. Da gibt es Geigerinnen, die während des Spielens das Lied sogar mitsingen können. Die drei Klarinetten hingegen haben in ihrem Zimmer in der Pause ihre Begleitstimme so umgeändert, dass sie sie dreistimmig spielen können und tragen dies der ganzen Gruppe vor.

Die Fagottspieler kommen kaum an die untersten Klappen heran und üben doch wie alle konzentriert und willig auch fünf Mal denselben Takt. Gertrud Will staunt.

Zwischendurch gibt es Lockerungsübungen für die Schultern und Arme. Denn die 21 Kinder der Klasse 5e sind das lange Proben noch nicht gewohnt, manche sind etwas verspannt. Und sie haben bereits eine beachtliche Klassengemeinschaft entwickelt: Selbst beim kleinsten Heimweh in der ersten Nacht stehen sie zueinander und sind füreinander da – die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Ausbildung.

Die Arrangements, die die Orchesterklassen spielen, stammen von Martin Fischer und Gertrud Will. „Es gibt für Anfänger in symphonischer Besetzung keine 
Noten.“

Die Jüngeren lernen
 von den Älteren

„Durch den jährlichen Wechsel der Besetzungen der einzelnen Orchesterklasseninstrumente, durch unterschiedlich schnelle Entwicklung und daraus resultierenden Bedarf an unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden werden die Noten einfach an das Können der Kinder angepasst“, erläutern die beiden Lehrer. Selbst während des Probens können so noch Töne geändert werden, damit sie spielbar werden.

Auch die beiden Klassenlehrerinnen sind überrascht. „Die Kinder sind gewissenhaft, sind ernsthaft bei der Sache und nutzen die Gelegenheit, sich zurückzuziehen, um selbst in der Freizeit ein wenig für sich zu üben.“ So eine Probenfreizeit ist wertvoll – vor allem, weil die Orchesterklassen jeweils nur eine Stunde pro Woche zusammen proben und somit in den drei Tagen rund 20 zusätzliche Proben geleistet werden.

Ein weiterer positiver Effekt der gemeinsamen Fahrt: Zwischendurch helfen sich die beiden Gruppen untereinander, sei es, dass die erfahreneren Hörner mit den jüngeren proben oder Martin Fischer den Posaunen der Fünftklässler Hilfestellung gibt. Neben einer obligatorischen Wanderung stehen immer ein Spiele- und Filmabend und auch viel Freizeit auf dem Programm – Zeit zum Kennenlernen und Spaßhaben.

Und dann spielen die 23 Mädchen und Jungen der 6d noch „Lascia ch‘io pianga“ aus Händels Oper „Rinaldo“. Die Melodie versetzt den Zuhörer augenblicklich in rührige Weihnachtsstimmung und Vorfreude auf das anstehende Adventskonzert.

Von Dorothea Wagener

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