Gemünden

Gemünden ist seine Heimat geblieben

- Gemünden (hen). Pater Markus vom Franziskaner-Orden lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Brasilien. Bei seinem Besuch in Gemünden hat er von seinen Erfahrungen berichtet und über das Leben, die Religion und die Arbeit in Brasilien gesprochen.

Als Günter Hollmann wird Pater Markus am 20. November 1943 in Niederhof im Sudetenland geboren. Durch die Vertreibung der Deutschen kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gelangte er nach Gemünden, wo er seine Kindheit und Jugend verbrachte. Auch heute noch bezeichnet er Gemünden als seine Heimat. Zu Beginn der 1960er-Jahre entschied sich Pater Markus, „Franziskaner zu werden“ – denn die Ideale von Franz von Assisi hatten ihn überzeugt und „begeistert“: Mithilfe der grenzenlosen Liebe Gottes und der Kraft des christlichen Glaubens wollte auch er Armen helfen und den Menschen stets in Liebe und Demut begegnen. Sein Weg führte ihn zunächst zum Missionskolleg der Franziskaner nach Eupen in Belgien, wo er eine Vorbereitung „für junge Leute, die in Brasilien Priester werden wollten“ absolvierte. Im Jahr 1963 reiste er das erste Mal nach Brasilien, studierte dort Philosophie und Theologie und lernte Portugiesisch. In den brasilianischen Städten Rio de Janeiro, Ipanema und Sao Paolo sowie in der Region Südbrasilien arbeitete Pater Markus seitdem als Seelsorger in den „Elendsvierteln“. Er verteilte Lebensmittel an die Bedürftigen und unterstützte Jugendliche, dass sie zur Schule gehen und studieren konnten. Sein Leitsatz sei immer gewesen, „einfach auf die Menschen zugehen“ – denn Gott verstehe jeden Einzelnen und diese Gewissheit mache es erst möglich, anderen Menschen zu helfen. Durch die Gespräche von „Mensch zu Mensch“ habe er „Freud und Leid in der Tiefe kennengelernt“, erklärte Pater Markus. Verbindung zu Deutschland Auch wenn er viele Jahre seines Lebens in Brasilien verbracht hat, fühlte und fühlt sich Pater Markus mit Deutschland verbunden: Am 13. Dezember 1969 wurde er auf eigenen Wunsch in der katholischen Kirche in Gemünden zum Priester geweiht, durch Bischof Eduard Strick aus Fulda. In den Jahren zwischen 1983 und 2004 lebte Pater Markus erneut in Deutschland. Er betreute und sorgte für ältere Mitbrüder des Franziskaner-Ordens in Xanten, die in Brasilien gelebt und gearbeitet hatten. Seit 2004 lebt Pater Markus wieder in Brasilien und kümmert sich seit 2005 um die Großstadt- und Krankenhausseelsorge in Sao Paolo. Neben seiner Arbeit pflege er auch den Kontakt und die Freundschaft zu den deutschen Konsulaten und den deutschen Firmen wie Siemens oder Volkswagen in Brasilien, gibt Pater Markus auf Nachfrage mit einem Lächeln zu. Nach einem kurzen Rückblick auf sein Leben und seine Tätigkeiten waren die Gemeindemitglieder an der Reihe und stellten Fragen an den Franziskaner. Die Fragen reichten von der Arbeit, der Religion und dem Alltag bis hin zur bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. 300 bis 350 Menschen kämen jeden Morgen in das Kloster, um sich ihr Armenbrot abzuholen, und täglich fänden sieben Gottesdienste statt, erzählte Pater Markus aus seinem Alltag. Auch wenn das für deutsche Verhältnisse sehr viel sei und die Brasilianer immer noch nach Gott suchten, hätten auch die Gottesdienstbesuche in Brasilien in den vergangenen Jahren abgenommen. Insgesamt beschreibt er die Brasilianer als „offen“, das Zusammenleben der Menschen aus verschiedenen Kulturen verlaufe ohne große Schwierigkeiten. In geselliger Runde und einer fröhlichen Stimmung unter Freunden und Bekannten habe er die Freude der Brasilianer über den Sieg der Deutschen über Argentinien im WM-Viertelfinale miterlebt – aber nicht wegen des deutschen Erfolgs, sondern wegen des Ausscheidens der Argentinier war die Freude der Brasilianer so groß. Auch wenn er größtenteils auf Portugiesisch träumt, ist Pater Markus im Herzen ein Deutscher geblieben und hält an seiner deutschen Staatsangehörigkeit und der deutschen Sprache fest. Pater Markus berichtete an diesem Abend auch von einem besonderen Ereignis und einer „großen Freude“ für ihn persönlich: In der vergangenen Woche konnte er für zwei Minuten im Rahmen einer „familiären Audienz“ mit Papst Benedikt XVI. sprechen. Die Erinnerungsfotos an diesen Moment übergab er stellvertretend für die gesamte katholische Kirchengemeinde in Gemünden an Pater Laurentius.

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