Hotel-Betriebsgesellschaft Battenberg will Personal und bewährtes Konzept der „Walkemühle“ übernehme

„In Gerhard Freitags Sinn weiterführen“

Ein in der weiten Region einzigartiges Ausflugslokal. Nach dem Tod von Gerhard Freitag hat die Familie die „Walkemühle“ der Hotel-Betriebsgesellschaft Battenberg zum Kauf angeboten. Die HBB sieht darin eine willkommene Erweiterung der bisherigen Angebote der Viessmann-Gesellschaft. Foto: pr

Frankenberg - Schweren Herzens trennt sich die Familie Freitag von der „Walkemühle“, die Gerhard Freitag mit großer Begeisterung aufgebaut hat. „Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen“, sagt Tochter Birgit, die das Ausflugslokal seit 2010 leitete. Doch nach dem Tod des Familienoberhaupts sehe sie sich nicht in der Lage, das Ausflugslokal weiterzubetreiben.

Gerüchte gab es schon seit Monaten, dass Viessmann die „Walkemühle“ übernehmen wolle. „Doch sie entbehrten jeglicher Grundlage“, stellt Manfred Greis klar. Diese Gerüchte seien vor allem für die Familie und für Gerhard Freitag persönlich „sehr belastend“ gewesen, kritisiert der Generalbevollmächtige von Viessmann. Dass die Hotel-Betriebsgesellschaft Battenberg (HBB) das beliebte Ausflugslokal jetzt doch gekauft hat, ist allein mit dem schweren Schicksalsschlag zu erklären, erläutert Greis.

Am 20. Juli starb der erfolgreiche Unternehmer völlig überraschend im Alter von 72 Jahren. Freitags Tochter Birgit, die das beliebte Ausflugslokal seit der Eröffnung 2010 leitete, sieht sich nach eigenen Angaben aus „gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage“, die stark frequentierte „Walkemühle“ weiter-zubetreiben. Allein aus diesem Grund habe sich die Familie „schweren Herzens“ entschieden, einen Investor zu suchen. Die Auflage: Es sollte jemand sein, „der bereit ist, das von Gerhard Freitag mit viel Herzblut in historischem Gemäuer geschaffene Objekt in seinem Sinne weiterzuentwickeln“. Die Familie Freitag traute dies der HBB in besonderem Maße zu.

„Spontan großes Interesse“

Die Hotel-Betriebsgesellschaft Battenberg (HBB) von Dr. Martin Viessmann betreibt auch alle weiteren gastronomischen Einrichtungen des Allendorfer Unternehmers: das Viessmann-Gästehaus in Battenberg, das Ausflugslokal „Alt Battenberg“ und das Hotel „Die Sonne Frankenberg“ mit den vielfältigen Angeboten. „Die Verhandlungen sind jetzt zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht worden“, sagt Geschäftsführer Gerhard Pohl. Angaben zur Kaufsumme macht die HBB nicht.

„Bei uns stieß das Verkaufsangebot der Familie Freitag spontan auf Interesse“, sagt Pohl. Der Grund: „Mit der räumlichen Kapazität der gastronomischen Qutlets im Hotel ,Die Sonne Frankenberg‘ stoßen wir zunehmend an Grenzen.“ Die „Walkemühle“ sei nicht nur eine willkommene Erweiterung, sondern biete auch erhebliche Synergiepotenziale, „die wir im Verbund mit dem ,Alt Frankenberg‘ und dem ,Alt Battenberg‘ nutzen können. Allein drei Betrieben gemein „ist ihr Charakter als typisch nordhessische bodenständige Lokale“.

Pohl bezeichnet die „Walkemühle“ als ein „wunderschönes Ausflugslokal in attraktiver Umgebung vor den Toren Frankenbergs, das der Bevölkerung unbedingt erhalten bleiben muss“. Als nicht zu unterschätzenden Vorzug des Gasthauses bewertet der HBB-Geschäftsführer seine gute Erreichbarkeit und die reichlich vorhandenen Parkplätze. Die „Walkemühle“ liegt an der Hauptausfahrtsstraße Frankenbergs in Richtung Norden, nah an der B252. Doch auch für Urlauber und Freizeitsportler ist das umgebaute landwirtschaftliche Anwesen ein Ziel. „Für Radfahrer bietet das Lokal eine attraktive Möglichkeit zur Rast, wenn sie auf dem Ederauen-Radweg unterwegs sind.“ Eine Konkurrenz im eigenen Haus sieht Manfred Greis in der „Walkemühle“nicht. Im Gegenteil: Die Entfernung zwischen Frankenberg und Battenberg sei ideal, damit Radfahrer hier wie dort eine Pause machen können, „auch wenn sie vorher den Anstieg nach Bat-tenberg bewältigen müssen“.

Ändern soll sich für die vielen Stammgäste und das Personal der „Walkemühle“ nichts. Offiziell übernimmt die HBB das Lokal zum 1. September. „Wir legen großen Wert auf Kontinuität. Der Betrieb läuft ohne Unterbrechung wie gewohnt weiter.“ In den nächsten Tage werde er Gespräche mit den fünf festangestellten Mitarbeitern führen. „Unser Ziel ist es, dass alle im Boot bleiben.“ Aussteigen werden hingegen Birgit Freitag und ihre Schwester Katharina. Mit unveränderten Öffnungszeiten plant die HBB in naher Zukunft: unter der Woche ab 14 Uhr mit einer kleinen Terrassenkarte und einem Kuchenangebot, abends ab 18 Uhr ist „a là carte“, an Sonn- und Feiertagen Mittagstisch, montags Ruhetag. „Alle bestehenden Reservierungen sowie bereits gekaufte Gutscheine behal-ten ihre Gültigkeit“, sagt Pohl.

„Nichts auf Kopf stellen“

„Wir werden hier von heute auf morgen nichts auf den Kopf stellen“, sagt der Geschäftsführer, der das Mühlengelände als „traumhaften Ort“ bezeichnet und die gastronomische Einrichtung auf modernstem Stand. „Es besteht hier kein akuter Handlungsbedarf.“ Deshalb gelte es, zunächst zu beobachten. Eine Umsetzung der Pläne von Gerhard Freitag, einen Archehof mit vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen zu realisieren, könne deshalb auch nicht ausgeschlossen werden.

Das Restaurant im ersten Obergeschoss bietet Platz für 90 Personen, der Raum „Gerhard“ für 35, der Wirtsraum für 34. Der „Pferdestall“ kann für bis zu 90 Personen bestuhlt werden. Hinzu kommen im Sommer die Terrasse der „Walkemühle“ und der große Biergarten. Bei gutem Wetter soll der auch im September wieder geöffnet werden.

Von Rouven Raatz

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