Vor Gericht: Kleber an Trinkflasche blieb an Zunge und Lippe hängen

Marburg. Es sollte ein lustiger Streich sein: Mit Sekundenkleber hatte der Montagearbeiter eines Haustechnikunternehmens aus Buchenau im Marburger Hinterland die Trinkflasche seines Kollegen verschlossen. Doch das Material härtet ohne Sauerstoff nicht aus.

Als der Kollege die Wasserflasche ansetzte, blieb der hochgiftige Kleber an Lippe und Zunge hängen. Der Fall landete vor Gericht. Der Mann musste mit dem Notarztwagen ins Klinikum gebracht werden, wo er vier Tage lang behandelt werden musste. Lippe und Zunge des Trompetenbläsers blieben wochenlang taub. Er habe Todesängste ausgestanden, weil schon kleinste Teile des Klebers im Körper lebensbedrohlich sein können, schilderte der Personalleiter des Unternehmens vor dem Marburger Arbeitsgericht.

Dem Montagearbeiter wurde deshalb im März fristlos gekündigt. Doch das Arbeitsgericht urteilte nun, dass eine Abmahnung ausreicht. Der 41-jährige Arbeiter muss weiter beschäftigt werden. Er muss jedoch für die knapp 1000 Euro Lohnfortzahlung aufkommen, die durch die Krankheit des Kollegen verursacht wurden.

Es handele sich um einen „Dumme-Jungen-Streich“, urteilte das Gericht. „Er hat leichtsinnig und leichtfertig gehandelt und wollte sich einen Spaß auf Kosten eines anderen machen“, sagte Richter Hans Gottlob Rühle in der Urteilsbegründung: „Er wollte den Kollegen aber nicht verletzen.“ Die Wirkungsweise des Klebers sei ihm nicht bewusst gewesen.

Wiederholungsgefahr gebe es nicht. Gleichwohl müsse er für seine „Dummheit“ einstehen und den daraus erwachsenen Schaden zahlen. „Eine Bagatelle ist das nicht“, sagte der Arbeitsrichter. Glücklicherweise sei der Streich nicht so schief gegangen wie er hätte schief gehen können. Der 41-Jährige hatte bis dahin sechs Jahre lang einwandfrei bei dem Unternehmen gearbeitet. Als Täter meldete er sich zwar erst, nachdem die Firmenleitung die Polizei einschalten wollte, am Nachmittag des Vorfalls.

Er fuhr jedoch noch am gleichen Tag zu seinem Kollegen in die Klinik, um sich zu entschuldigen: „Ich wollte ihm nichts Böses“, versicherte der Mann. Inzwischen kann das Opfer wieder Trompete spielen. Die Entschuldigung des Montagearbeiters hat er angenommen. (zgc)

Quelle: HNA

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