Mann hatte Ex-Freund seiner Freundin bezichtigt, Kinderpornos zu besitzen

Gericht spricht 46-Jährigen vom Vorwurf der falschen Verdächtigung frei

Frankenberger Land. Freigesprochen hat das Frankenberger Amtsgericht einen 46-jährigen Mann vom Vorwurf der falschen Verdächtigung. Es ging um Kinderpornografie.

So kann’s gehen: Eine Beziehung geht in die Brüche. Es gibt Streit um Kleinigkeiten – in diesem Fall um ein Navigationsgerät. Ein 46 Jahre alter Mann wird dazu von der Polizei vernommen und erwähnt in einem Nebensatz, dass seine Ex-Freundin irgendwann mal erzählt habe, ihr Ex habe sich im Wohnzimmer Kinderpornos angeguckt.

Die Mühlen der Justiz beginnen zu mahlen. Im November 2013 kommt es zu einer Hausdurchsuchung, bei der der Computer eines heute 56 Jahre alten Mannes beschlagnahmt wird. Kinderpornografie finden die ermittelnden Beamten jedoch nicht. Statt dessen landet am Ende der 46-Jährige wegen „falscher Verdächtigung“ vor Gericht und muss sich mit Schadenersatzforderungen auseinander setzen.

Amtsgerichtsdirektorin Andrea Hülshorst sprach den Angeklagten am Donnerstag nach der Vernehmung von drei Zeugen frei. Auch Staatsanwalt Poppe plädierte auf Freispruch. Das Ermittlungsverfahren wegen des Besitzes kinderpornografischer Bilder gegen den 56-jährigen Mann hatte die Staatsanwaltschaft bereits im August 2014 eingestellt.

„Ich habe das nicht erzählt, um jemanden zu beschuldigen oder in die Pfanne zu hauen“, betonte der Angeklagte vor Gericht. Vielmehr habe ihm der ermittelnde Polizeibeamte zu verstehen gegeben, dass er sich strafbar mache, wenn er selbst den Verdacht des Besitzes kinderpornografischer Bilder oder Videos nicht melde. „Ich hatte das Gefühl, sie sagt die Wahrheit“, erklärte der Angeklagte über seine heute 52 Jahre alte Ex-Freundin, die nach wie vor mit dem 56-Jährigen befreundet ist.

Bei ihrer Vernehmung verstrickte sich die Frau in Widersprüche. Entschieden bestritt sie die Aussage, der 56-Jährige habe sich Kinderpornos angeschaut. Zu dem Angeklagten habe sie über drei oder vier Monate „eher eine Freundschaft als eine Beziehung“ unterhalten, nachdem sie sich von dem 56-Jährigen getrennt habe. Bei der Polizei hatte die Frau damals ausgesagt, der Angeklagte habe sich den Vorwurf der Kinderpornografie „nur ausgedacht“, um ihrem Ex „eins auszuwischen“. Über ihre frühere Beziehung habe sie mit dem Angeklagten gar nicht gesprochen.

Das widerlegte der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Carsten Fock, mit einem ganzen Stapel schriftlicher Auszüge aus dem Chat- und sms-Verkehr des Angeklagten mit der 52-Jährigen. „Wenn Sie sagen, das war nie Thema, dann haben Sie schlichtweg gelogen“, sagte Fock. Auch Staatsanwalt Poppe erklärte in seinem Plädoyer, er gehe davon aus, dass die Frau „falsche Angaben gemacht hat“.

„Auf solche Angaben kann man kein Urteil stützen“, sagte Richterin Hülshorst in der Urteilsbegründung. Sie sprach den Angeklagten frei und wies die Klage des 56-Jährigen auf Schmerzensgeld ab.

Quelle: HNA

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