Zusammenstoß an Weihnachten

Gerichtsurteil: Therapiestunden nach tödlichem Unfall

Frankenberger Land. Fahrlässige Tötung: So lautete der Vorwurf gegen eine 22-Jährige, deren Fall vor dem Frankenberger Amtsgericht verhandelt wurde.

Am 25. Dezember hatte die Fahranfängerin beim Linksabbiegen an der Kreuzung Uferstraße/Jahnstraße in Frankenberg die Vorfahrt eines 89-Jährigen missachtet, der mit seinem Wagen geradeaus fuhr. Es kam zum Zusammenstoß. Der Rentner verstarb sechs Wochen später infolge des Unfalls.

Schon zu Beginn des Verfahrens wirkte die Angeklagte sichtlich mitgenommen von den Erlebnissen. Zum Unfallzeitpunkt habe sie gerade einmal fünf Tage ihren Führerschein gehabt und sei die Strecke vorher nur einmal gefahren, antwortete die Auszubildende auf Nachfrage von Richterin Andrea Hülshorst.

Gleicher Fehler in Prüfung

„An der Kreuzung habe ich in der Prüfung genau den gleichen Fehler gemacht. Hätte der Fahrlehrer nichts gesagt, wäre ich durchgefallen“, erzählte die 22-Jährige unter Tränen. Im Krankenhaus, in das sie mit einem Schock, Prellungen und einem Schleudertrauma eingeliefert wurde, habe sie mit dem 89-Jährigen Kontakt aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt sei es ihm noch gut gegangen, er habe im Rollstuhl gesessen und sei ansprechbar gewesen.

Eine Angestellte und ein Lkw-Fahrer, die als Zeugen vernommen wurden, bestätigten, dass weder die Angeklagte noch der Verstorbene zu schnell gefahren seien. Beide sagten aus, dass die Auszubildende nach dem Unfall unter Schock stand und weinte. „Das ist sicherlich nicht der letzte Unfall dort an der Ecke gewesen“, sagte der Lkw-Fahrer. Er sei nach dem Zusammenstoß zu dem qualmenden Auto des 89-Jährigen gegangen und habe die Türen geöffnet. Der Qualm habe sich jedoch als dampfende Kühlflüssigkeit herausgestellt. „Gott sei dank war ein Sanitäter vor Ort, der befahl, den 89-Jährigen nicht anzufassen, um die Verletzungen nicht schlimmer zu machen“, berichtete der Lkw-Fahrer.

Der Zustand des Seniors, der mit einer Rippenfraktur und Prellungen ins Krankenhaus kam, habe sich zunehmend verschlechtert, las die Richterin aus dem Arztbericht vor. Schließlich musste der 89-Jährige beatmet werden und verstarb am 3. Februar im Kreise seiner Angehörigen.

Auf Nachfrage erfuhr Hülshorst, dass sich die Angeklagte seit dem Unfalltag nicht mehr hinter das Steuer eines Autos gesetzt habe. Die Richterin war mit dem Vertreter der Staatsanwaltschaft und dem Verteidiger einer Meinung, dass die 22-Jährige nach wie vor stark mit der Situation zu kämpfen habe.

50 Stunden gemeinnützige Arbeit und drei Gespräche bei einem Psychotherapeuten lautete das Urteil am Ende der Verhandlung.

„Keine Strafe, keine Sanktion kann ein Menschenleben aufwiegen. Aber Sie müssen das Erlebte aufarbeiten und einen Weg zurück in die Gesellschaft finden - auch wenn der Vorfall Sie ihr Leben lang begleiten wird“, erläuterte Hülshorst das Urteil. (gsk)

Quelle: HNA

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