Getötete Frau: Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Verteidiger und Nebenklage

Marburg. War es Totschlag oder Mord, als ein 56-jähriger in Marburg am 12. April 2010 seine Ehefrau erstochen hat? Diese Frage muss die erste Strafkammer des Marburger Landgerichts beantworten. Jetzt sind im Prozess gegen den Mann die Plädoyers gehalten worden, ein Urteil wird für kommenden Dienstag erwartet.

Während Staatsanwaltschaft und Verteidigung von Totschlag im Affekt ausgehen, sieht die Nebenklage die Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe als gegeben an. Sollte das Gericht zu diesem Ergebnis kommen, droht dem Angeklagten lebenslang. Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier forderte acht Jahre Haft, Verteidiger Sascha Marks „eine milde Strafe“.

Zu Beginn der Verhandlung lehnte die Kammer unter Vorsitz von Richter Carsten Paul den Antrag der Nebenklagevertreter ab, durch einen weiteren Experten das Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen überprüfen zu lassen. Wie diese Zeitung berichtete, kam der Gutachter zu dem Schluss, dass alles für eine Affekttat spreche, der Angeklagte die Tötung der Frau also nicht geplant habe, sondern aufgrund einer Kränkung spontan und nicht zielgerichtet handelte.

Die Nebenklage hatte bemängelt, dass der Psychiater mit „fehlender Ergebnisneutralität“ mögliche Geschehensvarianten unberücksichtigt gelassen habe. Dagegen ging die Kammer davon aus, dass das Gutachten allen wissenschaftlichen Ansprüchen genüge „und das Gericht in die Lage versetzt, die Schuldfähigkeit zu beurteilen“, wie Paul betonte.

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Quelle: HNA

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