Angriff auf dem Bad Wildunger Viehmarkt

Mit Glas in Hals gestochen: Täter muss sechs Jahre ins Gefängnis

Sechs Jahre Haft wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung hat das Landgericht Kassel gegen den Glasstecher vom Wildunger Viehmarkt verhängt.

Der 30-Jährige hatte einem 21-Jährigen am 18. Juli nach einem Streit ein abgebrochenes Bierglas in den Hals gerammt. Das Opfer wurde lebensgefährlich verletzt.

Zwischen fünf und 15 Jahren Gefängnis sieht das Gesetz als Strafe für Totschlag vor. Dass es in diesem Fall beim Versuch blieb, sei nur einer Verkettung mehrerer glücklicher Zufälle zu verdanken, machte Vorsitzender Richter Volker Mütze deutlich.

Mildernde Umstände billigte das Gericht dem 30-Jährigen wegen seines Alkoholkonsums am Tag der Tat zu. So wie er als schwer Drogenabhängiger mehrfach ausrastete, beseitigte der Alkohol möglicherweise alle Hemmungen auf dem Viehmarkt. Aus Sicht des Gerichts sank die mögliche Höchststrafe damit von 15 Jahren auf zehn. Die Staatsanwaltschaft hatte die Obergrenze bei elf Jahren und drei Monaten gesehen.

Das sagt die Nebenklage: Rechtsanwalt Helmut K. Merle als Vertreter des Nebenklägers sah keinen Grund, bei der denkbaren Höchststrafe die 15 Jahre zu unterschreiten. Er bewertete die Tat als nah am versuchten Mord. Während die Staatsanwaltschaft sechseinhalb Jahre Gefängnis und Einweisung in eine Entziehungsanstalt forderte, plädierte Merle für neun Jahre Gefängnis.

Das sagt die Verteidigung: Weit entfernt davon bewegte sich Verteidiger Bernd Schubert: Er sah in der Tat keinen versuchten Totschlag, sondern eine gefährliche Körperverletzung im minderschweren Fall und schlug eine Haftstrafe vor, ausgesetzt zur Bewährung. Sein Mandant habe seinen Gegenüber nicht in dieser Weise verletzen wollen, sondern das zerbrochene Glas zu seiner Verteidigung mitgenommen, als er die Aussprache mit seinem Kontrahenten suchte.

Das sagt das Gericht: Diese Version nahm das Gericht dem Angeklagten in keiner Weise ab. Zwischen der Bierzeltschlägerei, bei der er von seinem späteren Opfer mit Fausthieben traktiert wurde, und dem Angriff mit dem Glas vergingen etliche Minuten. Der wegen der kassierten Prügel Erzürnte zerschlug ein Glas und lief draußen auf seinen am Boden hockenden Kontrahenten zu. Wer mit einer solchen Waffe in den Hals eines Menschen steche, „hält es nicht nur für möglich, dass der andere stirbt, sondern billigt es auch“, nannte Richter Volker Mütze als entscheidendes Merkmal für den Totschlags-Vorsatz beim Täter.

Das Urteil: Der 30-Jährige muss ein Jahr Gefängnis absitzen - die U-Haft seit Juli wird angerechnet -, bevor er für zwei Jahre in die Entziehungsanstalt geht. Gelingt die Therapie, prüft ein Gericht frühestens nach drei Jahren, ob die restlichen drei Jahre Haft zur Bewährung ausgesetzt werden.

Der 30-Jährige war nach mehrjähriger Haft erst gut drei Wochen wieder auf freiem Fuß, als er die neue Tat beging. Im Gefängnis hatte er den Abschluss zum Schweißer geschafft. Am Montag nach dem Volksfest wollte er die erste geregelte Arbeitsstelle seines Lebens antreten. (su)

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Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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