Großübung am Hardtberg

Gleich drei Unglücke an einem Abend

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Außergewöhnliche Übung: Ein Jagdpächter ist auf einem Hochsitz ohnmächtig geworden. Von oben wie unten gesichert wird die Puppe mit Hilfe von Trage und Steckleitern aus der misslichen Lage befreit.

Frankenau-Allendorf - Drei Unglücke erschüttern am Freitagabend Allendorf: Ein Schlepper rutscht in einen Graben, ein Transporter rammt eine Brücke, ein Jagdpächter wird auf dem Hochsitz ohnmächtig. Alle Frankenauer Wehren sind im Einsatz - eine Großübung.

Es ist kein Dreizehnter, aber dennoch kein guter Freitag in Allendorf: Zeitgleich passieren drei Unglücke - zumindest eines ist für die Wehren der Stadt Frankenau völlig neu. Wäre es keine Großübung, das Dörfchen wäre wohl völlig abgesperrt. So kümmern sich einige Kameraden der gastgebenden Hardtberger Wehr um den Verkehr, während die Brandschützer aus Kernstadt und Stadtteilen sich kniffligen Schadenslagen widmen - ruhig und professionell. Nach gut einer Stunde erinnert in Allendorf nichts mehr an die Übung, wären da nicht ungezählte Menschen in Einsatzkleidung, die zur Nachbesprechung mit Stadtbrandinspektor Oliver Nolte zum Dorfgemeinschaftshaus ziehen.

Viel zu bemängeln hat der Chef der Frankenauer Wehren nicht: „Es gab keine große Kritik, nichts Bedeutungsvolles. Wir haben Kleinigkeiten besprochen, die es zu verbessern gab“, sagt Nolte im Gespräch mit der Frankenberger Zeitung. Größtes Problem: Einige Dinge hätten in einem echten Notfall anders gemacht werden können und müssen. Beispiel Ölunfall: Ein Transporter ist gegen die kleine Brücke am Ortseingang gefahren. Öl läuft in den Bach. Die Kameraden errichten mühsam einen kleinen Damm. Nebenan: ein leeres Gemüsebeet - ideales Dichtmaterial, aber Privatbesitz. Wäre wirklich Öl ins Wasser gelaufen, hätten die Brandschützer das Beet wohl ausgehoben. So bleibt es unangetastet, auch Bindemittel kommt aus Kosten- und Umweltschutzgründen nicht zum Einsatz. „Es geht uns darum, bei diesen Übungen die Abläufe einzustudieren“, sagt Nolte.

Bewusst wird deshalb auch auf eine Alarmierung verzichtet. Dainrode hat diese Art der Übung eingeführt, die Hardtberger wiederholten das Modell: Drei Schadenslagen, denen sich die Kameraden sorgfältig widmen können. So kommen Fehler schon während des simulierten Einsatzes ans Tageslicht - in der Hoffnung, dass sie im Ernstfall nicht wiederholt werden.

Die Wehren aus Dainrode, Ellershausen und Louisendorf kümmern sich um einen Schlepper, der in einen Graben gerutscht ist - eine Gruppe rettet den gestürzten und schwer verletzten Fahrer, eine sichert das Fahrzeug gegen weiteres Abstürzen auf die Retter, die letzte Gruppe bereitet einen Angriff mit Schaum vor, falls der Schlepper in Brand geraten sollte. Die Handgriffe sitzen, rasch ist die blaue Puppe gerettet, der historische Fendt sicher, die Schläuche vorbereitet.

Weniger Routine haben die Altenlotheimer bei ihrem Einsatz, denn der ist tatsächlich ungewöhnlich: Ein Jagdpächter ist mitten im Wald auf dem Hochsitz ohnmächtig geworden und muss gerettet werden. Der Einsatz der Drehleiter ist nicht möglich. „Das haben die Jungs wirklich gut gemacht“, lobt Nolte im Nachgang seine Kameraden. Mit Steckleitern, durch Seile gesichert, bauen sie in der einsetzenden Dunkelheit ein Gelenk. Der Verunglückte wird auf eine Trage, die auf den waagerechten oberen Teil der Leiter geschnürt. Langsam kippt die Konstruktion vom Hochsitz weg, die Kameraden in luftiger Höhe bringen alle Kraft auf, um den Verletzten waagerecht zu halten. Wenige Minuten später ist der sicher am Boden und könnte in einen Krankenwagen geladen werden. „Das wurde sehr positiv aufgenommen, weil wir so etwas noch nie gemacht haben“, sagt Nolte. Er lobt die positiven Seiten dieser Art von Übungen: konzentriertes Arbeiten ohne Hektik. Doch gesteht er: „Eine Alarmübung müssen wir natürlich auch mal wieder machen.“

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