Glockenturm marode: Hauberner müssen von Hand läuten

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Die Hauberner haben vor der Kirche ein Holzgestell aufgebaut, in das sie zu jedem Gottesdienst eine Glocke hängen, die zwei Mal vor dem Gottesdienst und ein Mal zum Vater Unser von kräftigen Männern geläutet werden muss – hier von Alfred Tripp (links) und Holger Pärnt. 

Haubern. In Haubern muss die Kirchenglocke seit Monaten von Hand geläutet werden. Der Glockenturm neben der Kirche ist einsturzgefährdet, die Glocke dort darf nicht mehr genutzt werden.

Die rund 400 Mitglieder der Kirchengemeinde sind stocksauer: Weil vor zwei Jahren festgestellt wurde, dass die rund 50 Jahre alte Konstruktion des Glockenturms mit seinem Holzaufbau nicht mehr sicher ist, schweigt im 550-Einwohner-Dorf seit September 2014 die Kirchenglocke – nun schon seit rund 20 Monaten. Der Glockenturm selbst sei zwar in Ordnung, beschreibt der Kirchenälteste Jürgen Naumann die Situation, das Gebälk und der Glockenstuhl seien aber einsturzgefährdet.

Weil die Hauberner Kirchgänger vor und bei Gottesdiensten in ihrem Dorf auf das Geläut aber nicht verzichten wollen, nehmen sie nun schon seit Monaten das Problem selbst in die Hand – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie hängten die historische Glocke aus der ehemaligen Espenkirche bei Haubern in ein eigens vor der neuen Kirche aufgestelltes Holzgestell und läuten seitdem mit Muskelkraft. Drei Mal bei jedem Gottesdienst: Erst ruft die Glocke eine halbe Stunde, dann noch einmal zwei Minuten vor Beginn des Gottesdienstes zum Kirchgang. Und dann läutet sie auch zum Vater Unser.

Der rund 50 Jahre alte Betonturm mit seinem Holzaufbau muss saniert werden. Deshalb gibt es in Haubern seit mehr als 20 Monaten von dort kein Kirchengeläut mehr.

Damit die historische Glocke aus dem im Freien stehenden provisorischen Gebälk nicht gestohlen werden kann, wird sie in der Regel in der Hauberner Kirche aufbewahrt. Das hat aber zur Folge, dass zwei oder drei starke Männer die schwere, gusseiserne Last vor jedem Gottesdienst aus der Kirche tragen und im hölzernen Glockenstuhl aufhängen müssen. „Die Glocke ist viel zu schwer. Das ist kein Zustand, das geht so nicht weiter“, beschweren sich die Hauberner Kirchgänger – und erinnern daran, „dass wir schließlich genügend Kirchensteuern zahlen“. Selbst über die Osterfeiertage und vor der Konfirmation am morgigen Sonntag wurden deutliche Proteste an der augenblicklichen Situation laut.

Das Problem: Die Sanierung des Glockenturms soll nach ersten Schätzungen 200.000 Euro kosten. Daran will sich die von „finanziellen Engpässen“ geplagte Landeskirche aber noch nicht beteiligen: Von der Kirchengemeinde Haubern solle erst ein „kostengünstigerer Vorschlag“ gemacht werden. Dieses Vorgehen der Landeskirche hat bei einigen Kirchgängern in Haubern aber bereits für Unmut gesorgt. Einige denken sogar schon über einen Austritt aus der Kirche nach. „Wenn wir alle aus der Kirche austreten und die ersparten Steuern auf die hohe Kante legen, ist unser Glockenturm mit diesem eingesparten Geld in zwei Jahren saniert“, lauten die Stimmen. Anschließend könne man ja dann wieder in die Kirche eintreten.

Der Kirchenälteste Jürgen Naumann will aber einen anderen Weg gehen: Er regte die Bildung eines Arbeitskreises an, um der Landeskirche ein Sanierungskonzept und einen günstigeren Kostenvorschlag zu machen. Fachleute meinen beispielsweise, dass die maroden Teile des Glockenturms schon mit wenigen zehntausend Euro saniert werden könnten, ohne dass gleich der komplette Glockenturm renoviert werden müsse. Dann hätten die Hauberner wenigstens ihr sonntägliches Glockengeläut wieder. (mjx)

Quelle: HNA

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