Jedes Jahr nimmt das Marburger Zollamt mehr als 23 Millionen Euro ein

Göllner heißt der Zöllner

Im Paketraum des Zollamts Marburg: Leiter Alexander Göllner und sein Team sind für Zollangelegenheiten in Marburg-Biedenkopf und im Altkreis Frankenberg zuständig. Foto: Coordes

Marburg/Frankenberg. Sein Name ist Programm: Er heißt Göllner wie Zöllner. Und er ist auch Marburgs oberster Zöllner. Der 42-jährige Alexander Göllner steht dem kleinen Marburger Zollamt in der Ernst-Giller-Straße unweit des Bahnhofs vor.

Es dürfte kaum ein älteres noch erhaltenes Zollamt in Hessen geben. Wer die Amtsstuben betritt, fühlt sich um 100 Jahre zurückversetzt. Aus der Zeit um 1900 stammen maßgefertigte Eichenbänke, Schalteröffnungen und Paketkammer: „Alles denkmalgeschützt“, sagt Alexander Zöllner. Der Zollamtsleiter ist aber doch ganz froh, dass er mit seinen fünf Mitarbeitern zumindest auf modernen Stühlen, an modernen Schreibtischen und Computern sitzt.

Auf für Altkreis Frankenberg zuständig

Ohne die PC’s könnten die Zöllner auch kaum arbeiten. Schließlich melden die meisten Firmen ihre Waren inzwischen elektronisch an. Die kleine Behörde ist ein so genanntes Binnenzollamt, das für den Kreis Marburg-Biedenkopf und den Altkreis Frankenberg zuständig ist.

Jedes Jahr fertigen die Zöllner 40 000 Sendungen ab: Heimische Unternehmen, die Güter exportieren, die mehr als 1000 Euro kosten oder mehr als eine Tonne wiegen, melden sie hier an. Die wichtigsten Exportprodukte aus der Region sind Arzneimittel, Heizungen und Schokoriegel. Einige Firmen fahren mit ihren Lastern direkt vor das Zollamt, um ihre Papiere zu vervollständigen. Jede Woche gibt es auch Kontrollen - etwa, wenn Maschinen in den Irak, nach China, Kongo oder Nordkorea gehen sollen.

Geld nehmen die Zöllner nur bei den Einfuhren -– insgesamt 23 Millionen Euro pro Jahr. Darunter sind große Mengen von Haselnüssen aus der Türkei, Holz aus Osteuropa und immer mehr Privatleute, die bei Internetkaufhäusern aus Nicht-EU-Ländern bestellen. Zoll muss trotzdem bezahlt werden. Da müssen die Bürger dann noch 19 Prozent Einfuhrsatzsteuer berappen – dazu kommen noch Zölle von acht bis zwölf Prozent für Kleidung, zehn Prozent für Autos oder 2,5 Prozent für Goldschmuck. „Viele Leute sind ganz erstaunt“, sagt Göllner.

Manches konfisziert der Zoll auch gleich ganz: So ist die Einfuhr von Arzneimitteln aus Nicht-EU-Ländern generell verboten - egal, ob es sich um Kopfschmerztabletten aus den USA oder Viagra aus Indien handelt. Sicher gestellt werden auch Plagiate von Markenprodukten bei T-Shirts, Turnschuhen, Uhren oder Parfum. „Für viele Leute ist das ein Schock“, erzählt Göllner. Das Geld ist weg. Und die Waren werden verbrannt.

Von Gesa Coordes

Quelle: HNA

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