Frankenberger Heimatforscher schaut genau hin

Die Graffiti-Szene ist sein Hobby

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Frankenberg - Hans Papenfuß hat ein ungewöhnliches Hobby: Er sammelt Graffitis aus Frankenberg. Auf seinen Spaziergängen durch die Stadt hält er Ausschau, nach neuen "Pieces" und "Tags", um sie sogleich abzufotografieren.

Eigentlich hat er mit Graffitis nichts zu tun. Kontakte zur Szene hat er schon gar nicht. Trotzdem sind Graffitis sein Hobby geworden: Hans Papenfuß schaut genau hin. Und obwohl er keinen der Sprayer persönlich kennt, weiß er, wieviele "Tagger" und "Crews" in Frankenberg unterwegs sind - denn das verraten die Graffitis.

Wie Papenfuß, der im Frankenberger Heimatmuseum arbeitet, erklärt, ist ein "Tag" ein gesprayter Schriftzug. Meistens wird der Künstlername des Sprayers oder einer Gruppe von Sprayern - sogenannter "Crews" - hinterlassen. "In Frankenberg konnte ich bisher zehn "Crews" ausmachen", erklärt der 66-Jährige. Sehr aktiv sei etwa die "Sundse Crew". An den Garagen auf dem Parkplatz vom Landratsamt ist ihr "Tag" oft zu sehen - wenn man genau hinschaut. Auch "Pieces" haben sie dort hinterlassen: Papenfuß zeigt auf das Logo mit den Buchstaben S und D, das mit Farben und einer dicken Außenlinie ausgestaltet ist.

Am aktivsten sind nach Meinung von Papenfuß derzeit die "Ultras". So werden Fußballfans bezeichnet, die Slogans, Symbole und Aufkleber von ihrem Verein oder Beleidigungen gegen andere Vereine überall hinterlassen. "Die bekämpfen sich auch: Aufkleber werden ausgekratzt und Graffitis ausgekreuzt." Viele Dortmund-Aufkleber seien in den vergangenen Wochen von Eintracht-Fans überklebt worden - "die so entwerteten "Tags" zählen dann in deren Augen nicht mehr", erklärt Papenfuß.

Vertreten sei in Frankenberg auch die Gruppe der politischen Sprayer. Einige hinterlassen eine germanische Rune, die der rassistische Klu-Klux-Klan als Symbol nutzt, andere hinterlassen eines der ersten modernen deutschen Graffitis: Das durchgestrichene Hakenkreuz, dass die "Weiße Rose" im Zweiten Weltkrieg überall in München verbreitet hatte. "Es gibt aber jemanden in Frankenberg, der diese beiden Symbole mit weiß übermalt, sobald er sie sieht", hat Papenfuß beobachtet.

Mehr als 800 verschiedene Graffitis hat Papenfuß bereits in Frankenberg entdeckt und fotografiert - die meisten davon sind illegal, weil sie ohne Erlaubnis gesprüht wurden. Vorbildlich seien laut Papenfuß die Stadt und die EGF, da sie Flächen für Graffitis bereitstellen. "Da passieren dann tolle Sachen", sagt der 66-Jährige. "Denn es gibt richtig gute Leute, die so ihre Kunst darstellen und sich ausdrücken können." Deswegen wünscht der Heimatforscher sich mehr legale Flächen für Graffiti-Künstler. Viele illegale Graffitis seien etwa an der Bahnbrücke, an den Brückenpfeilern der Umgehungsstraße, dem Bahnhof oder im Fußgängertunnel bei der Edertalschule

Das erste Mal ist Papenfuß ein "Tag" auf einem Stromkasten aufgefallen. "Brick 213" steht dort. "Es ist der hässlichste Ort in Frankenberg und da setzt jemand seinen Namen hin", wundert er sich noch heute. "Je länger ich mich beschäftige, umso mehr Spaß macht es mir - wenn ein neues Graffiti entsteht, kann ich es sofort zuordnen, obwohl ich die Menschen gar nicht persönlich kenne."

Der Hobby-Graffiti-Forscher hat ein Lieblings-"Kunstwerk": Ein etwa 50 Meter langes Graffiti in einem Parkhaus. Den "Tags" nach zu urteilen, seien hier sieben Sprayer am Werk gewesen. Ein Rätsel bleibt für Papenfuß aber immer noch: "Es gibt Leute, die nur Zahlen sprayen. Vielen Graffitis sind auch Zahlen zugeordnet. Ich frage mich, was sie bedeuten."

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