Ellnrode

Granatenfund sprengt Ellnroder Idylle

- Gemünden-Elnnrode (gl). Schock am Montagmorgen: Nichtsahnend wollte Hans-Hermann Arnold seinen Schuppen für neues Brennholz leer räumen, als er plötzlich auf einen metallischen Gegenstand stieß – Munition aus dem Zweiten Weltkrieg.

Da staunte Hans-Hermann-Arnold nicht schlecht: Sein Rechen war auf Metall gestoßen. Der Gegenstand schien schwer zu sein, ließ sich kaum bewegen. Arnold wollte seinen kleinen Schuppen direkt an der Ellnroder Hauptstraße aufräumen, Holzspäne auskehren. Zwar wird das gegenüberliegende Wohnhaus der Arnolds mit Gas beheizt, aber im Winter wird „zugeheizt“: Ein Holzofen in der Waschküche sorgt für wohlige Wärme. Der letzte Winter, langanhaltend und kalt, hat viel Holz gefressen. Zeit, neues anzuschaffen, dachte sich Arnold. Dazu aber musste der Schuppen erst einmal ausgemistet werden. Gegen 9.30 Uhr stand er Montagmorgen zwischen den Holzspänen, die mussten weg. Er griff zum Rechen, fing an, Haufen zu harken und Kleinholz zum Anfeuern auszusortieren. Plötzlich das Geräusch von Metall auf Metall und der Widerstand eines hohen Gewichts. „Als ich nachgeschaut habe, habe ich sofort erkannt, dass es sich um eine Granate handelt“, sagt Hans-Hermann Arnold. Der 67-Jährige verpackte den Zylinder vorsichtig in Zeitungspapier und legte ihn in einen Eimer, denn „ich wollte nicht, dass noch etwas damit passiert“. Dann eilte er über die Straße ins Haus und rief die Polizei. „Ich dachte sofort an Göttingen,“ sagte der Landwirt. Anfang Juni starben in der niedersächsischen Universitätsstadt drei erfahrene Sprengstoffexperten bei der Explosion eines englischen Blindgängers. Die Polizei rückte in Ellnrode zunächst mit einem Streifenwagen an. Nach einer kurzen Untersuchung des Fundes ordneten die Beamten die Sperrung der Durchgangsstraße an und riefen den Kampfmittelräumdienst zu Hilfe. Häuser im Umkreis von 50 Metern wurden geräumt, acht Menschen evakuiert – immerhin 20 Prozent der Einwohner Ellnrodes. Ein Sprengstoffexperte nahm sich des Fundes an, Arnold wartete bei seiner Tochter in Berghofen ungeduldig auf die Entwarnung der Polizei. Schnell war der Spuk wieder vorbei: Der Kampfmittelräumdienst verpackte und entsorgte die Panzergranate vom Kaliber 7,5 Zentimeter fachgerecht, so dass die evakuierten Bewohner wieder in ihre Häuser durften und die Sperrung der Straße um 11.55 Uhr aufgehoben wurde. „Es war schon ein seltsames Gefühl, so ein Ding in der Hand zu haben“, sagte Hans-Hermann Arnold anschließend. Wie das Geschoss in seinen Schuppen gelangt sein könnte, kann der Ellnröder nicht sagen. Wie auch die Polizei vermutet er, dass die Granate schon seit dem Zweiten Weltkrieg unter dem Holzstapel lag. Vor sechs Jahren haben Hans-Hermann Arnold und seine Frau Christine das Haus direkt gegenüber dem Schuppen von seinen Schwiegereltern übernommen. Das Haus steht seit 1937, wurde also vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gebaut. Arnold geht davon aus, dass auch die Holzhütte schon so lange steht. „Der Opa“, wie er seinen Schwiegervater nennt, „hat den Schuppen selbst aufgebaut,“ erzählt er. Das Holzhäuschen ist keine auffällige oder anspruchsvolle Konstruktion: etwa sechs Quadratmeter Innenraum und ein kleines Vordach, unter dem das Auto seiner Schwägerin Erika geparkt ist. Schon immer lagert die Familie hier ihr Feuerholz, außerdem Fahrräder und ein paar Gartengeräte. Hans-Hermann Arnold ist erleichtert, dass der Experte in dem kleinen Schuppen keine weiteren Waffen oder Munition gefunden hat. „Wir können jedenfalls froh sein, dass wir im Nachhinein darüber lachen können.“

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