Komödie Frankenberg führt Räuber Hotzenplotz auf

Der größte Räuber im Räuberwald

Seppel und Kasperl lauschen dem Klang der Kaffeemühle: Die Komödie Frankenberg führte am Wochenende das Kinderstück „Räuber Hotzenplotz“ nach Otfried Preußler auf.Fotos: Tobias Treude

Frankenberg - Kinder sind ehrlich und direkt. Wenn ihnen etwas nicht gefällt, dann lassen sie einen das auch spüren. Umso schöner dürfte für die Darsteller der Komödie Frankenberg der langanhaltende Applaus nach der Premiere von Räuber Hotzenplotz am Samstagnachmittag gewesen sein.

Das Getuschel im Publikum ist groß: „Der sieht aber im Buch anders aus“, „Gleich kommt die Fee.“ Die Zuschauer, die am Wochenende die beiden Auftritte der Komödie Frankenberg in der Ortenbergschule verfolgen, sind echte Experten. Die Geschichte von Räuber Hotzenplotz nach Otfried Preußler kennen manche der Kinder auswendig. Ein kritischeres Publikum kann es im Theater wohl nicht geben - aber auch kein dankbareres.

Zum zweiten Mal, nach Kalle Blomquist im vergangenen Jahr, inszenieren die Darsteller der Komödie ein Kinderstück - und gute Laune ist garantiert. Dafür sorgen von Beginn an vor allem Karlheinz Balz als Kasperl und Karl-Willi Hirth als Seppel. Das leicht chaotische Duo erobert mit amüsant überspitzter Mimik und Gestik schnell die Sympathien des Publikums.

„Wie ich tobe, wie ich rase“

Seppel zum Beispiel hat immer wieder Probleme, sich Dinge zu merken. Damit bringt er nicht nur die Großmutter, sondern auch seine Kontrahenten zur Verzweiflung, die er wahlweise Räuber Plotzenrotz oder großer, blöder Zauberer Wackelzahn nennt. Karl-Willi Hirth hat seine großen Momente, wenn er die leicht hysterischen Anfälle des Kasperl auf die Bühne bringt - sei es nach der Ladung Pfeffer, die er und Seppel abbekommen oder einfach immer dann, wenn gerade einer der Bösewichte auftaucht.

Denn Räuber Hotzenplotz hat der Großmutter die Kaffeemühle gestohlen, die sie eben erst von Seppel und Kasperl geschenkt bekommen hat. Noch dazu spielt die Kaffeemühle beim Kurbeln ihr Lieblingslied „Alles neu macht der Mai“. Also beschließen Kasperl und Seppel auf Verbrecherjagd zu gehen. Doch der Plan geht schief und schnell finden sie sich in Gefangenschaft der Schurken wieder.

In diesen Rollen glänzen Dirk Schäfer als Räuber Hotzenplotz und Jürgen Loderhose als Zauberer Petrosilius Zwackelmann. „Wie ich tobe, wie ich rase“: Wenn Räuber Hotzenplotz lautstark mit seinen großen Füßen stampft und sich mit seinen Fäusten auf die Brust schlägt, dann zittern nicht nur Seppel und Kasperl. Auch wenn Hotzenplotz der größte Räuber im Räuberwald ist, so bekommt er durch Dirk Schäfer mit seiner schurkenhaften Lache auch sympathische Charakterzüge - was nicht zuletzt an einem Vogelkäfig auf dem Kopf und seinem Nachthemd liegt.

Ähnliches gilt für Jürgen Loderhose, der Jähzorn und Griesgrämigkeit des Zauberers stark umsetzt - so stark, dass Petrosilius Zwackelmann letztendlich platzt. Das stimmige Gesamtbild runden Renate Göbel als Großmutter - so wünscht sich jeder Enkel seine Oma - Harald Rudolph als Wachtmeister Dimpfelmoser, Jana Rühle als Fee Amaryllis und Nadine Oberender als Unke ab.

Seit Januar haben die Darsteller und viele Helfer hinter den Kulissen das Stück einstudiert. Entstanden ist so auch ein schönes Bühnenbild, das unter anderem zwischen dem Haus der Großmutter, dem Schloss des Zauberers oder Räuber Hotzenplotz‘ Höhle wechselt. Dem Ensemble gelingt es, trotz fünf kleinerer und einer großen Pause, die Spannung beim Publikum aufrecht zu erhalten.

Dank der überzeugenden Leistungen aller Akteure fällt es auch nicht so schwer ins Gewicht, dass beim Einsatz von Musik schon mal das Timing nicht ganz passt. Die Kinder, die nach dem Stück ein Autogramm oder einfach Kasperl und Seppel aus der Nähe sehen wollen, haben das dann wahrscheinlich bereits vergessen. (tt)

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