Freilichtbühne inHallenberg

Große Leidenschaften und viel Fantasie

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Bei dem Sturm auf die Barrikaden kommen in der Inszenierung von „Les Miserables“ auf der Hallenberger Freilichtbühne auf zehn Studenten dreimal so viele Soldaten. Massenszenen werden in Hallenberg mehrfach zu sehen sein.Fotos: Patricia Kutsch

Hallenberg - Brutale Massenszenen und die Abgründe des menschlichen Charakters auf der einen Seite - sprechende Tiere in einer fantastischen Dschungelwelt auf der anderen. Diese Vielfalt bringt das Team der Hallenberger Freilichtbühne in dieser Theatersaison auf die Bühne.

Das Team der Freilichtbühne steht in diesem Jahr vor einer besonderen Herausforderung: Ein abenteuerlicher Dschungel und das Paris des 19. Jahrhunderts sind die Kulissen der beiden Theaterstücke. Das „Dschungelbuch“ und „Les Miserables“ spielen die Hallenberger Laienschauspieler in dieser Saison. Deswegen schmücken keine aufwendigen und detaillierten Kulissen die natürliche Bühne; diesmal ist das Bühnenbild abstrakter, die Fantasie der Zuschauer wird gefordert. Statt realistischer Häuser bilden Treppen und Podien die Spielfläche. Dort, wo beim Kinderstück die Affenstadt von König Louis ist, stürmen im Erwachsenenstück „Les Miserables“ die Soldaten brutal die Barrikaden der Studenten.

Seit Januar proben die Kinder und die erwachsenen Darsteller für das Dschungelbuch. Musikalisch wird das heitere Stück auch: Mit den bekannten Liedern aus der Disney-Verfilmung, aber auch mit indischen Melodien. Unter der Regie von Dorothee Hollender aus Bochum entführen die Darsteller ihr junges Publikum in einen geheimnisvollen Dschungel. Gemeinsam entdecken die Kinder mit Mogli die spannenden Geheimnisse der Tierwelt. „Das Stück beginnt mit Kindern in einem indischen Dorf, die ihre Eltern fragen, ob es stimmt, dass Elefanten Trompete spielen“, erzählt Hollender. Während die Eltern das lachend abtun, entdeckt Mogli im Dschungel, dass die Elefanten eine Blaskapelle haben, dass Wölfe boxen und die Affen im Fußballfieber sind. „Wir lüften das Geheimnis des Dschungels.“

In ihrer Inszenierung verkleidet Hollender die Darsteller nicht als Tiere, sondern setzt die menschliche Seite in Szene: Die Schlange Kaa ist eine Diva, während der Tiger als Cowboy und der Schakal als Vagabund auftritt. Besonders das abstrakte Bühnenbild hat es der Regisseurin angetan: „Es ist frei für die Fantasie. Die Stadt der Affen entsteht erst durch das Spiel.“

Bei „Les Miserables“ hat Birgit Simmler die Regie übernommen. Sie setzt auf detaillierte Ausarbeitung der zwölf Hauptcharaktere - aber auch auf spektakuläre Massenszenen. „Das Stück ist ein Klassiker der Weltliteratur und nicht ohne“, sagt die Regisseurin. „Aber wir haben viele begabte Spieler, dadurch ist eine gute Charakterarbeit möglich.“ Vor allem mit den Kategorien gut und böse, arm und reich und der Entwicklung der Charaktere arbeitet sie in ihrem Stück. Weil mehr als 60 Schauspieler mitwirken, könne das Stück auf der anderen Seite „eine unheimliche Wucht entfalten“ - wenn etwa bei den Barrikadenkämpfen 40 Soldaten zehn Studenten überrennen. „Das hat schon was.“

Um die Kämpfe realistisch auf die Bühne zu bringen, organisierte Simmler für ihre Darsteller einen „Kampfworkshop“. Effektvoll soll ihre Inszenierung werden: Mit Musik, Nebel, Licht und Pyro-Effekten, aber vor allem mit großen, eindrucksvollen Bildern und „kleinen, feinen Szenen“, die die Geschichten der Hauptcharaktere herausarbeiten. „Die Brüche im menschlichen Charakter kommen hier sehr gut zur Geltung.“

Mehr als 140 Mitwirkende zählt das Freilichtbühnen-Team, berichtet Georg Glade, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Sie stehen nicht nur teilweise in mehreren Rollen auf der Bühne, sondern bauen die Kulissen selbst, legen in der Maske Hand an oder nähen mehr als 200 Kostüme in der vereinseigenen Schneiderei.

„Das Dschungelbuch“ feiert am 3. Juni um 15.30 Uhr Premiere. „Les Miserables“ wird ab 17. Juni aufgeführt. Informationen auf www.freilichtbuehne-hallenberg.de

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