Wünsche für die Dorferneuerung in Geismar werden konkret

Große Pläne rund um das Pfarrhaus

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Die Mauer soll weg: Blick auf die Straße „Teichberg“ zwischen Kirche, Backhaus und Pfarrhaus in Geismar. Geht es nach den Wünschen der Bürger, wird der Kirchplatz im Rahmen der Dorferneuerung terrassenförmig nach unten geöffnet. Fotos: Andrea Pauly

Frankenberg-Geismar - Die Flächen an Dorfgemeinschaftshaus, Grundschule und Kindergarten sowie die Straßen rund um die Kirche kristallisieren sich derzeit als Schwerpunkte in der Dorferneuerung heraus. Eine besondere Rolle spielt dabei das Pfarrhaus.

Es könnte ein tolles Projekt werden: Eine Seniorentagesstätte im Pfarrhaus, möglicherweise verbunden mit einem kleinen Dorfcafé; davor schattige Sitzplätze und ein kleiner Spielplatz, gegenüber ein weiterer mit Spielgeräten für die älteren Jungen und Mädchen aus dem Dorf. Und der große, bis dato praktisch ungenutzte Kirchplatz wird in Terrassen damit verknüpft - so oder ähnlich könnte das größte Projekt in der Dorferneuerung aussehen.

Am Mittwochabend trafen sich knapp 30 Teilnehmer im Dorfgemeinschaftshaus, um in Arbeitsgruppen konkrete Ideen zu formulieren. Dabei sollten sie besonders auf die Folgen für Kinder, Jugendliche und Senioren achten. Außerdem sollten die Geismarer schauen, wo Leerstände neu genutzt oder vermieden werden können.

Dabei riet Wecker den Geismarern, nicht zu sehr ins Detail zu gehen: „Wir haben acht Jahre Zeit“, sagte er. Wenn die geplante Version nicht umsetzbar sei, bestehe immer noch die Möglichkeit, die Pläne etwas abzuändern - lediglich das Ziel müsse dasselbe sein.

Nach der Arbeitsphase stellten die AGs ihre Ideen dem Plenum vor. Bernd Wecker vom Planungsbüro Bio-Line erläuterte jeweils sofort im Anschluss, wo aus seiner Sicht besonders große Chancen auf eine Förderung bestehen oder die WI-Bank sicherlich eine Absage erteilen werde. Bis zum nächsten Treffen der Arbeitsgruppen wird er die Ideen zusammenfügen und versuchen, einen Konsens zu formulieren, kündigte Wecker an.

Drei Projekte im Fokus

Die Ideen für kommunale Projekte konzentrieren sich auf drei Komplexe:

Das Kirchenumfeld mit Pfarrhaus, Museum und Spielplatz: Alle vier Arbeitsgruppen - und auch Wecker - waren sich einig, dass dieser Teil des Dorfes das neue Herzstück werden könnte. Das große Fragezeichen stellt dabei das Pfarrhaus dar. Es steht leer, seitdem Pfarrer Burghardt den Ruhestand angetreten hat. Noch steht nicht fest, ob es irgendwann wieder als Wohnung für die Geismarer Pfarrerin genutzt wird oder ob es verkauft wird: Die Entscheidung sei noch nicht gefallen, sagte Dekanin Petra Hegmann auf Nachfrage der FZ. „Da wird sich in den nächsten Wochen etwas tun. Es gibt Überlegungen, aber es ist noch nichts entschieden.“

Für den Fall eines Verkaufs haben die Geismarer große Pläne: Sie wünschen sich dort eine Tagesstätte für alte Menschen, die zugleich zu einem Treffpunkt für Jung und Alt werden könnte. Dazu trägt auch der nahe gelegene Laden bei - denn dadurch ist dieser Teil des Dorfes ohnehin gut frequentiert.

Eine solche Tagesstätte müsste aber einen entsprechenden Betreiber haben. Kontakt haben die Geismarer deswegen zum Roten Kreuz aufgenommen. Christian Peter, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands, bestätigte entsprechende Informationen der FZ. Er betonte jedoch, dass der Besichtigungstermin im Pfarrhaus „absolut unverbindlich“ gewesen sei. Von „Plänen“, das Gebäude zu übernehmen, könne überhaupt keine Rede sein.

Selbst wenn aus der Tagesstätte nichts werden sollte, ist das für Bernd Wecker kein Grund, das ganze Projekt zu kippen. Dann könne immer noch eine Alternative gesucht werden, betonte er in Geismar.

Zwischen Kirche, Dorfmuseum, Backhaus und Spielplatz könnte sich auch sonst viel verändern: Die Straße könnte umgestaltet werden, etwa durch eine Pflasterung, sodass sie zwar nach wie vor befahrbar ist, aber dennoch keine optische Barriere zwischen Kirche und Dorfmuseum und Pfarrhaus darstellt. Terrassen von der Kirche hinunter zur Straße „Teichberg“ nannten gleich mehrere Gruppen als Idee, um einen Übergang und gleichzeitig schöne Sitzplätze für Veranstaltungen zu schaffen. Ob die Gefahr bestehe, dass das Pfarrhaus von jemand anderem gekauft werde, wollte ein Geismarer wissen. Wecker beruhigte ihn: Dass ein Schrotthändler oder Ähnliches dort einziehen werde, sei „unwahrscheinlich“ - schließlich achte die Kirche schon darauf, wie ihre Gebäude nach dem Verkauf genutzt werden. Auch Karsten Dittmar, Bauamtsleiter der Stadt Frankenberg, bestätigte, dass die Stadt in solchen Fällen schon ein Vorkaufsrecht habe, machte aber keine Zusagen für einen möglichen Kauf des Gebäudes.

Das Gelände rund um Grundschule, Dorfgemeinschaftshaus und Kindergarten: Tenor herrschte darüber, dass man die Spielmöglichkeiten von Schule und Kindertagesstätte zusammenführt. Dafür könnte der Trennzaun entfernt und stattdessen eine große Einzäunung um den gesamten Bereich gezogen werden. Auch das Sportgelände könnte aufgewertet werden und etwa für die Bundesjugendspiele von der Grundschule genutzt werden.

Auch für das Dorfgemeinschaftshaus gibt es Pläne: „Es fehlen Sitzgelegenheiten draußen, das ist für ein DGH dieser Größe schon ungewöhnlich“, sagte Wecker im FZ-Gespräch. Ein kleiner Biergarten vor der Gaststätte und die Zusammenlegung der Parkplätze könnten dabei helfen, dies zu ändern.

Ein Treffpunkt für Vereine und kleine Feste im Klippenweg: Dort will die Landjugend unabhängig von der Dorferneuerung in den nächsten Monaten in Eigenleistung für mehr Attraktivität sorgen, den Bachlauf verlegen und Sitzgelegenheiten aufstellen. Wecker riet den Geismarern, dort in kleinen Dimensionen zu denken: Für einen kleinen Festplatz sei der Bereich optimal, dies sei aber auch leicht und mit relativ wenig Aufwand umzusetzen.

Großes privates Interesse

Zu den weiteren Ideen zählten eine optische Verbesserung der Betonmauern entlang der Bundesstraße und ein schön gestalteter Eingang zum alten Friedhof. Außerdem spielten die Anwesenden bereits mit Gedanken, die Privatbesitz betreffen: Sie wollen mit den jeweiligen Eigentümern sprechen, ob Interesse an einer Erweiterung des Edeka-Marktes und einem Umbau der Discothek „Utopia“ zu einem Gasthaus besteht.

Nach Angaben ist das Interesse für private Projekte im Rahmen der Dorferneuerung überproportional groß, sagt Bernd Wecker: „17 Beratungen haben bisher stattgefunden, fünf Anträge sind schon gestellt und etliche weitere sind in Vorbereitung“.

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