Ehemalige DRK-Kreisaltenbetreuerin Ursula Goos sorgte für Leben am Bahnhof

Große Zeit der Sonderzüge

Einmal den Rhein sehen: Auch der 92-jährige Anton Höhn aus Battenberg ging mit Ursula Goos auf die Reise.

Frankenberg. Wenn die 81-jährige Ursula Goos heute in der tristen Atmosphäre des Frankenberger Bahnhofs auf den Schienenbus nach Marburg wartet, wird ihr immer etwas weh ums Herz. „Was herrschte damals hier für ein Leben, als wir mit Sonderzügen und vielen hundert Menschen zu großen Reisen aufbrachen“, erinnert sich die ehemalige DRK-Kreisaltenbetreuerin, von den Senioren liebevoll „Miss Sonnenschein“ genannt.

Am 3. Oktober 1973 gab sie mit roter Mütze und grüner Kelle am Bahnsteig das erste Abfahrtsignal für eine Fahrt mit 462 Senioren nach Rüdesheim, insgesamt 67 Seniorensonderzüge begleitete sie in den Folgejahren. „Es war eine Zeit, in der viele ältere Menschen hier auf dem Land noch nie den Rhein gesehen hatten und sich keine große Reise leisten konnten“, erzählt Ursula Goos.

Für das Rote Kreuz baute sie in den folgenden Jahren mit vielen anderen Ehrenamtlichen Seniorenclubs auf. Die Deutsche Bundesbahn war sehr daran interessiert, Sonderzüge für Tagesausflüge oder Mehrtagesfahrten anzubieten, die für die betagten Reiseteilnehmern erschwinglich waren. Bei der Organisation besonders unterstützt wurde die Kreisaltenbetreuerin durch die Bahnbeamten Heinrich Riemann und Otfried Petzke, aber auch durch ihren Ehemann Karl Goos, der im vergangenen Jahr verstarb.

Ziele in Südeuropa

Allein im Gutenbergjahr 1977 starteten fünf DRK-Sonderzüge mit älteren Menschen aus dem Kreisteil Frankenberg nach Mainz; sechs Sieben-Tages-Fahrten hatten Ziele in Südeuropa. Besucht wurden insgesamt sechs europäische Länder.

„Manchmal hatte ein Sonderzug 13 Wagen, die für die jeweiligen Altenclubs reserviert waren“, erzählt Ursula Goos und blättert in ihren Fotoalben. Es gab ein eigenes Abteil für die ärztliche Betreuung, lange Jahre versehen durch DRK-Helfer sowie durch den „Bahn-, Bus-, Land- und Schiffsarzt“, wie sie sagt, Dr. Erwin Schneider aus Battenberg. Pfarrer beider Konfessionen hielten im Zug Andachten. 3o Bundeswehrsoldaten halfen am Bahnhof beim Koffertransport, wenn die Busse aus dem Kreis eintrafen.

Meistens gehörten zu den Sonderzugreisen Stadtführungen, ein gemeinsames Mittagessen, danach jeweils eine Fahrt mit dem Schiff auf Rhein, Main, Neckar oder Mosel. Dann wurde auch ein Tänzchen gewagt. Noch heute schmunzelt Ursula Goos über den 94-jährigen Löhlbacher, der die damals 46-jährige Sonderzugchefin schon nach fünf schwungvollen Walzerdrehungen fürsorglich fragte: „Na, Frau Goos, können Sie noch?“

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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