Treffen des Frankenberger Führungskreises

Im großen Kreis in Richtung Zukunft

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Frankenberg - Wie gut steht das Frankenberger Land künftig wirtschaftlich da? Als Partner von Handwerk und Industrie haben sich gestern beim ersten Frankenberger Führungskreis die Bundeswehr und Studium Plus präsentiert.

Es ist das altbekannte Thema: der demografische Wandel. Deutschland wird kleiner, ist sogar kleiner als angenommen. Das hat der Zensus gezeigt. Auch die heimische Wirtschaft braucht Antworten, wie sie mit diesem Problem umgehen soll. Woher qualifizierte Fachkräfte nehmen? Wie sie an den ländlichen Raum binden? Fragen wie diese soll - nicht ausschließlich, aber auch - künftig der Frankenberger Führungskreis beantworten. Den Köpfen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung haben gestern bei der Auftaktveranstaltung gleich zwei Institutionen helfende Hände entgegengestreckt: die Bundeswehr und das duale Studienangebot Studium Plus der Technischen Hochschule Mittelhessen.

In dessen Vorlesungsräume im ehemaligen Gesundheitsamt, gleich hinter dem Landratsamt, hatten die Hochschule, Stadt und Kreis sowie die Bundeswehr geladen. Gut 30 Interessierte aus dem Altkreis, aber auch darüber hinaus wollten einen Blick in die Zukunft werfen. Gerne dürften das in Zukunft mehr werden, betonten jene, die das Wort ergriffen. Gemeinsam könne die Zukunft des Landkreises gestaltet werden - so das einhellige Fazit der Veranstaltung, die auch dem Netzwerken diente: Nach dem kurzen offiziellen Teil kamen die Gäste bei Getränken und Essen aus der Feldküche des Frankenberger EloKa-Bataillons im Schatten der hohen Bäume hinter dem Landratsamt zusammen.

Wachstum durch Bildung

Zuvor hatte Landrat Reinhard Kubat auf die Bedeutung der Bildung als Instrument des wirtschaftlichen Wachstums hingewiesen. Der demografische Wandel sei ein bekanntes Problem - „da dürfen wir nicht klagen und jammern, sondern müssen erkennen, was zu tun ist“, sagte er. Ein Hochschulstudium, beziehungsweise das Angebot eines Studiums in der Region, sei dabei ein wichtiges Instrument. Ähnliches sagte Bürgermeister Rüdiger Heß: „Wir müssen die Region weiterbringen und junge Kräfte binden“, sagte er. Es sei ihm daher eine Freude, dass die Technische Hochschule Mittelhessen mit ihrem Angebot Studium Plus den ersten Führungskreis ausrichte.

Anita Röhm, die die Frankenberger Außenstelle von Studium Plus leitet, stellte die Situation vieler Unternehmen im Umgang mit der Bevölkerungsentwicklung plastisch dar: „Es wurde lange darüber geredet und plötzlich merken wir: Uns fehlen die jungen Leute.“ Die gelte es an die Heimat zu binden. Es sei fraglich, ob Hochqualifizierte nach einem Studium im Ballungszentrum je wieder heimkehrten. „Bindung durch Bildung“ laute ein Konzept von Studium Plus. Das entstehe durch eine praxisnahe Hochschulausbildung in der Region.

Wie die aussehen kann, stellten Osborn-Geschäftsführer Albrecht Teich und sein junger Mitarbeiter Benedikt Hofmann vor. Letzterer nahm erst vor wenigen Monaten sein Bachelor-Zeugnis von Studium Plus entgegen und hat schon während des Studiums für einen kleinen Innovationsschub in dem international tätigen Unternehmen gesorgt: Gemeinsam mit Auszubildenden entwickelte er eine Teststrecke für die Bürsten von Osborn. Im Herbst will er bei Studium Plus ein Master-Studium aufnehmen. Teich, der Standorte nicht nur in Deutschland betreibt, nannte Hofmann als gutes Beispiel für den Standort Waldeck-Frankenberg wie für den Standort Deutschland: „Hier brauche ich Leute, die innovativ sind und die Zukunft sichern“, sagte er.

Chancen für Soldaten

Dass diese Leute durchaus auch Erfahrung bei der Bundeswehr haben können, erläuterte Lothar Freitag vom Kasseler Berufsförderungsdienst der Bundeswehr. Er stellte den Unternehmern Anreize vor, die die Beschäftigung eines ehemaligen Soldaten haben kann - von der finanziellen Seite bis hin zur hohen fachlichen Qualifikation. Elmar Henschen, Kommandeur der Burgwald-Kaserne, sprach von durchschnittlich 77 Soldaten, die den Standort jedes Jahr verlassen. Die meisten ­seien hoch qualifiziert - Akademiker gebe es in der Kaserne bis auf die Ebene der Unteroffiziere, da die Aufklärung eine „kopfgesteuerte“ Truppengattung sei.

Bei jenen, die jetzt aus dem Dienst scheiden würden, sei es zu spät, sie für das Frankenberger Land zu gewinnen. „Die Arbeitgeber müssen strategischer denken“, rief er den Unternehmern und Politikern zu. Es gehe darum, den Soldaten nach dem Dienst eine Perspektive in der Region zu geben.

Um Perspektiven geht es auch im Frankenberger Führungskreis - der nämlich soll sich etablieren und künftig Impulse für die Region geben.

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